Politik

Arzneimittel: Diskussion über Schaden und Vorteil der Nutzenbewertung

Freitag, 4. April 2014

Köln – Wie lässt sich das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) drei Jahre nach Inkrafttreten bewerten? Die Antwort: Das kommt ganz darauf an, welche Interessen man vertritt. Aus Sicht des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes, Johann Magnus von Stackelberg, hat sich das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes bewährt: „Das AMNOG wirkt und wie es wirkt, wirkt es gut“, sagte von Stackelberg am Donnerstag während einer Podiumsdiskussion beim Gesundheitskongress des Westens in Köln.

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Birgit Fischer, forderte dagegen faire Rahmenbedingungen für eine verbesserte Versorgung. Sie ist der Ansicht, dass eine wissenschaftliche Nutzenbewertung eigentlich getrennt von den Preisverhandlungen betrachtet werde müsste. Die methodischen Schwierigkeiten einer frühen Nutzenbewertung müssten zudem gemeinsam mit allen Beteiligten angegangen werden, damit ein Interessenausgleich von Industrie und Gesellschaft stattfinden könne und den forschenden Pharmafirmen der Anreiz zur Forschung nicht verloren gehe. Stackelberg entgegnete, dass es jedoch nicht die Aufgabe der Krankenkassen sein könne, Deutschland als Pharmastandort zu stärken.

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Das AMNOG verhindere Innovationen im Arzneimittelbereich nicht, erklärte Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), das für die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln zuständig ist. Probleme könne es allenfalls geben, so Windeler, wenn Pharmafirmen bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen ihres Arzneimittels nicht den Preis erzielen könnten, den der Markt hergebe. Letztlich aber sei für ihn entscheidend, dass der Patient gut versorgt sei.

Ohne Regulierung gehe es im Arzneimittelbereich nicht, betonte der Gesundheitsökonom Uwe May. Dies solle aus einem wohlfahrtsökonomischen Standpunkt heraus geschehen. Er bezweifelte jedoch, dass allein der Zusatznutzen eines Arzneimittels den Preis bestimmen könne.

Das AMNOG trat am ersten Januar 2011 in Kraft und hat das Ziel, die stark steigenden Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen einzudämmen. Kernstück des Gesetzes ist die Nutzenbewertung von Medikamenten, auf deren Grundlage die Preise verhandelt werden. Mit dem 14. Gesetz zur Änderung des fünften Sozialgesetzbuches, das am ersten April 2014 in Kraft getreten ist, ergaben sich weitere Änderungen der Arzneimittelversorgung, die auch die Nutzenbewertung betreffen. Arzneimittel, die bereits vor dem ersten Januar 2011 im Verkehr waren, werden von der Nutzenbewertung ausgenommen. Der Verwaltungs- und Kostenaufwand sei für die Bewertung des sogenannten Bestandmarktes zu groß. © jp/aerzteblatt.de

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