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Chronische Schmerzen: Meta-Analyse sieht kaum Vorteile von Opioiden

Freitag, 4. April 2014

Berlin – Wird die Wirksamkeit von Opioiden bei der Behandlung von nicht-krebsbedingten chronischen Schmerzen überschätzt? In einer Meta-Analyse im British Journal of Pharmacology (2014; doi: 10.1111/bph.12634) waren die Unterschiede zur Psycho- und Physiotherapie gering und statistisch nicht signifikant.

Die Behandlung von Schmerzen erfolgt überwiegend medikamentös. Viele Ärzte orien­tieren sich dabei an dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nach dem zunächst ein Nicht-opioidales Analgetikum (Stufe 1) versucht werden soll, um bei einer fehlenden Wirksamkeit auf ein schwaches Opioid (Stufe 2) und schließlich auf ein starkes Opioid (Stufe 3) zu wechseln.

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Dies impliziert eine stärkere Wirkung der Opioide, die in der Krebstherapie, für die das Stufenschema ursprünglich geschaffen wurde, zutrifft. Immer mehr Ärzte orientieren sich jedoch auch in der Behandlung nicht-krebsbedingter chronischer Schmerzen an dem WHO-Stufenschema, wobei nicht-medikamentöse Ansätze leicht in den Hintergrund treten. Außerdem ist die stärkere analgetische Wirkung der Opioide beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems oder Problemen mit Rückenmuskulatur oder Wirbelsäule nicht so gut belegt.

Ein Team um Christoph Stein, Leiter der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin, hat jetzt den Kenntnisstand in einer umfangreichen Meta-Analyse zusammengefasst. Von 3.647 infrage kommenden Publikationen erfüllten nur 46 Studien die Kriterien (randomisierte klinische Studie, Behandlungsdauer von mindestens drei Wochen) für die Meta-Analyse, die mit einem ernüchternden Ergebnis endete.

Auf der Skala von 0 bis 100 linderten selbst die starken Opioide die Schmerzintensität nur um 12,0 Punkte stärker als Placebo. Sie waren damit zwar den schwachen Opioiden (minus 10,6 Punkte) und den Nicht-Opioiden (minus 8,4 Punkte) überlegen. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant. Hinzu kam, dass auch die Psychotherapie (minus 5,5 Punkte gegenüber einer Kontrollgruppe) und die Physiotherapie (minus 4,5 Punkte) eine gewisse Wirkung erzielten.

Da die nicht-medikamentösen physiotherapeutischen und psychologischen Verfahren den Patienten die Nebenwirkungen der Medikamente ersparen, sind sie nach Ansicht der Autoren ein sinnvoller Bestandteil der Therapie. Bei Behandlung chronischer Schmerzen, die nicht durch einen Tumor hervorgerufen werden, raten sie zu einem multidisziplinären Ansatz, der nicht nur die medizinischen, sondern auch die psycho-sozialen und physiotherapeutischen Aspekte berücksichtigten sollte. © rme/aerzteblatt.de

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