Medizin

ASS kann Präeklampsie vorbeugen

Dienstag, 8. April 2014

Portland – Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) in der Schwangerschaft senkt das Risiko auf eine Präeklampsie. Zu diesem Ergebnis kommt eine systematische Übersicht in den Annals of Internal Medicine (2014 doi: 10.7326/M13-2844). Sie bestätigt die derzeitigen Empfehlungen zur niedrig-dosierten Therapie, die in einer aktuellen US-Leitlinie präzisiert werden.

Die Wirkung von ASS zur Prävention der Präeklampsie ist durch Studien gut untersucht. Jillian Henderson vom Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland im US-Staat Oregon konnte ihre Auswertung auf zwei große und 13 kleinere randomisierte klinische Studien an Frauen mit hohem Risiko und sechs randomisierte klinische Studien bei Frauen mit durchschnittlichem Risiko stützen.

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Dort senkte die Einnahme von ASS das absolute Risiko auf eine Präeklampsie um 2 bis 5 Prozentpunkte (relatives Risiko RR 0,76; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,62 bis 0,95). Die Häufigkeit von intrauterinen Wachstumsstörungen wurde um 1 bis 5 Prozentpunkte und (RR 0,80; 0,65-0,99) gesenkt, und die Zahl der Frühgeburten ging um 2 bis 4 Prozentpunkte zurück (RR 0,86; 0,76-0,98).

Diesem gewissermaßen dreifachen Nutzen standen laut Henderson keine signifikanten Risiken für Mutter oder Kind gegenüber. Eine größere Studie beobachtete die Kinder bis zum Alter von 18 Monaten, ohne Auffälligkeiten in der Entwicklung feststellen zu können. Dies schließt zwar nicht aus, dass es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommt, an einem günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis ist aus Sicht der Forscherin jedoch kaum zu zweifeln.

Die US-Preventive Services Task Force gibt aufgrund der Übersicht jetzt eine B-Empfehlung (mittelmäßiger Vorteil). Sie rät allen Frauen mit einem hohen Präeklampsie-Risiko zur Einnahme von 81 mg ASS/täglich ab der 12 Gestationswoche. Zur Hochrisikogruppe gehören alle Frauen mit einer Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, insbesondere solche, bei denen eine frühzeitige Entbindung notwendig wurde, außerdem Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, Frauen mit Diabetes mellitus oder hohem Blutdruck.

Nach Ansicht der Task Force könnten aber auch Frauen mit einem mittleren Risiko von der Einnahme von ASS profitieren. Hierzu gehören Frauen mit einer Adipositas, einer positiven Familienanamnese auf eine Präeklampsie, ein Alter über 35 Jahre und eine afro-amerikanische Herkunft.

Ähnliche Empfehlungen sind jüngst von der American Heart Association und dem American College of Obstetricians and Gynecologists herausgegeben worden, wenn auch mit leichten Abweichungen zu den Risikogruppen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) rät ab der Frühschwangerschaft (bis spätestens 16. Schwangerschaftswoche) zu einer niedrig dosierten ASS-Prophylaxe (75-150 mg/die), spezifiziert in der Leitlinie aber nicht die Risikogruppen. Eine generelle ASS-Prophylaxe für alle Schwangeren lehnt die DGGG ab. © rme/aerzteblatt.de

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