Politik

Ärzte warnen vor überstürztem Bettenabbau

Mittwoch, 9. April 2014

Berlin – Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Zahl der Klinikbetten zu reduzieren, hat bei Ärzten, Pflegekräften und den Krankenhausträgern Kritik ausgelöst. Zustimmung kommt lediglich von den Krankenkassen.

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) begrüßte in einer ersten Stellungnahme zwar die „grundsätzliche Einsicht des Ministers, dass die Krankenhäuser finanziell stark unter Druck stehen“, hält einen Bettenabbau aber für einen Kurzschluss. „Wir geben zu bedenken, dass die Krankenhäuser in den vergangenen zehn Jahren 600.000 Betten abgebaut haben“, sagte der Präsident der DKG, Alfred Dänzer, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Jahresdurchschnittszahlen für die Bettenauslastung hätten mit der Wirklichkeit in den Kliniken wenig zu tun, weil sie Ferienzeiten, Wochenenden und jahreszeitliche Schwankungen nicht berücksichtigten. „Im Hinblick auf die Finanzprobleme der Krankenhäuser weisen wir darauf hin, dass die Bundesländer in der Pflicht stehen, rund sechs Milliarden Euro für die Klinikinvestitionen beizusteuern, davon aber nur rund 2,7 Milliarden Euro tatsächlich leisten“, so Dänzer gegenüber dem DÄ.

„Wer so wie der Bundesgesundheitsminister den Statistik-Hammer schwingt, geht den falschen Weg“, meint auch der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. In Westfalen-Lippe seien die 58.000 Krankenhausbetten zu 76,3 Prozent ausgelastet, dies liege leicht unter dem statistischen Bundesdurchschnitt. Ohne die Einbeziehung der Sams- und Sonntage seien die Krankenhäuser aber zu 85 Prozent belegt. „Das ist schon eine ganz andere Hausnummer“, so Windhorst. Zudem müsse bei den Kapazitätsplanungen der Kliniken berücksichtigt werden, dass es in Notfällen wie etwa Grippewellen oder Norovirus-Epidemien einer nicht vorhersehbaren Beanspruchung der Kliniken kommen könne.

„In den Kliniken werden die Patienten zum Wochenende hin entlassen. Von Montag bis Freitag werden dagegen häufig Belegungen von 100 Prozent und darüber verzeichnet“, hieß es aus dem Bundesverband Pflegemanagement. Nötig sei daher nicht ein Betten­abbau sondern „Finanzierungsmodelle, die auf die kontinuierlichen Weiterentwicklungen in Medizin und Pflege eingehen“, so der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Peter Bechtel.

Auf Zustimmung stößt der Vorstoß des Ministers bei der Barmer-GEK. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Gesundheitsminister den dringend notwendigen Strukturwandel in der deutschen Kliniklandschaft anpacken will“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kasse, Christoph Straub. Der Plan, überflüssige Krankenhausbetten abzubauen, gehe in die richtige Richtung. Grundsätzlich müsse die Qualität der stationären Versorgung zukünftig eine zentrale Rolle bei der Krankenhausplanung spielen, so Straub. © hil/aerzteblatt.de

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