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Hepatitis: WHO fordert Screening und rechtzeitige Therapie

Freitag, 11. April 2014

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmals eine Leitlinie zur Hepatitis C herausgegeben, an der weltweit 130 Millionen Menschen leiden und jedes Jahr zwischen 350.000 und 500.000 sterben. Die WHO empfiehlt auch den Einsatz der neueren direkt wirkenden Substanzen (DAA), für deren Finanzierung sich die WHO nach dem Beispiel von HIV stark machen will.

Die WHO rät zu einem Screening aller Personen mit einem erhöhten Risiko. Dazu zählen alle Menschen, die vor Einführung des HCV-Tests Blutprodukte erhalten haben, Konsu­menten intravenöser Drogen, HIV-Infizierte, aber auch Menschen, die sich unter schlech­ten hygienischen Bedingungen tätowieren ließen.

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Auf einen positiven Antikörpertest sollte nach Ansicht der WHO stets die Bestätigung einer aktiven Infektionen durch den Nachweis von Virusgenen folgen. Infizierte sollten zum Alkoholkonsum befragt und zur Abstinenz beraten werden. Das Ausmaß von Leber­fibrose und -zirrhose sollte (in ressourcenarmen Ländern möglichst kostengünstig) evaluiert werden, bevor den Patienten zu einer Therapie geraten wird.

Standardtherapie ist die Kombination auf pegyliertem Interferon mit Ribavirin. Die DAA Telaprevir oder Boceprevir könnten in Kombination mit pegyliertem Interferon und Ribavirin bei einer Infektion mit Viren vom Genotyp 1 eingesetzt werden. Sofosbuvir plus Ribavirin (allein oder in Kombination mit pegyliertem Interferon) sind eine Option für Infektionen mit den Genotypen 1, 2, 3 und 4. Simeprevir wird in Kombination mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für Infektionen mit dem Genotyp 1b ohne Q80K-Polymorphismus empfohlen.

Die WHO hat damit vier DAA in ihre Empfehlungen einbezogen, obwohl diese noch nicht überall (teilweise auch nicht in Deutschland) verfügbar sind. Damit stellt sich die Frage der Finanzierung, die schon jetzt problematisch ist. Die Behandlung der Hepatitis C war schon vor Einführung der neuen Medikamente teuer. Die Behandlung mit pegylierten Interferonen plus Ribavirin über 48 Wochen kostet laut WHO in Ägypten derzeit 2000 US-Dollar. Für die zwölfwöchige Behandlung mit Sofosbuvir müssen US-Patienten 84.000 US-Dollar zahlen.

Die Leitlinie fordert deshalb eine konzertiere Aktion, um den Entwicklungsländern kostengünstige Medikamente zur Verfügung zu stellen. Das Beispiel HIV habe gezeigt, dass eine Reduktion der Kosten um den Faktor Hundert möglich ist, zumal die eigent­lichen Produktionskosten gering sind. Sie sollen bei Sofosbuvir weniger als 150 US-Dollar für die gesamte 12-wöchige Therapie betragen. In den USA wird das Mittel 1.000 US-Dollar pro Tablette kosten.

Die hohen Preise lassen sich nicht allein mit den Kosten der klinischen Studien erklären. Auch Spekulationen im Vorfeld der Einführung spielen eine Rolle. So hat Gilead für die Lizenzrechte von Sofosbuvir nicht weniger als 11,2 Milliarden US-Dollar bezahlt. Sollte die Firma das Medikament jetzt zum Selbstkostenpreis an Entwicklungsländer abgeben, muss mit der Entwicklung eines Schwarzhandels gerechnet werden, gespeist durch Patienten, die für Geld auf ihre langfristige Gesundheit verzichten. © rme/aerzteblatt.de

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