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KBV-Versor­gungsmesse: Positive Resonanz

Dienstag, 15. April 2014

Berlin – „Das Besucherinteresse war sehr groß, die Veranstaltungen waren hervor­ragend besucht“ – mit diesen Worten hat der Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, die Resonanz auf die dreitägige Versor­gungsmesse der KBV und der Agentur deutscher Arztnetze zusammengefasst. Von 26. bis 28. März präsentierten etwa 50 Aussteller ihre Projekte und Kooperationen. Im Mittelpunkt der diesjährigen Messe standen die Themen Qualität, Kooperation und Diversifizierung.

„Wir wollen zeigen, wie kreativ und lösungsorientiert die ambulante Versorgung in Deutschland ist“, hatte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen anlässlich der Eröffnung betont. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte vor seinem Rundgang über die Messe betont, er erwarte „spannende Beispiele für Kooperationen“.

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Sechs Aussteller hat das Deutsche Ärzteblatt nach ihren Projekten, deren Perspektiven und den Erfahrungen auf der KBV-Versorgungsmesse befragt. Alle zeigten sich zufrieden mit dem Interesse der Messebesucher und den geknüpften Kontakten.

Neben der Information über zahlreiche Projekte und Initiativen an den Ständen bot die Versorgungsmesse Information in Form von Fachforen, unter anderem zu Themen wie  „Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung“, „Praxisnetze“ oder 20 Jahre Qualitätszirkel – Bilanz und Ausblick“. Außerdem wurde auf mehreren Podium diskutiert, beispielsweise über Fragen der Aus- und Weiterbildung von Medizinstudierenden und jungen Ärztinnen und Ärzten sowie über „Diversifizierung und Kooperation – Perspektiven für die ambulante Versorgung“.

Dagnä für HIV-Infizierte
Für die Behandlung von HIV/AIDS-Patienten im ambulanten Bereich gibt es seit dem Jahr 2009 eine Qualitäts­sicherungsvereinbarung – nach Ansicht der Deutschen Arbeits­gemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versor­gung HIV-Infizierter (dagnä) ein Mei­lenstein. Dennoch ist das Krank­heitsbild nach wie vor eine Herausforderung; hier spielen Komorbiditäten und das steigende Alter der Patienten eine Rolle.

Dagnä-Mitglieder engagieren sich für Qualität in der Versorgung, beispielsweise durch passgenaue eigene Fortbildungsangebote. Sie dienen dazu, die vorgeschriebenen Maßnahmen der Qualitätssicherung sinnvoll zu ergänzen und den Kolleginnen und Kollegen den aktuellen Stand der Forschung zeitnah zu vermitteln.

Stephan Klauke, Vorstandsmitglied der dagnä, hat gemeinsam mit anderen dagnä-Repräsentanten die Arbeit des Vereins bei der KBV-Versorgungsmesse vorgestellt. Er verweist darauf, „dass wir es geschafft haben, im Rahmen unserer Zusammenarbeit eine flächendeckende und hochwertige Versorgung für HIV-Infizierte in Deutschland sicher­zustellen, was nicht einfach ist, gerade abseits der Ballungszentren.“ Vermerkt man auf einer Deutschlandkarte, wo sich HIV-Schwerpunktpraxen befinden, ergibt sich fast ein C – im Westen finden sich deutlich  mehr Praxen als etwa in den ostdeutschen Flächenländern.

Nicht zuletzt vom themenübergreifenden Austausch auf der KBV-Messe erhofft sich Klauke  „neue Impulse für alle Beteiligten “. Neben der Fortbildung und dem Qualitäts­management engagiert sich dagnä für die Versorgungsforschung und für die Kooperation mit Fachgesellschaften, Selbsthilfegruppen und Selbstverwaltung.

Thomas Nebling (TK) und Jutta Hübner (DKG)

Infos zur Komplementärmedizin
„Wir wollen bei möglichst vielen Messebesuchern ein Bewusstsein dafür erzeugen, dass nicht pauschal gilt: Komplementärmedizin – das bringt doch nichts“, sagt Thomas Nebling. Der Gesundheitsökonom aus dem Bereich Versorgungsmanagement bei der Techniker Krankenkasse (TK) stellt am Stand auf der KBV-Versorgungsmesse mit der Ärztin Jutta Hübner, die für die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) arbeitet, ein gemeinsames Projekt vor: „Komplementärmedizin für Krebspatienten“.

TK und DKG haben ein mehrteiliges Informations- und Beratungsprogramm zum Thema „Komplementärmedizin für Krebspatienten“ entwickelt. Es besteht aus fünf Modulen: Vorträge bei den  Landeskrebsgesellschaften, Videos auf der Website der TK, Broschüren für Ärzte und Patienten, ein Angebot zur telefonischen Beratung und zu individuellen Patientenschulungen.

„ Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass es sich lohnt, das Thema Komplemen­tärmedizin differenzierter zu betrachten“, erläutert Nebling. „Wichtig ist, dass hier diesel­ben Standards der evidenzbasierten Medizin angewendet werden wie in der Schul­medizin. Für einige Teilbereiche liegen inzwischen gesicherte Erkenntnisse vor, aus denen sich positive Empfehlungen ableiten lassen.

Daneben gibt es auch komplementäre Methoden, von denen man abraten muss“, betont er. Parallel zum Material für Patienten wurde auch ein Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte entwickelt.  „Es ist unser Anliegen, dass sich Ärzte und Patienten bei der Suche nach sinnvollen Ergänzungen der Krebstherapie auf fundierte Informationen stützen können“, sagt der Gesundheitsökonom.

Paednetz: Ausführliche Gespräche
Viele Eltern wünschen sich von ihrem Kinder- und Jugendarzt Rat und Hilfe, wenn ihre Kinder länger andauernde Entwicklungsauffälligkeiten zeigen: Schreikinder sind, unter Ernährungs- oder Sprachentwicklungsstörungen leiden, es größere Erziehungsprobleme gibt. Für sie haben „Paednetz Bayern“ und die Vertragsarbeitsgemeinschaft der Betriebskrankenkassen (BKK) in Bayern ein gemeinsames Projekt initiiert, die „BKK Starke Kids-Sprechstunde“. Sie bietet Raum für ausführliche Gespräche und eine intensive Beratung, die über die normale Versorgung von Kindern und Jugendlichen in einer Praxis hinausgeht.

„Es handelt sich um ein gewichtiges und innovatives Projekt in der ambulanten sozialpädiatrischen Versorgung, das es so  bundesweit sonst nicht gibt“, betont Otto Laub, Erster Vorsitzender von PaedNetz. Durch die Einbindung der Netzärzte könne die Therapiesprechstunde flächendeckend für Kinder von BKK-Versicherten in Bayern angeboten werden, die Eltern seien nicht auf einige wenige Sozialpädiatrische Zentren angewiesen, erläutert Laub. Mittlerweile gehören rund 750 niedergelassene Kinder- und Jugendärzte dem Netz an, das seit vielen Jahren die pädiatrische Versorgungslandschaft in Bayern aktiv mitgestaltet.

Kern der Therapiesprechstunde ist, dass sich der Kinderarzt Zeit nehmen kann für Problemfälle – und dass diese Zeit honoriert wird. „Für diese sprechende Medizin gibt es zum ersten Mal eine vernünftige Vergütungsstruktur im Rahmen des Vertrags“, erklärt Laub. Die Therapiesprechstunde wird über eine eigene Gebührenordnungsposition abgerechnet. Pro Patient stehen dem Pädiater drei Stunden zur Verfügung, die er nach Bedarf einteilen kann; jeweils zehn Minuten werden mit 15 Euro vergütet.

Basis dieser Versorgung ist ein Handlungsleitfaden mit leitlinienorientierten „Checklisten“, die die Arbeitsgemeinschaft Sozialpädiatrie der Kinder- und Jugendärzte Bayerns erarbeitet hat. Sie sehen eine Erstbeurteilung, dann eine Basis-/Stufendiagnostik vor und eine regelmäßige Überprüfung des mit den Eltern vereinbarten Therapieziels.

Sebastian Klein und Lysann Kasprick

GeriNet und Leipziger Gesundheitsnetz: Hilfe für Senioren
„Wir haben eine Verpflichtung, für die Bürger in Sachsen eine tragfähige Versorgung für die Zukunft zu gestalten. Mit dem Leipziger Gesundheitsnetz und der Koordinierungsstelle GeriNet Leipzig, einem geriatrischen Netzwerk, haben wir die Möglichkeit, endlich einmal etwas auszuprobieren und uns für dieses Ziel einzusetzen.“  So umreißt Lysann Kasprick auf der KBV-Versorgungsmesse das, worum es im Kern bei dem Projekt „LIQUID“ geht, das sie dort vorstellt. Kasprick ist Projekt­managerin bei GeriNet Leipzig.

„LIQUID“ steht für „Leipziger intersektorales quartiernahes Informationsdesign“. Dahinter steckt ein Konzept, um geriatrische Patienten und ihre Familien in der Stadt und im Landkreis zu identifizieren und ihnen bei Bedarf mit Hilfe einer trägerübergreifenden Koordinierungsstelle, dem GeriNet Leipzig, und der ersten Leipziger Facharztpraxis für Altersmedizin aus dem Leipziger Gesundheitsnetz unter die Arme zu greifen.

Nach diesem Konzept bleiben die Hausärztinnen und Hausärzte Hauptkoordinatoren für alle diagnostisch-medizinischen Aufgaben rund um ihre  geriatrischen Patienten, werden aber durch  ein integriertes Case- und Care-Management und weiterführende diagnos­tische Leistungen der Facharztpraxis für Altersmedizin unterstützt und entlastet.

Im Leipziger Gesundheitsnetz haben sich seit der Gründung im Jahr 2009 Hausärzte und Fachärzte aller Richtungen sowie Therapeuten zusammengeschlossen. Das GeriNet Leipzig umfasst führende  medizinische, therapeutische und soziale Leistungserbringer und ergänzende Dienstleister der Region. Ein Schwerpunkt ist die Versorgung älterer Menschen. So hat das Netz einen Betreuungsvertrag mit dem Träger des Pflegeheims „Domizil am Ostplatz“ geschlossen, der eine Versorgung durch ein festes Hausärzteteam plus kooperierende Fachärzte vorsieht.

Um sie zu verbessern, hat das Netz ein Konzept zur sektorübergreifenden geriatrischen Versorgung entworfen und begonnen, es seit Jahresanfang Schritt für Schritt umzusetzen.

Peer Visits für Anästhesisten
Wie wird der Patient auf die ambulante Operation vorbereitet? Wie läuft die Narkose ab? Wie ist die Versorgung danach? Diesen Fragen gehen seit etwas über einem Jahr 15 nieder­gelassene Anästhesistinnen und Anästhesisten aus Berlin und Brandenburg nach, die sich zu einem Qualitätszirkel zusammengeschlossen haben. Ihr Projekt „Peer Visits“ hat als Sprecher der 15 Jörg Karst auf der KBV-Ver­sorgungsmesse vorgestellt.

„Es ist eine innerärztlich initiierte Qualitätssicherungsmaßnahme, bei der wir uns als niedergelassene Anästhesisten gegenseitig beim Arbeiten beobachten“, erläutert Karst. Ihm gefällt daran, „dass das Projekt sehr praxisbezogen ist. Anschließende Feedbacks ermöglichen, voneinander zu lernen, und fördern dadurch die Prozess- und Ergebnis­qualität. Die Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb der Fachgruppe wird im Sinne der Patienten gestärkt­.“

Die „Peers“ sind ambulant tätige Kollegen, die sich gegenseitig in der Praxis und im Operationsraum besuchen, um über Abläufe, Equipment und Konzepte für unvorher­gesehene Ereignisse im Rahmen einer Operation zu sprechen. Jeder Besucher lässt sich auch selbst beurteilen. Es geht nicht um Besserwisserei, sondern um Austausch. Es herrscht Schweigepflicht; kein Bericht geht nach draußen.

„Wir haben bisher unseren Kopf noch nicht aus der Tür gestreckt. Das ist der erste Termin, mit dem wir das heute tun“, berichtet Karst von der Präsentationspremiere. Potenzial hat das Projekt, das er vorstellt: Das Anästhesienetz Berlin-Brandenburg  (ANBB) will „Peer Visits“ ab sofort bundesweit als Qualitätsmaßnahme anbieten. Möglicherweise lässt sich das Konzept, das vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) gefördert wird, auf andere Facharztgruppen übertragen. Allein im Bereich der Anästhesie könnten, wenn „Peer Visits“ bundesweit flächendeckend etabliert sind, rund zwei Millionen Patienten davon profitieren.

Christian Flügel-Bleienheuft (l.) und Roger Schmid

Gesundheitsnetz Köln-Süd
Ein Praxisnetz in einer Gegend, in der so viele Ärztinnen und Ärzte niederge­lassenen sind wie an kaum einer anderen Stelle in Europa? Bringt das denn etwas? Ja, finden Christian Flügel-Bleienheuft und Roger Schmid, Mitglieder des „Gesundheitsnetz Köln-Süd“. Denn ein großes Versor­gungsangebot in einer Region ist nicht  automatisch gleichzusetzen mit optimalen, strukturierten Therapieangeboten für die Patienten, die dort leben, und mit einer guten Kooperation der Ärzte.

Daran arbeiten seit 2007 der Internist Flügel-Bleienheuft , Vorstandsvorsitzender des Netzes, und der Anästhesist Schmid gemeinsam mit mittlerweile 70 Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fachrichtungen. Im Netz kooperieren Fachärzte und Hausärzte. Weil die Fachärzte überwiegen, ist den Hausärzten im Netz eine zeitnahe Weiterleitung der Patienten in die fachärztliche Versorgung möglich. Dem Netz haben sich weitere Partner und Förderer angeschlossen, darunter ein Pflegedienst, eine vollstationäre Pflegeeinrichtung und eine Physiotherapie.

„Mir gefällt am besten, dass der Zusammenhalt unter den Kollegen im Netz besser geworden ist“, sagt Flügel-Bleienheuft. So hätten sich Befürchtungen reduziert, Patienten kämen nicht in die eigene Praxis zurück, wenn man sie beispielsweise für eine Magen- oder Darmspiegelung zu einem Kollegen überweise. „Das liegt auch an den verbindlicheren Strukturen  im Netz und an dem Wertekodex, den wir uns gegeben haben“, erläutert der Internist.  „Man spricht anders miteinander.“

Das Gesundheitsnetz Köln-Süd hat unter anderem Projekte zu Herzinsuffizienz, Polypharmazie und betrieblichem Gesundheitsmanagement aufgelegt. Ein Selektivvertrag mit der Techniker Krankenkasse sichert deren Mitgliedern besondere Präventionsangebote und eine koordinierte fachärztliche Versorgung.

© Rie/aerzteblatt.de

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