Medizin

PET sagt Erwachen aus Wachkoma voraus

Mittwoch, 16. April 2014

Lüttich – Die Positronen-Emissions-Tomographie kann helfen, jene Patienten mit persistierendem vegetativem Status zu erkennen, die langfristig eine Chance auf ein Erwachen aus ihrer Bewusstlosigkeit haben. Dies zeigt eine Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60042-8), die auch den Nutzen einer funktionellen Kern­spintomographie untersucht.

Menschen mit persistierendem vegetativem Status (PVS) sind wach, aber ohne erkenn­bare Zeichen eines Bewusstseins. Sie haben die Augen geöffnet, doch sie reagieren nicht auf eine Ansprache. Manchmal zeigen sie Bewegungen, die zielgerichtet scheinen, es aber nicht immer sind.

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Auch Ärzten fällt es schwer, zwischen dem PVS und einem Minimal Conscious State (MCS) zu differenzieren, bei dem die Patienten zwischendurch das Bewusstsein erlangen. Die Fehlerquote liegt nach Auskunft von Steven Laureys von der Coma Science Group in Lüttich, einem international führenden Zentrum für die Behandlung von Wachkomapatienten, bei 40 Prozent und damit nicht weit vom Werfen einer Münze entfernt.

Eine Unterscheidung ist jedoch wichtig, da Patienten mit MCS manchmal wieder zu Bewusstsein gelangen. Bei einer PVS ist dies in der Regel nicht der Fall. Die belgischen Forscher haben zur Verbesserung der Diagnose eine Coma Recovery Scale entwickelt. Es handelt sich um eine Vielzahl von klinischen Tests und Beobachtungen, deren Beurteilung allerdings niemals frei von subjektiven Bewertungen ist. Auch eine vor vier Jahren vorgestellte komplexe EEG-Analyse liefert oft rätselhafte Resultate.

Besser und möglicherweise auch objektiver könnten zwei bildgebende Verfahren sein, die Laureys jetzt in einer Studie an 126 Patienten (darunter 41 mit PVS) evaluiert hat, die aus ganz Europa zur Untersuchung nach Lüttich transportiert wurden. Die erste Untersuchung ist eine Positronen-Emissions-Tomographie mit dem konventionellen Tracer Fluorodeoxyglukose (FDG). Sie zeigt an, an welchen Stellen des Gehirns die Neuronen Glukose aufnehmen.

Da Glukose der hauptsächliche Energieträger im Gehirn ist, zeigt der Test an, welche Teile stoffwechselaktiv sind. Bei einem Hypometabolismus ist eine spätere Reaktivierung unwahrscheinlich. Da Zentren im frontoparietalen Cortex den Bewusstseinszustand regeln, achteten die Forscher vor allem auf diese Regionen. Bei einem Hypometa­bolismus entschieden sie sich für die Diagnose PVS. Bei einem partiellen Erhalt der Stoffwechselaktivität wurde ein MCS diagnostiziert.

Bei der funktionellen Kernspintomographie (fMRI) wurden die Patienten gebeten, sich vorzustellen, Tennis zu spielen oder sich in ihrer Wohnung zu bewegen. Die Patienten zeigen zwar keine Verhaltensreaktion auf die Frage, bei einigen kam es im fMRI jedoch zu Signalen, die die Forscher als Zeichen eines Bewusstseins deuteten.

Mittels der beiden bildgebenden Methoden konnten die Forscher bei 13 der 41 Patienten mit PVS die Diagnose auf ein MCS revidieren. In den folgenden 12 Monaten erwachten 9 der 13 Patienten aus ihrem Wachkoma. Beide Untersuchungen eignen sich deshalb für die Differentialdiagnose. Die Treffsicherheit bei der Vorhersage der Erholung war jedoch mit dem PET (74 versus 56 Prozent) höher.

Es dürfte deshalb in Zukunft zur Standarduntersuchung werden. Die beiden Editorialisten Jamie Sleigh von der Universität Auckland und Catherine Warnaby von der Universität Oxford sind sich jedenfalls sicher, dass die Unterscheidung zwischen PVS und MCS in Zukunft nicht mehr allein durch eine klinische Untersuchung erfolgen wird. © rme/aerzteblatt.de

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