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Medizinische Versorgung von Flüchtlingen in der Kritik

Mittwoch, 16. April 2014

München – Nach der Verurteilung dreier Mitarbeiter einer Asylbewerberunterkunft hat der Bayerische Flüchtlingsrat grundsätzliche Missstände in der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen gerügt. In den Einrichtungen herrsche „organisierte Verantwortungslosigkeit“, beklagte Sprecher Alexander Thal vom Flüchtlingsrat am Mittwoch in München. Er forderte die Bundesregierung auf, das Asylbewerberleistungsgesetz abzuschaffen. Es sei bedauerlich, dass Entscheidungen über eine medizinische Behandlung für Flüchtlinge nicht von Ärzten, sondern von Sachbearbeitern im Sozialamt getroffen würden.

Am Dienstag hatte das Amtsgericht Fürth drei Mitarbeiter der Zirndorfer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt. Sie hätten einem Elternpaar und deren schwer krankem Kind nicht geholfen.

Asylleistungen in Deutschland: Flüchtlinge sind Patienten dritter Klasse

Das deutsche Gesundheitssystem hält sich viel darauf zugute, dass Patienten dort ohne Ansehen der Person und des eigenen Geldbeutels medizinisch angemessen versorgt werden. Für Asylsuchende, Bürgerkriegsflüchtlinge oder geduldete Ausländer gilt das aber nur eingeschränkt.

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„Das Ganze hat aber größeres Ausmaß und Struktur“, kritisierte Thal. Bis zu drei Wochen dauere es, bis eine medizinische Aufnahmeuntersuchung stattfinde. Das berge ein riesiges Gefahrenpotenzial für Flüchtlinge. Oftmals scheitere eine Versorgung nicht an fehlenden Ressourcen, sondern „mangelnden Zuständigkeiten“.

Sozialministerin Emilia Müller (CSU) argumentierte dagegen, dass es sich in der Zirndorfer Unterkunft „um ein bedauerliches Fehlverhalten im Einzelfall“ handle. Alle Asylbewerber in Bayern würden mit der benötigten medizinischen Behandlung versorgt - unabhängig davon, ob ein Krankenschein vorliege oder nicht. In beiden bayerischen Erstaufnahmeeinrichtungen seien Allgemeinmediziner, in München auch Psychiater. Momentan arbeiteten die beiden Bezirksregierungen Oberbayern und Mittelfranken noch an einem Ausbau mit Fachärzten für Psychiatrie, Frauen- und Kinderheilkunde, betonte sie.

Die SPD widersprach der Ministerin. Damit sich ein Fall wie in Zirndorf nicht wiederhole, brauche es mehr medizinisches Personal vor Ort und auch einen leichteren Zugang zu niedergelassenen Ärzten, sagte der integrationspolitische Sprecher Arif Tasdelen. Es sei „eine Schande für den reichen Freistaat Bayern, dass hier nicht für eine flächendeckende und umfassende Gesundheitsversorgung bei Asylbewerbern gesorgt“ werde. Seine Fraktion bereite entsprechende Initiativen vor - auch als Reaktion auf die Anhörung von Flüchtlingsexperten im Landtag in der vergangenen Woche.

Menschen ohne Papiere: Medizin im Verborgenen

Flüchtlinge, die sich illegal in Deutschland aufhalten, sind vom Zugang zur Gesundheitsversorgung so gut wie ausgeschlossen. Werden sie krank, sind sie meist auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Unauffällig, möglichst unsichtbar: 200 000 bis 500 000 Menschen leben Schätzungen zufolge ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in Deutschland.

Im Mittelpunkt der Kritik der Grünen stand vor allem das auch vom Flüchtlingsrat kritisierte Asylbewerberleistungsgesetz. Es stelle Flüchtlinge bei der medizinischen Versorgung deutlich schlechter als andere Hilfsbedürftige. „Bei akuten Notsituationen erschweren nach wie vor bürokratische Hemmnisse eine schnelle Hilfe“, beklagte die asylpolitische Sprecherin Christine Kamm. Der Umfang der ärztlichen Bereitschaftsstunden und die dazugehörigen Räumlichkeiten seien mehr als verbesserungswürdig. © dpa/aerzteblatt.de

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