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Hohe Erregerbelastung bei Zeugung erhöht Abwehr gegen spätere Epidemien

Donnerstag, 17. April 2014

Rostock – Einen Hinweis auf generationenübergreifende Abwehrmechanismen gegen Infektionskrankheiten haben Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock vorgelegt. Danach sind Kinder, die gezeugt wurden, während eine schwere Infektionskrankheit grassierte, später widerstandsfähiger auch gegen andere Erreger. Die Forscher publizierten ihre Daten in Plos One (doi 10.1371/journal.pone.0093868).

In ihrer Studie untersuchten sie tödliche Masern- und Pocken-Epidemien in der kanadischen Provinz Québec des 18. Jahrhunderts: Kinder, die dort während der Masernwelle der Jahre 1714/15 gezeugt wurden, starben deutlich seltener am Ausbruch der Pocken 15 Jahre später als Kinder, die vor den Masern gezeugt worden waren. „Der Mechanismus kann dabei weder rein genetisch sein noch ist die entwickelte Resistenz auf einzelne Erreger beschränkt“, sagte Kai Willführ vom MPIDR.

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Einen solchen Weitergabe-Mechanismus zwischen Eltern und Kind nennen die Wissenschaftler „funktionalen transgenerationalen Effekt“: Die Eltern, die zum Zeitpunkt der Empfängnis eine erhöhte Belastung durch Masernerreger erlebten, gaben den Kindern nicht nur mehr Schutz gegen diesen einen Infekt mit. Die Abwehr von Erregern funktionierte in der nächsten Generation offenbar generell besser, auch im Kampf gegen andere Krankheiten wie die gefährlichen Pocken.

Konkret lag die Wahrscheinlichkeit, an den Pocken zu sterben, für während der Masernwelle 1714/15 gezeugte Kinder bei einem Siebtel der normalen Sterbe­wahrscheinlichkeit ihrer Geschwister, die vor dem Masernausbruch gezeugt und geboren worden waren. Der Preis dafür war allerdings hoch: Die Sterblichkeit der während der Pocken so widerstandsfähigen Kinder war in der Zeit zwischen den Krankheitswellen 1714/15 und 1730 dreimal so hoch wie die der gegen Pocken anfälligeren Geschwister.

„Offenbar ist das Abwehrsystem der Kinder auf eine Welt mit hoher Erregerbelastung optimiert, wenn sie bei der Zeugung hoch war“, so MPIDR-Forscher Willführ. Zu einer Welt mit wenigen Erregern passe es dann aber anscheinend weniger gut. © hil/aerzteblatt.de

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