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Modellprojekt bereitet auf die Pflege von Angehörigen vor

Freitag, 18. April 2014

Kiel – Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt oder ein Oberschenkelhalsbruch: Die Familie muss nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt oft unvorbereitet sehr schnell Entscheidungen zur weiteren Versorgung ihres pflegebedürftigen Angehörigen treffen. Hilfe in dieser oft sehr belastenden Situation soll Betroffenen das Modellprojekt ‚Familiale Pflege’ bieten. Eine positive Zwischenbilanz nach der Betreuung von mehr als 1.600 Angehörigen in Schleswig-Holstein zogen in Kiel jetzt das Landesgesundheitsministerium, Kliniken und die AOK Nordwest.

„Mit dem Projekt „Familiale Pflege“ werden Brücken zwischen Krankenhausversorgung und häuslicher Pflege geschaffen. Dabei geht es darum, Sicherheit zu vermitteln und pflegende Angehörige in ihrem hohen Engagement zu unterstützen und zu entlasten“, sagte Landes-Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD). Sie wies daraufhin, dass in Schleswig-Holstein der Anteil häuslicher Pflege bislang deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liege. Das Projekt und weitere Maßnahmen wie die gezielte Information von Angehörigen in den Pflegestützpunkten sollen dazu beitragen, dass sich dies ändere.

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Speziell ausgebildete Pflegetrainerinnen bieten den Angehörigen im Rahmen des Projektes schon im Krankenhaus einzelfallbezogene Pflegetrainings an. Dabei lernen die Teilnehmer Pflegetechniken kennen, zum Beispiel die richtige Lagerung und Bewegung aber auch Körperhygiene oder praktische Hilfestellungen beim An- und Ausziehen, beim Essen und Trinken. Den Familien wird in Gesprächen aber auch vermittelt, wie sie ein pflegerisches Netzwerk knüpfen, damit die ganze Verantwortung nicht auf den Schultern eines Angehörigen allein lastet.

Nach den ersten Trainings im Krankenhaus geben die Pflegetrainerinnen der pflegenden Familie weiter Sicherheit durch individuelle Pflegetrainings im Rahmen von Hausbesuchen. Initialpflegekurse und ein monatlicher Gesprächskreis dienen der Vertiefung der Pflegekompetenz und der Reflexion des familialen Pflegealltags. „In dieser Situation müssen mehrere Leute Verantwortung übernehmen, sonst kommt es zu Stress und Erschöpfung der Pflegenden“, betonte die Projektleiterin Katharina Gröning von der Universität Bielefeld.

Die Kosten des Modellprojekts trägt in Schleswig-Holstein die AOK Nordwest im Rahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Profitieren von dem Projekt können alle pflegenden Angehörigen unabhängig welcher gesetzlichen Pflegekasse sie angehören. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Das Modellprojekt ist nicht auf Schleswig-Holstein begrenzt. 2013 beteiligen sich 312 Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein daran. 38.657 pflegende Angehörige haben 2013 an Pflegetrainings, Initialpflegekursen und Gesprächskreisen teilgenommen. Laut Evaluationsbericht der Uni Bielefeld fühlen sich 94 Prozent der Teilnehmer durch die Pflegetrainings „gut“ oder „eher gut“ auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet.

© hil/aerzteblatt.de

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