Ärzteschaft

Jährlich verlassen mehr als 3.000 Ärzte Deutschland

Mittwoch, 23. April 2014

Berlin – Zwischen 2007 und 2012 haben 16.882 Ärzte Deutschland den Rücken gekehrt. Das teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke mit. Vor allem die Schweiz ist für deutsche Mediziner attraktiv: Rund 4.300 Mediziner zogen in die Schweiz, weitere 1.700 nach Österreich, 1.000 in die USA und 600 nach Großbritannien.

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Gleichzeitig wanderten im gleichen Zeitraum aber auch 11.500 Ärzte aus anderen Ländern in die Bundesrepublik ein. Insgesamt arbeiteten Ende vergangenen Jahres 28.310 ausländische Mediziner in Deutschland. Dabei stammt mit rund 16.000 Medizinern der Großteil der zugewanderten Ärzte aus Europa. Vor allem Rumänen (2.704), Griechen (2.258), Österreicher (2.090) und Russen (1.627) zog es in die Bundesrepublik. Jeweils rund 1.000 Ärzte kamen aus Bulgarien, Syrien und afrikanischen Ländern.

Laut Bundesregierung werden die ausländischen Mediziner fast immer im stationären Bereich tätig. „Dort, wo Deutschland Versorgungsprobleme hat, nämlich im ambulanten Bereich, stehen die zugewanderten Ärzte nicht zur Verfügung“, kritisierte die Links­fraktion. Um die Versorgungsproblematik im ambulanten Bereich zu lösen, müsse das Studium der Allgemeinmedizin attraktiver gestaltet, die Bedarfsplanung  reformiert sowie Medizinische Versorgungszentren und Polikliniken vorangetrieben werden, forderte die Linkspartei.

Insgesamt ist die Anzahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im vergangenen Jahr mit 123.629 etwa konstant geblieben (+0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Das geht aus der Ärztestatistik hervor, die die Bundesärztekammer vor kurzem veröffentlicht hat. Die Anzahl der Hausärzte ist dabei um ein Prozent auf 33.780 geschrumpft. Gestiegen ist hingegen die Zahl angestellter Ärzte im ambulanten Bereich  – von 20.845 im Jahr 2012 auf 22.304 im vergangenen Jahr. 1993 waren es 5 397.

Ärztestatistik: Mehr Ärztinnen, mehr Angestellte

Bei der Arztzahlentwicklung halten die Trends der vergangenen Jahre an: 2013 arbeiteten mehr Ärztinnen und mehr angestellte Ärzte in Deutschland. Auch das Durchschnittsalter stieg weiter an sowie die Zahl der Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit. Die Gesamtzahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist im Jahr 2013 um 2,5 Prozent auf 357 252 gestiegen.

Zudem gehen immer mehr Ärzte in den Ruhestand. Im vergangenen Jahr erhöhte sich ihre Zahl um 3,8 Prozent auf 72.540. Zugleich steigt das durchschnittliche Alter berufstätiger Ärztinnen und Ärzte seit Jahren an: im stationären Bereich von 38,05 Jahren im Jahr 1993 auf 41,25 Jahre im vergangenen Jahr. Und im ambulanten Bereich von 46,56 Jahren im Jahr 1993 auf 53,09 Jahre im Jahr 2013. © hil/fos/aerzteblatt.de

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Practicus
am Samstag, 19. Juli 2014, 12:29

Sie vergessen zwei Dinge

1. Wir haben seit Jahrzehnten eine strikte Mengenbegrenzung. Jeder Vertragsarzt (mit Ausnahme der Hausärzte) kann vor Quartalsbeginn ausrechnen, für wieviele Patienten ein ungekürztes Honorar erzielt werden kann - und demzufolge das ganze Quartal verplanen. Bekannte Folge: Keine kurzfristig verfügbaren Termine in den Fachpraxen. Hausärzte haben diese Möglichkeit der Mengensteuerung nicht, die können allenfalls nach Ausschöpfung des RLV in Urlaub gehen oder das Sprechstundenangebot reduzieren
2. Der ärztliche Nachwuchs ist heute zurecht nicht mehr bereit, sich zu Lasten von Familie und Lebensqualität für ein bisschen Schulterklopfen und ethischen Heiligenschein selber gnadenlos auszubeuten. Die wollen nach Studium und fünfjähriger Weiterbildung zum Facharzt mit einer 40-Stunden-Woche ein angemessenes Einkommen erzielen können, wie das in vergleichbaren Berufen selbstverständlich ist.
R. Frank
am Samstag, 19. Juli 2014, 08:44

Akkordlohn ohne Qualitätskontrolle

Weshalb sind soviele und immer mehr ambulante Ärzte in Deutschland nötig? Weil die Leute an allem Möglichem leiden, wofür nicht einfache Gründe verantwortlich und einfache Maßnahmen (auf die man praktisch häufig zurückkommt) empfehlenswert sein sollen, sondern schwierige medizinische Sachverhalte, für die ein ausgewiesener Spezialist für nötig gehalten wird. Jeder ambulant konsultierte Arzt muss sein Einkommen selbst erzeugen mittels der Durchführung der allgemeinen für das Fachgebiet zugelassenen, überwiegend diagnostischen Maßnahmen. Die Höhe des Einkommens je Arbeitstag hängt davon ab, wie schnell eine einzelne Maßnahme und wieviele davon am Arbeitstag ausgeführt werden und wie die Geschwindigkeit im Verhältnis zu den Konkurrenten in der Fachgruppe ist (Leistungsanforderung der FG). So kommt es, dass bei leichteren und schwereren Krankheiten stets die Frage nach dem Einsatz eines zusätzlichen bezahlten Verfahrens und zugleich der Abkürzung des Aufwandes dafür mit bedacht werden müssen bei jedem Arbeitsschritt. Wer nicht über innovative Verfahren der Delegation u. ä. verfügt, die Akkordarbeit also nicht weitergibt, möglichst mit Toleranz gegenüber kleinen Fehlern, steht vor der Wahl, dieses Metier zum Schutz der eigenen Gesundheit zu meiden.
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