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Hochgebirgsluft hält schlank

Mittwoch, 23. April 2014

Bethesda – Die sauerstoffarme Luft im Hochgebirge hat möglicherweise einen günstigen Einfluss auf das Körpergewicht. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass Menschen, die langfristig die dünne Luft im Hochgebirge atmen, seltener dick werden.

Im Hochgebirge gibt es mehr schlanke Menschen als im Flachland. Der Unterschied ist auffällig. Nach einer im letzten Jahr von Jameson Voss im International Journal of Obesity (2013; 37: 1407-1412) veröffentlichten Querschnittstudie sind männliche US-Amerikaner, die unterhalb von 500 Metern ü. NN leben, fünfmal häufiger adipös als Hochgebirgs­bewohner (über 3000 ü. NN). Bei Frauen war das Risiko vierfach erhöht.

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Jetzt untermauert der Präventivmediziner von der Uniformed Services University, Bethesda im US-Staat Maryland seine These in PLOS ONE (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0093493) durch eine Untersuchung an 98.000 US-Soldaten, die bereits beim Eintritt in die Armee übergewichtig waren. Ob sie während ihrer vierjährigen Dienstzeit eine Adipositas entwickelten, hing unter anderem davon ab, wo sie stationiert waren. Drei Stützpunkte der US-Armee liegen auf einer Höhe von über 1.900 Metern. Hier wurden die Soldaten zu 41 Prozent seltener adipös (Hazard Ratio 0,59: 0,54-0.65) als Soldaten, die im Flachland kaserniert waren.

Die anorektische Wirkung von sauerstoffarmer Luft war bereits in den 1960er Jahren an Ratten beobachtet worden. Die Ursache ist nicht genau bekannt. Die vermehrte Bildung von Hormonen wie Leptin, die den Hungerreiz unterdrücken, könnten laut Voss eine Rolle spielen. Der Zusammenhang ist auch anderen Adipositasforschern aufgefallen. Forscher der Universität Grenoble haben im letzten Jahr in Obesity Reviews (2013; 14: 579–592) darüber nachgedacht, ob die Hochgebirgsluft genutzt werden könnte, um adipösen Menschen die Diäten zu erleichtern.

An einer Nachfrage dürfte es nicht mangeln. Die Wirksamkeit müsste jedoch zuerst noch in Studien belegt werden. Epidemiologische Studien liefern nur eine schwache therapeutische Evidenz. © rme/aerzteblatt.de

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