Politik

Neues Geriatriekonzept für Baden-Württemberg vorgestellt

Freitag, 25. April 2014

Stuttgart – Das Sozialministerium in Baden-Württemberg will die geriatrische Versorgung älterer Menschen im Land weiterentwickeln und verbessern. Deshalb hat es gemeinsam mit Experten, Organisationen und Verbänden aus der Geriatrie sowie dem Landes­seniorenrat das Geriatriekonzept 2014 erarbeitet, das die Landessozialministerin Karin Altpeter (SPD) heute vorgestellt hat.

Das neue Geriatriekonzept stellt dar, wie die verschiedenen mit Altersmedizin befassten Bereiche dazu beitragen können, dass alte Menschen auch bei mehrfachen und chronischen Erkrankungen möglichst lange und selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können.

Anzeige

Altpeter verwies darauf, dass die heutige geriatrische Versorgung in Baden-Württemberg sehr gut sei. „Angesichts der demografischen Entwicklung müssen wir aber schon heute daran arbeiten, eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Das gelingt uns mit dem neuen Geriatriekonzept“, erklärte die Ministerin.

Höhere Leistungs­vergütung zugesichert
Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen sich viele Einrichtungen der geriatrischen Rehabilitation seit längerem befinden, zeigte sie sich erfreut darüber, dass die Krankenkassen den geriatrischen Reha-Kliniken jetzt eine höhere Leistungs­vergütung zugesichert haben. Außerdem wurde vereinbart, das Verfahren, mit dem die Kassen ihre Versicherten an die geriatrischen Reha-Einrichtungen zuweisen, zu vereinfachen.

„Rehabilitation vor Pflege“
Dem Ministerium zufolge legt das Geriatriekonzept dabei einen Schwerpunkt auf den Grundsatz „Rehabilitation vor Pflege“. Zudem sollen neben einem verbesserten Zugang zu geriatrischen Rehabilitationsangeboten auch die Krankenhäuser stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet werden.

Gleichzeitig sieht das Konzept die Stärkung der ambulanten Versorgungsstrukturen vor. Ambulante Angebote sollen weiter ausgebaut und eine lückenlose Versorgungskette gewährleistet werden. Gelingen soll diese unter anderem durch geriatrische Instituts­ambulanzen, die zwischen der ständigen Betreuung durch den Hausarzt und der spezialisierten Versorgung im teilstationären beziehungsweise stationären Sektor angesiedelt sind.

„Der Austausch und eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsberufe sind gerade in der Altersmedizin sehr wichtig“, sagte Altpeter. Die traditionelle zeitliche Trennung von kurativen, rehabilitativen und flankierenden Maßnahmen helfe dem geriatrischen Patienten hingegen nicht.

Die an dem Konzept beteiligte Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) betonte die Bedeutung der höheren Leistungsvergütung für Reha-Einrich­tungen. „In den vergangenen Jahren mussten mehrere geriatrische Rehakliniken aufgrund einer unzureichenden Finanzierung schließen“, erklärte BWKG-Vorstands­vorsitzender Thomas Reumann. Daher sei es ein wichtiges Signal, dass die Krankenkassen spürbare Vergütungssatzsteigerungen mit einzelnen Einrichtungen vereinbart hätten.

Trotz bessrer Vergütung weiter unterfinanziert
„Diesem ersten wichtigen Schritt müssen allerdings weitere folgen, denn auch in den Bereichen, in denen höhere Pflegesätze vereinbart werden konnten, besteht weiterhin eine gravierende Unterfinanzierung“, mahnte Reumann. Das überarbeitete Geria­triekonzept schaffe zwar wichtige Rahmenbedingungen, um die Versorgung langfristig zu sichern. Es seien allerdings weitere Maßnahmen erforderlich, so der Vorstandsvor­sitzende.

Dazu zählt er unter anderem die Garantie der leistungsgerechten Finanzierung, die Sicherstellung der bedarfsgerechten Versorgung und die bessere Nutzung von geriatrischen Reha-Angeboten. „Das Geriatriekonzept muss jetzt mit Leben gefüllt werden: Wir sehen deshalb das Land in der Pflicht, bei den Krankenkassen die tatsächliche Umsetzung des Geriatriekonzepts einzufordern – auch und vor allem, wenn es Geld kostet“, so Reumann. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

14.08.16
Training in virtueller Realität hilft Senioren, Stürze zu vermeiden
Tel Aviv – Die Erweiterung eines konventionellen Laufbandtrainings um eine Komponente der virtuellen Realität (VR) hat in einer randomisierten klinischen Studie die Zahl von Stürzen bei älteren......
04.08.16
Geriater fordern mehr altengerechte Alltagstechnologien
Berlin – Alltagstechnologien für hochbetagte Menschen der Generation 80 plus „zugänglicher, nützlicher und nutzbarer“ zu gestalten, fordern die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die......
22.07.16
Berlin – Auf die geringe Zahl geriatrischer Rehabilitationen hat die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hingewiesen: „Die Zahl der vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung......
19.07.16
Berlin will Versorgung Hochbetagter verbessern
Berlin – Die medizinische Versorgung von Patienten ab 80 Jahren verbessern will das Land Berlin. „Bis zum Jahr 2030 erwarten wir einen deutlichen Anstieg hochaltriger Frauen und Männer ab 80 Jahren –......
01.07.16
Streit um geriatrische Versorgung
Berlin – Wer ist kompetent, hochbetagte Patienten in der Praxis zu betreuen – und darf dafür Gebührenordnungspositionen zur spezialisierten geriatrischen Versorgung abrechnen? Über diese Frage ist ein......
14.06.16
Berlin – Die Altersmedizin in Deutschland wächst: Nach Angaben von Landes- und Bezirksärztekammern verfügen im Augenblick 780 Ärzte über eine Weiterbildungsbefugnis zum Geriater. Das sind 191 Personen......
11.05.16
Berlin – 2014 gab es laut Statistischem Bundesamt 77.900 Fahrradfahrer, die bei einem Verkehrsunfall verletzt und von der Polizei erfasst wurden. 396 Fahrradfahrer verunglückten tödlich – über die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige