Politik

Umfrage: Inter­net-Surfen verändert das Patient-Arzt-Verhält­nis

Dienstag, 29. April 2014

Berlin – Informationen, die Patienten aus dem Internet erhalten, verändern sowohl ihr Auftreten gegenüber ihrem Arzt als auch ihre Therapietreue. Das geht aus einer Umfrage des Internetportals „healthcare42.com“ hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Sie beruht auf den Angaben von 3.160 Internet-Nutzern, die diese auf 19 Gesundheits­portalen anonym getätigt haben, unter anderem auf „Jameda“, „Netdoktor“ und „Onmeda“.

Mehr als zwei Drittel dieser Internet-Nutzer gaben an, ihrem Arzt andere oder mehr Fragen gestellt zu haben, nachdem sie sich im Internet zu einem medizinischen Thema informiert hatten. Gut die Hälfte äußerte, ihren Arzt jetzt besser zu verstehen. Ein Drittel erklärte, nach dem Surfen im Internet einen anderen Arzt aufgesucht zu haben, und ein weiteres Drittel, durch das Internet-Surfen schon einmal ein anderes Medikament oder eine andere Therapie vom Arzt erhalten zu haben.

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Knapp zwei Drittel der Internet-Nutzer, die sich an der Studie beteiligt haben, gaben darüber hinaus an, sie könnten nach dem Surfen die Anweisungen und Empfehlungen ihres Arztes besser verstehen und befolgen. Gut die Hälfte erklärte, sie könnten nun mit ihrem Medikament und der richtigen Einnahme besser umgehen. Und zwei Drittel meinten, sie könnten jetzt selbstbewusster Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Therapie treffen. Nur 19 Prozent der Internet-Nutzer meinten, die Informa­tionen, die sie im Internet erhalten hatten, seien für sie im Alltag nicht umsetzbar gewesen. Und lediglich 14 Prozent bezeichneten die Informationen als „nicht hilfreich und eher verwirrend“.

„Der Trendfaktor ist nicht das Alter, sondern die Bildung“
Das Durchschnittsalter der befragten Internet-Nutzer lag bei 59 Jahren. An der Umfrage teilgenommen haben dabei 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. Über einen Hochschulabschluss verfügten 31 Prozent, über einen Realschulabschluss 37 Prozent und über einen Hauptschulabschluss 19 Prozent. „Der Trendfaktor ist nicht das Alter, sondern die Bildung“, kommentieren die Autoren Alexander Schachinger von healthcare42.com und Mike Friedrichsen von der Hochschule der Medien Stuttgart und dieses Ergebnis.

Die meisten Internet-Surfer waren chronisch kranke Menschen (42 Prozent), gefolgt von akut kranken Patienten (23 Prozent) und Interessierten (20 Prozent). 14 Prozent waren Angehörige von Kranken.

Die meisten Surfer wollten „grundlegend“ etwas über ihre Erkrankung lernen (62 Prozent), Ärzte oder Krankenhäuser suchen (51 Prozent) oder Erfahrungen von Patienten erhalten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie sie selbst (40 Prozent). Ein weiteres Drittel wollte im Internet Medikamente oder Gesundheitsprodukte kaufen. Sechs von zehn Surfern benutzten dabei zunächst Suchmaschinen wie Google. Nur sieben Prozent hatten nach eigener Auskunft Schwierigkeit einzuschätzen, was für sie wichtig ist und was nicht.

Am häufigsten nutzten die Surfer Verzeichnisse von Kliniken, Ärzten oder Medikamenten (57 Prozent), Bewertungsportale (51 Prozent) und Medikamenten-Checks (35 Prozent). Sie landeten dabei vor allem auf Gesundheitsportalen bekannter Zeitschriften wie der „Apotheken Umschau“ oder „Focus Gesundheit“ (43 Prozent), auf Webseiten von Krankenkassen (39 Prozent), auf Webseiten von Krankenhäusern (38 Prozent) und auf Webseiten von Ärzten (38 Prozent).

„Es fehlt die Instanz, die die Informationen einordnet“
Es sei nicht geklärt, ob die Internet-Nutzer die Qualität der Informationen, die sie finden, bewerten könnten, oder ob sie wüssten, wie die jeweiligen Internet-Seiten finanziert werden, gab Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) zu bedenken, das 1995 von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gegründet wurde.

Es gebe einige Internetseiten, die nichts weiter böten, als Patienten nach dem neuesten Stand der Wissenschaften zu informieren. Dazu gehörten zum Beispiel die Seiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) oder die des ÄZQ. Leider fänden die meisten Patienten diese Informationen jedoch nicht. „Surfer finden stattdessen viele Informationen, die zum Teil widersprüchlich sind“, so Schaefer.

Es fehle ihnen dann die Instanz, die einordne, was sie gefunden haben. Stattdessen seien die Surfer mit diesen Informationen oft alleine gelassen. „Es ist wichtig, sehr gute und verlässliche Informationen zu haben“, sagte Schaefer. Deshalb sei es nicht nur notwendig, in die Informationen zu investieren, sondern auch in deren Verbreitung. Und es sei wichtig, den Menschen klarzumachen, woran sie gute Informationen erkennen und worauf sie beim Surfen im Internet achten müssten. © fos/aerzteblatt.de

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