Medizin

Insulin-Analoga vermeiden Hypoglykämien bei Typ 1-Diabetikern

Mittwoch, 7. Mai 2014

Kopenhagen – Typ 1-Diabetiker mit instabilem Blutzucker konnten in einer rando­misierten Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2014; doi: 10.1016/S2213-8587(14)70073-7) Hypoglykämien häufiger vermeiden, wenn sie ihren Blutzucker mit Insulin-Analoga statt mit Human-Insulin kontrollierten.

Insulin-Analoga sollen Typ 1-Diabetikern die Blutzuckerkontrolle erleichtern und dadurch Hypoglykämien vermeiden. Die schnell wirkenden Analoga wie Insulin aspart, lispro oder glulisin sollen dabei die postprandiale Insulinfreisetzung nachahmen, ohne dass es zu einer Nachwirkung mit einem späteren Blutzuckerabfall kommt.

Anzeige

Die lang wirkenden Analoga wie Insulin detemir oder glargin sollen die basale Insulin­freisetzung ersetzen und nächtliche Hypoglykämien vermeiden. Die prinzipiellen Vorteile konnten in den bisherigen klinischen Studien jedoch nicht belegt werden, was Ulrik Pedersen-Bjergaard von der Nordseeland-Klinik in Hillerød bei Kopenhagen darauf zurückführt, dass Patienten mit häufigen Hypoglykämien von den Zulassungsstudien ausgeschlossen waren.

An der HypoAna-Studie nahmen dagegen ausschließlich Patienten mit Typ 1-Diabetes teil, die im vorausgehenden Jahr zwei oder mehr Hypoglykämien erlitten hatten. In der Cross-Over-Studie kontrollierten die 159 Teilnehmer den Blutzucker in einem Jahr mit den Analoga Insulin detemir und Insulin aspart und im anderen mit zwei Humaninsulinen (reguläres Insulin und Insulin NPH).

Wie Pedersen-Bjergaard berichtet, konnte die Zahl der schweren Hypoglykämien um relativ 29 Prozent gesenkt werden ( 95-Prozent-Konfidenzintervall 1 bis 49 Prozent). Die absolute Zahl der Hypoglykämien ging um 0,5 Ereignisse pro Patient und Jahr zurück, was einer Number Needed to Treat von nur zwei Patienten entspricht, die über ein Jahr mit den Analoga behandelt werden müssen, um einen Fall einer schweren Hypoglykämie zu verhindern.

Die Insulin-Analoga verbesserten auch die langfristige Blutzuckerkontrolle. Die HbA1c-Differenz betrug 0,13 Prozentpunkte. Während der Therapie mit konventionellen Insulinen hatten 28 Patienten wegen einer Hypoglykämie einen 112-Notruf abgesetzt, unter der Therapie mit den Insulin-Analoga waren es nur 16 Patienten. Pedersen-Bjergaard spricht sich deshalb dafür aus, Diabetiker mit häufigen Hypoglykämien bevorzugt Insulin-Analoga zu verordnen. Die Studie wurde von einem dänischen Hersteller gesponsert. Die Initiative ging jedoch von den Ärzten aus. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

12.01.17
Diabetes: Wie Knochenbrüche besser heilen könnten
Palo Alto – Diabetespatienten, deren Knochen nach einem Bruch schlecht heilen, könnten Ärzte mit einem lokal applizierten Hydrogel helfen. Zumindest bei Mäusen mit Diabetes gelang es Forschern vom......
05.01.17
Dresden – Bei einem bundesweit einmaligen Modellprojekt zur Früherkennung von Diabetes sind an der Dresdner Uniklinik bisher 615 Neugeborene getestet worden. Von den Untersuchten trugen 3,1 Prozent......
05.01.17
Berlin – Auf eine hohe Dunkelziffer von Diabeteserkrankungen bei Migranten haben die Organisationen DiabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M)......
28.12.16
Boston – Ein sogenannter bionischer Pankreas, also eine kombinierte Insulin- und Glukagonpumpe mit kontinuierlicher Blutzuckermessung, hat sich in einer klinischen Studie als funktionierendes......
19.12.16
G-BA sieht bei Gliptinen mehr Risiken als Nutzen
Berlin – In der mit Spannung erwarteten neuen Nutzenbewertungen der Wirkstoffe Saxagliptin und Sitagliptin als Einzelpräparat und jeweils als Kombinationspräparate mit Metformin hat der Gemeinsame......
16.12.16
Prävention chronischer Krankheiten: Deutschland liegt deutlich zurück
Berlin – In Europa sollen vorzeitige Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten bis 2025 um 25 Prozent verringert werden. Die Teilnehmer der Konferenz „The European Response to Chronic Diseases –......
12.12.16
Zürich – Schweizer Forschern ist es gelungen, embryonale Nierenzellen in Beta-Zellen umzufunktionieren. Sie waren laut einer Studie in Science (2016; 354 1296-1301) nach der Implantation in die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige