9.209 News Medizin

Medizin

Nierensteine: Studie sieht Urethroskopie gegenüber Stoßwellen im Vorteil

Montag, 19. Mai 2014

Durham – Nierensteine lassen sich durch eine Urethroskopie offenbar schonender beseitigen als durch eine extrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL). Eine ökonometrische Analyse in JAMA Surgery (2014; doi:10.1001/jamasurg.2014.336) ermittelt eine deutlich niedrigere Rate von Wiederholungsbehandlungen.

Urethroskopie und ESWL sind bei vielen Nierensteinen konkurrierende Methoden. Die ESWL wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten eingeführt und erlaubt eine komplett „berührungsfreie“ non-invasive Zerstörung der Konkremente, deren Fragmente danach über die Harnwege ausgespült werden. Die Urethroskopie ist minimal-invasiv und damit für den Patienten zunächst unangenehmer, da der Urologe ein Endoskop über Harnröhre und Blase in den Harnleiter bis zum Konkrement vorschieben muss.

Anzeige

Von dort kann der Stein dann mit einem Laserstrahl zertrümmert und die Fragmente mit einem Körbchen abtransportiert werden. Die Technik der Urethroskopie hat sich in den letzten Jahren verfeinert, während die Technik der ESWL im Prinzip die gleiche geblieben ist. Einige neuere Modelle gerieten vor einigen Jahren sogar in die Kritik. Die Erhöhung der Sicherheitsstandards soll zu einem Rückgang der Effektivität geführt haben.

Charles Scales von der Duke University in Durham /North Carolina und Mitarbeiter haben jetzt die Daten von mehr als 45.000 Privatpatienten mit der Frage ausgewertet, nach welchem der beiden konkurrierenden Verfahren die Patienten innerhalb der folgenden 120 Tage erneut wegen Nierensteinen behandelt werden mussten. Dies war keineswegs selten der Fall. Nach einer initialen Urethroskopie benötigten 18,7 Prozent weitere Behandlungen, nach einer initialen Lithotripsie war dies sogar bei 23,6 Prozent der Patienten der Fall.

Der Unterschied war statistisch signifikant, und er vergrößerte sich deutlich nach einer sogenannten Instrumentvariable-Analyse, die Patienten mit gleichen Eigenschaften für die beiden Behandlungen gegenüberstellte: Scales ermittelte eine Wahrscheinlichkeit für eine erneute Intervention von 11,0 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 10,9-11,1) nach einer ESLW gegenüber nur 0,327 Prozent (0,325-0,329) nach einer Urethroskopie.

Sollte diese Analyse zutreffen - was aufgrund der retrospektiven Auswertung von nicht unbedingt repräsentativen Daten von Privatversicherten nicht ganz sicher ist – wäre die ESWL für Patient und Versicherung von Nachteil. Der Patient würde nach der vermeintlich schonenderen Methode häufiger mit Nachbehandlungen konfrontiert. Die Versicherung müsste Mehrkosten tragen.

Laut Scales bezahlt Medicare für eine einzelne ESWL 700 US-Dollar gegenüber 400 US-Dollar für die Urethroskopie. Bei jeder Wiederholung fallen zusätzliche Kosten an, was für die Urologen sogar noch ein wirtschaftlicher Anreiz sein könnte, die weniger effektive Methode anzubieten. © rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
9.209 News Medizin

Nachrichten zum Thema

22.07.14
Hamburg – Vor Nierensteinen während der Sommermonate warnen die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU). Die Steine zählen in Deutschland zu den...
05.02.13
Nierensteine durch Vitamin C
Stockholm – Wer regelmäßig Vitamin C einnimmt, riskiert die Bildung von Nierensteinen. Eine prospektive Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013) ermittelt für...
19.10.12
Boston – Eine hohe Zufuhr von Kalzium mit der Nahrung oder durch Nahrungsergänzungsmittel ging in einer prospektiven Beobachtungsstudie (BMJ 2012; 345: e6390) mit einer verminderten Rate eines...
03.09.12
Edmonton – Nierensteine können die Nierenfunktion auf Dauer schädigen. Schon eine einzelne Episode eines Nierensteinleidens ging in einer Kohortenstudie aus Kanada im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012;...
12.10.10
Dallas – Zu den Risiken einer Hormontherapie in der Postmenopause gehört offenbar auch die Bildung von Nierensteinen, wie eine aktuelle Auswertung der Women’s Health Initiative in den Archives of...
06.02.09
Peking – Etwa ein Zehntel aller Kinder, die in China mit melaminverunreinigter Babynahrung gefüttert wurden, sind an Nierensteinen erkrankt. Bei den meisten ist es aber nicht zu einer Schädigung der...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in