Ärzteschaft

Ärzte fordern Mitsprache im neuen Qualitätsinstitut

Mittwoch, 21. Mai 2014

Berlin – Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten wollen in die Arbeit des neuen „Instituts zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen“ verantwortlich einge­bunden werden. Das fordern die Bundesärztekammer und die Kammern der Zahnärzte und Psychotherapeuten. Der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages berät heute über die Ausgestaltung des neuen Qualitätsinstituts.

„Qualitätssicherung gehört zu den originären gesetzlichen Aufgaben der Heilberufe­kammern“, betonten die drei Institutionen. Sinnvoll sei, wenn jede der drei Kammern mit jeweils einem Sitz im Vorstand der Stiftung beteiligt ist und ein unmittelbares Antragsrecht beim Gemeinsamen Bundesausschuss erhält, das Institut zu beauftragen.

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Dieses soll seine Arbeit voraussichtlich 2016 aufnehmen. Zu seinen Aufgaben wird es gehören, darzustellen, welche Qualität die ambulante und stationäre Versorgung in einzelnen Leistungsbereichen bietet. Die Versorgung soll so für Patienten aber auch für Ärzte transparenter werden.

Bereits vor einigen Tagen warnte der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, vor zu großen Erwartungen. „Allein durch die Gründung des neuen Qualitätsinstitutes wird sich überhaupt nichts ändern“, sagte er in Berlin. Wichtig sei zunächst, im G-BA selbst eine neue Diskussionskultur über die Notwendigkeit, die Grenzen und den Rahmen von Qualitätssicherung einzuführen.

In der Vergangenheit seien Aufträge zur Qualitätssicherung „so unpräzise formuliert, dass selbst ein Philosoph kein befriedigendes Resultat hätte fertigen können“, so Hecken. Sein Fazit, das zugleich Arbeitsauftrag ist: „Wir müssen zu klaren Untersuchungsaufträgen kommen!“

© hil/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Freitag, 23. Mai 2014, 06:23

Auf den Punkt !

Kairopax bringt es auf den Punkt:

Das Institut könnte und sollte "...so unabhängig gestaltet werden wie unsere Bundesgerichte und es muß eine ähnliche Letztentscheidungskompetenz bekommen..."

Denn nur Unabhängigkeit bringt Glaubwürdigkeit.
Viele Grüße
S.
ViewPoint
am Donnerstag, 22. Mai 2014, 14:08

Unabhängigkeit ist das A und O

Uneindeutige Aufträge waren zuerst Resultat von Interessengerangel im GBA. Ein solches Institut kann nur irgendeinen Unterschied machen wenn es unabhängig von den Interessen von Leistungserbringern und -trägern agieren kann.
kairoprax
am Mittwoch, 21. Mai 2014, 21:10

Mitsprache im Qualitätsinstitut - bloß nicht? ... oder vielleicht doch?

Aus dem Ansinnen der drei Kammern spricht natürlich die Angst, daß Personen, Parteien, Gruppen oder Strukturen bestimmen, was die Qualität dessen sein soll, was ihre Mitglieder machen.
Gewacsen ist diese Angst aus den negativen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, in denen G-BA oder Minister munter und eigenmächtig Dogmen aufgestellt haben. Andererseits haben das die Verbände, die KV und die Kammern genauso gemacht und sich keinen Deut mehr um die Belange der Mitglieder geschert.
Man denke an die erzkonservative Haltung der Bundesärztekammer zur Sterbehilfe, die weit unter jeder Qualität ist und zudem gegen geltendes deutsches recht verstößt.
Wenn es ein Qualitätsinstitut werden soll, das tatsächlich qualitativ wertvoll ist, dürfen eigentlich weder G-BA, noch Kammer und KV und schon garnicht der zufällig jetzt schwarze und vorher rote, grüne oder gelbe Minister mitsprechen dürfen.
Es kann bei einem Qualitätsinstitut auch unmöglich um eine Institution der Kunstfehlerverfolgung gehen, obwohl der Umgang mit Kunstfehlern sicher eine Frage der Qualitätssicherung ist. Es darf nicht so sein, daß eine orthodoxe Leitlinienmedizin oder eine restriktive evidenzbasierte Medizin zur Basis der Institutsphilosophie gemacht wird - im Gegenteil! Dies würde die Qualität einengen und die Therapiefreiheit zerstören.
Dieses Institut kann etwas ganz Geniales und Großes werden.
Es muß dafür aber so unabhängig gestaltet werden wie unsere Bundesgerichte und es muß eine ähnliche Letztentscheidungskompetenz bekommen.
Schon deswegen ist klar, daß die drei Kammern und alle anderen Genannten, die ein Eigeninteresse haben, nicht mitsprechen dürfen. Gehört werden sollen sie, und ihre Standpunkte müssen auch gewürdigt werden.
Momentan leben wir unter einer großen Koalition.
Die Gefahr, daß die unter Mißbrauch ihrer großen Mehrheit die einmalige Chance nutzt, um Falsches durchzusetzen ist ebenso groß wie die Chance, daß man parteiübergreifend überfällige Entscheidungen trifft, die seit Anbeginn der Bundesrepublik nötig gewesen wären. Vermutlich gehört dazu auch eine Beschneidung der Machtfülle der Gesellschaften und Verbände. Eine Neuordnung der medizinischen Versorgungsstruktur. Mit der Wiedervereinigung hatten wir diese Chance kurze Zeit gehabt. Damals hat sich das Imperium durchgesetzt und alte Zöpfe belassen. Jetzt ist tatsächlich wieder eine solche Gelegenheit zum Greifen nahe.
Es gibt kaum etwas Spannenderes im Bereich der Medizinversorgung als die Geburt dieses Instituts, und - wie gesagt - die laute Wortmeldung der drei Kammern bestätigt diesen Eindruck.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
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