Medizin

Studie: Sport beugt Mobilitätsproblemen im Alter vor

Mittwoch, 28. Mai 2014

Gainesville – Die bisher größte sportmedizinische Interventionsstudie an älteren Menschen zeigt, dass bereits ein maßvolles tägliches Bewegungsprogramm Senioren helfen kann, ihre Mobilität im Alter zu erhalten. Andere Ziele der randomisierten kontrollierten Studie wurden jedoch nicht erreicht, wie die auf der Jahrestagung des American College of Sports Medicine in Orlando/Florida vorgestellten und im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.5616) veröffentlichten Ergebnisse zeigen.

An der Lifestyle Interventions and Independence for Elders oder LIFE-Studie hatten an acht US-Zentren 1.635 Senioren im Alter von 70 bis 89 Jahren teilgenommen. Alle hatten deutliche Einschränkungen an den unteren Extremitäten (9 oder weniger Punkte im Short Physical Performance Battery), waren aber noch in der Lage 400 Meter am Stück zu gehen. Diese Distanz ist ein wichtiger Grenzwert, da sie den meisten Menschen Einkaufen und andere tägliche Aktivitäten ermöglicht.

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Die Teilnehmer wurden auf zwei Gruppen randomisiert. Die erste Gruppe nahm lediglich an (zunächst) wöchentlichen (später monatlichen) Fortbildungen zum Thema „gesundes Altern“ teil. In der zweiten Gruppe wurde zusätzlich ein Sportprogramm angeboten. Es bestand im Kern aus Spaziergängen (150 Minuten pro Woche) sowie einem leichten Krafttraining der unteren Extremitäten (10 Minuten) sowie Gleichgewichtsübungen. Die Teilnehmer trafen sich zweimal in der Woche im Zentrum und absolvierten zwischendurch drei bis vier Übungen zuhause.

Die meisten Teilnehmer der Sportgruppe hielten sich an die Vorgaben. Die Auswertung der Akzelerometer zeigte, dass sie sich im Durchschnitt pro Woche 105 Minuten mehr bewegten als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Sie konnten dadurch häufiger als in der Kontrollgruppe einen Verlust der Mobilität vermeiden. Primärer Endpunkt war die Unfähigkeit, 400 Meter ohne Pause und ohne Gehhilfe innerhalb von 15 Minuten zurückzulegen.

Dieses Ziel verfehlten am Ende der 2,6-jährigen Interventionsphase 30,1 Prozent der Teilnehmer im Sport-Arm der Studie gegenüber 35,5 Prozent in der Kontrollgruppe. Marco Pahor von der Universität von Florida in Gainesville und Mitarbeiter errechnen eine Hazard Ratio von 0,82, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,69 bis 0,98 signifikant war. Eine persistierende Immobilität, definiert als mehrfaches Scheitern im 400-Meter-Test, trat bei 14,7 Prozent der Teilnehmer im Sport-Arm der Studie gegenüber 19,8 Prozent in der Kontrollgruppe auf (Hazard Ratio 0,72; 0,57-0,91).

Damit hatte die Studie ihr primäres Ziel erreicht. Die Autoren hatten allerdings gehofft, dass sich die bessere Mobilität auch günstig auf Morbidität und Mortalität auswirken würde. Dies konnten sie allerdings nicht nachweisen. In der Sportgruppe kam es sogar häufiger als in der Kontrollgruppe zur Hospitalisierung der Teilnehmer. Der Grund ist nicht bekannt. Pahor vermutet, dass die bessere körperliche Fitness einige Erkrankungen demaskiert haben könnte.

So macht sich eine ventrikuläre Dysfunktion zunächst bei einer körperlichen Anstren­gung bemerkbar. Auch die intensivere Betreuung in der Sportgruppe könnte die Teilnehmer veranlasst haben, die eine oder andere medizinische Störung abklären zu lassen.

Eine ursächliche Schädigung durch das Sportprogramm schließt Pahor jedoch aus, zumal die Hospitalisierungsrate bei den Teilnehmern mit den größten Einschrän­kungen der Mobilität zu Beginn der Studie (SPPB unter 8) nicht erhöht war. Erwähnt werden muss aber, dass die Zahl der Todesfälle im Sport-Arm mit 5,9 Prozent höher war als in der Kontrollgruppe (5,1 Prozent), wobei der Unterschied bei einer Risk Ratio von 1,14 (0,76-1,71) nicht signifikant ausfiel. © rme/aerzteblatt.de

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