Politik

Krankenkassen vor Sparkurs wegen Zusatzbeiträgen

Dienstag, 10. Juni 2014

Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen werden nach Einschätzung der Bundes­regierung künftig kräftig die Kostenbremse treten, um hohe Zusatzbeiträge zu vermeiden. Die im Bundestag vor wenigen Tagen beschlossene Kassen-Finanzreform werde dazu führen, „dass die Krankenkassen effizient wirtschaften und eine qualitativ gute Versorgung anbieten müssen, um ihre Mitglieder zu halten“, heißt es in einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag.

„Die Zusatzbeiträge werden dadurch möglichst niedrig gehalten“, so die Regierung. Die Kassen würden zudem ihre Finanzreserven stärker einsetzen. Die Regierung werde auch darauf achten, dass die Ausgaben nicht in die Höhe schnellen. Ab 2015 können die Kassen vom Einkommen abhängige Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen.

Anzeige

Die Regierung wies auch darauf hin, dass die Aufsichtsbehörden finanzschwachen  Krankenkassen die Erhöhung ihrer Zusatzbeiträge notfalls vorschreiben können – für den Fall, dass die Kasse dies scheut, um keine Kunden zu vergraulen. Ob es zu stärkeren Wechselbewegungen zwischen Kassen oder Fusionen von Versicherungen kommt, sei nicht vorherzusagen. Wenn durch Fusionen aber Synergieeffekte entstünden, „werden diese von der Bundesregierung begrüßt“.

Sozialverbände, aber auch Vertreter des Gesundheitssektors warnen davor, dass Krankenkassen wegen des steigenden Spardrucks Leistungen einschränken könnten. Die gesetzlichen Krankenkassen selbst warnten vor einer reinen Kostendiskussion: „Niemand sollte die Diskussion auf ,möglichst billig‘ verkürzen, denn am Ende geht es um die richtige Versorgung kranker Menschen“, erklärte ein Sprecher des GKV-Spitzen­verbands. „Die Krankenkassen haben in der Vergangenheit sparsam gearbeitet und werden das auch in Zukunft tun.“

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink kritisierte vor allem, dass die Bundesregierung eine prozentuale Belastungsgrenze für Geringverdiener für entbehrlich hält. Die Regierung begründet dies damit, dass die Zusatzbeiträge künftig prozentual vom Einkommen erhoben werden.

Die mitgliederstärkste Kasse Barmer GEK zeigte sich auf Anfrage zurückhaltend. „Eine verlässliche Prognose zum künftigen Beitragssatz ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich“, sagte eine Sprecherin. „Seriöse Aussagen wird es erst im Herbst geben können.“ Dann legt ein offizieller Schätzerkreis Ergebnisse vor. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

15.08.16
Krankenkassen: Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird größer
Berlin – Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) muss sich bis zum Jahr 2020 auf deutliche Ausgabensteigerungen einstellen. Das zeigen neue Hochrechnungen des Wissenschaftlers Jürgen Wasem......
29.01.16
Schwerin – Trotz gleichlautender Forderungen der SPD wird sich das SPD-geführte Mecklenburg-Vorpommern im Bundesrat nicht an der Länderinitiative für eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der......
03.01.16
Krankenkassen: Debatte um Beitragserhöhungen hält an
Berlin – Zwei Drittel der allgemein zugänglichen gesetzlichen Krankenkassen haben zum Jahreswechsel ihren Beitrag angehoben. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Samstag auf Grundlage......
30.12.15
Berlin – Angesichts der im kommenden Jahr steigenden Krankenkassenbeiträge wachsen in der SPD die Bestrebungen, die Arbeitgeber wieder an den Mehrbelastungen zu beteiligen. Die gesundheitspolitische......
17.12.15
Berlin – Die drittgrößte deutsche Krankenkasse DAK will ihren Beitrag ab Januar deutlich um 0,6 Prozentpunkte auf insgesamt 16,1 Prozent anheben. „16,1 Prozent stehen in der Vorlage, über die am......
22.11.15
Düsseldorf – Die Techniker Krankenkasse als größte Kasse in Deutschland hat für das kommende Jahr eine Beitragserhöhung angekündigt. „Auch wir werden unseren Zusatzbeitrag anheben müssen, weil wir......
06.08.15
BVA: Knapp die Hälfte der Kassen hat Zusatzbeitrag gesenkt
Bonn – Bei knapp der Hälfte aller Krankenkassen (35), die Versicherte in mehr als drei Bundesländern haben, lag der Zusatzbeitrag im Jahr 2014 bei weniger als 0,9 Prozent. Etwa 14,8 Millionen Menschen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige