Medizin

Skoliose: Mutationen im Marfan-Gen

Freitag, 13. Juni 2014

St.Louis – Einige Fälle der idiopathischen Adoleszentenskoliose werden möglicherweise durch Mutationen in zwei Fibrillin-Genen ausgelöst, von denen eines auch für das Marfan-Syndrom verantwortlich ist. Dies berichten US-Forscher in Human Molecular Genetics (2014; doi: 10.1093/hmg/ddu224).

Bei der idiopathischen Adoleszentenskoliose (AIS) kommt es erst während des puper­tären Wachstumsschubs zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Die Ursache war bisher unbekannt, wie bei den meisten anderen Formen der Skoliose. Das Team um Christina Gurnett von der Washington Universität in St. Louis ist jetzt bei einer Genuntersuchung von 91 Patienten auf Veränderungen in den Genen Fibrillin 1 und Fibrillin 2 gestoßen. Daraufhin wurden die Gene von 852 AIS-Patienten und 669 Kontrollen sequenziert. Bei 7,6 Prozent der Patienten fanden sie einzelne Mutationen, während die Gene nur bei 2,4 Prozent der Kontrollen verändert waren.

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Die Mutationen waren mit einer besonders starken Verkrümmung der Wirbelsäule assoziiert und die Forscher konnten sie inzwischen auch in einer Gruppe von Han-Chinesen nachweisen. Ob sie tatsächlich für die Skoliose verantwortlich sind, muss noch gezeigt werden (etwa durch Versuche an Knock-Out-Mäusen, denen das Gen entfernt wurde).

Andere Mutationen im Fibrillin 1-Gen sind übrigens die Ursache des Marfan-Syndroms. Die untersuchten Patienten mit AIS waren zwar überdurchschnittlich groß, hatten aber ansonsten keine Kennzeichen des Marfan-Syndroms, bei dem es neben charak­teris­tischen Veränderungen des Skeletts (vermutlicher Patient Abraham Lincoln) auch zu Herzklappenfehlern und häufig zu einem frühen Tod durch eine Aortendissektion kommt.

Beim Marfan-Syndrom wird derzeit untersucht, ob Medikamente, die das Protein TGF-beta (transforming growth factor) blockieren, die Entwicklung der Gefäß­veränderungen aufhalten können. Auch der ACE-Hemmer Losartan scheint hier wirksam zu sein. Gurnett will die Studienteilnehmer daraufhin beobachten, ob die Behandlung sich auch auf das Skelettwachstum auswirkt. Dann würden sich Therapieversuche bei Patienten anbieten, bei denen Mutationen im Fibrillin-Gen auf eine bevorstehende Adoleszentenskoliose hinweisen. © rme/aerzteblatt.de

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