Medizin

Zöliakie wird oft übersehen

Donnerstag, 19. Juni 2014

Berlin – Von einer „hohen Anzahl an erkrankten, aber nicht diagnostizierten Personen“ geht die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in ihrer neuen Leitlinie „Zöliakie“ aus. Danach leiden mindestens vier von 1.000 Menschen in Deutschland unter der angeborenen Autoimmunerkrankung. Ausgelöst durch das Eiweiß Gluten in Getreideprodukten kommt es dabei zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Durchfall, Nährstoffmangel, aber auch Müdigkeit, Depressionen oder eine Migräne können die Folge sein.

Allerdings zeigen sich häufig auch keine klar umrissenen Symptome. „Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit einer Zöliakie einhergehen“, erläutert Detlef Schuppan, Leiter der Zöliakie-Ambulanz am Universitätsklinikum Mainz, der gemeinsam mit Andreas Stallmach aus Jena die Erstellung der Leitlinie koordiniert hat. Hierzu gehören vor allem andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder autoimmune Schilddrüsen­entzündungen.

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Aber auch unklare Leberwerterhöhungen, rheumatische Beschwerden, Migräne, Depressionen, eine leichte Blutarmut oder Osteoporose seien nicht selten mit einer Zöliakie verbunden. „Bei diesen Risikopersonen und nahen Verwandten von Betroffenen sollten Ärzte einen Zöliakie-Test empfehlen“, meint Schuppan. Häufig merkten die so entdeckten Zöliakie-Patienten erst mit der glutenfreien Diät, dass es ihnen unter glutenhaltiger Ernährung deutlich schlechter gegangen sei.

„Die Zöliakie kann in jedem Alter auftreten und hat sehr viele Erscheinungsformen, wir nennen sie daher auch das ‚Chamäleon der Gastroenterologie‘ “, sag Andreas Stallmach, Direktor Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. So trete die Erkrankung auch in Zusammenhang mit einer bläschenbildenden Hautkrankheit auf, der Dermatitis herpetiformis Duhring.

Zum Nachweis der Zöliakie untersuchen Ärzte das Blut auf die in der Regel erhöhten Autoantikörper gegen das Enzym „Gewebetransglutaminase“. Wenn die Patienten sich bis zuletzt glutenhaltig ernährt haben, können die Ärzte damit die Erkrankung in der Regel von ähnlichen Leiden wie der Weizenallergie oder einer Nicht-Zöliakie- Weizensensitivität unterscheiden. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, können genetische Risikomarker im Blut Aufschluss geben. Den Verdacht bestätigt dann die Untersuchung von Gewebeproben aus dem Dünndarm. © hil/aerzteblatt.de

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