Medizin

Defektes Gen macht ein Viertel der Grönländer diabetisch

Freitag, 20. Juni 2014

Kopenhagen – Fast ein Viertel der Bevölkerung auf Grönland ist Träger einer Genvari­ante, die die Aufnahme von Blutzucker in Muskelzellen behindert und laut der Studie in Nature (2014; doi: 10.1038/nature13425) für die hohe Rate von Typ 2-Diabetes auf der arktischen Insel mitverantwortlich ist.

Der Typ 2-Diabetes war auf Grönland selten, solange sich die Bevölkerung von Fisch und Robbenfleisch ernährte. Im Jahr 1966 wurde in einer Querschnittsstudie nur bei 3 von 4.249 Erwachsenen Zucker im Urin gefunden. Heute haben mehr als 20 Prozent der Inuit einen Typ 2-Diabetes oder wenigstens eine gestörte Glukosetoleranz (Prädiabetes).

Anzeige

Das zunehmende Angebot von Brot und importierten Süßwaren kann diese hohe Rate allein nicht erklären, weshalb sich ein Team um Torben Hansen von der Universität Kopenhagen auf die Suche nach möglichen Risikogenen machte. Beim Genvergleich von 2.575 Grönländern stießen sie schließlich auf eine Mutation im Gen für das Protein TBC1D4, die zum frühzeitigen Abbruch der Proteinbildung in den Ribosomen führt.

TBC1D4 ist an der Insulin-vermittelten Glukose-Aufnahme in die Muskelzellen beteiligt, so dass sein Ausfall die hohen postprandialen Blutzuckerwerte trotz gesteigerter Insulinsekretion erklärt, die typisch für den Typ 2-Diabetes sind. Überraschend ist die starke Verbreitung des Risikogens: Nicht weniger als 17 Prozent der untersuchten Inuit waren heterozygote Träger der Mutation, in der Gesamtbevölkerung Grönlands könnten es laut Hansen sogar 23 Prozent sein. Etwa 60 Prozent dieser Genträger entwickeln im Alter über 40 Jahren einen Typ 2-Diabetes. Bei den über 60-Jährigen steigt die Rate sogar auf 80 Prozent an.

Außerhalb Grönlands scheint die Mutation so gut wie unbekannt zu sein. Im 1000-Ge­nom-Projekt wurde sie nur bei einer Person, einem Japaner, gefunden. Die extreme Häufigkeit auf Grönland führt natürlich zu der Vermutung, ob die Mutation für die dortige Bevölkerung einen Vorteil haben könnte, der die Selektion erklären könnte. Hansen glaubt dies nicht. Seiner Ansicht nach könnte die abgeschiedene Lage und die gene­tische Isolierung dazu geführt haben, dass sich eine zufällig entstandene Mutation ausbreiten konnte - zumal sie bis vor kurzem mit keinen gesundheitlichen Nachteilen verbunden war. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

27.07.16
Nykturie: Unterschätztes Symptom anderer Störungen
Düsseldorf – Urologen warnen vor den unterschätzen Folgen der Nykturie. Regelmäßige Unterbrechungen des Nachtschlafes zum Wasserlassen seien häufig ein Alarmsignal für behandlungsbedürftige......
26.07.16
Grippe-Impfung schützt Typ-2-Diabetiker vor Herzkreislauf­komplikationen
London – Menschen mit Typ-2-Diabetes, die an der jährlichen Grippeimpfung teilnehmen, haben einer bevölkerungsbasierten Studie zufolge ein vermindertes Risiko, während der anschließenden......
20.07.16
Diabetes-Prävention: Stillen verändert den mütterlichen Stoffwechsel
München – Eine Stilldauer von mehr als drei Monaten führt zu langfristigen Veränderungen des Stoffwechsels. Daraus leiten Forscher der Technischen Universität München und des Deutschen Zentrums für......
20.07.16
Warum Sport bei manchen Menschen als Diabetesprävention versagt
Neuherberg/Tübingen – Regelmäßige körperliche Aktivität ist bekanntlich eine effektive Maßnahme, um das Diabetesrisiko zu senken. Allerdings sprechen Patienten unterschiedlich darauf an. Bei etwa......
19.07.16
Jena – Urlaubsreisen können die Stoffwechseleinstellung bei Diabetikern durcheinanderbringen. „Im Urlaub kann es, bedingt durch vermehrte Bewegung, häufiger zu Unterzuckerungen kommen. Deshalb sollten......
14.07.16
Radfahren kann Typ-2-Diabetes vorbeugen
Odense – Dänen, die ihr Auto zuhause stehen lassen und mit dem Rad zur Arbeit fahren, erkranken in der Folge seltener an einem Typ-2-Diabetes. Dies kam in einer prospektiven Kohortenstudie in PLOS......
12.07.16
Suche nach den Genen des Typ-2-Diabetes
Oxford – Der bislang größte Versuch, die für die familiäre Häufung des Typ-2-Diabetes verantwortlichen Gene zu finden, liefert nur wenige neue Erkenntnisse. Die in Nature (2016; doi:......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige