Politik

Drogenpolitik in Deutschland erfolgreich – aber Problem Alkohol

Dienstag, 24. Juni 2014

Bonn – Der Fachverband Sucht hat die Drogenpolitik in Deutschland gelobt, gleichzeitig aber auf Mängel und neue Herausforderungen hingewiesen. „Besonders wichtig ist die Beobachtung des Drogengebrauchs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denn je früher mit Nikotin, Alkohol oder Drogen begonnen wird, desto größer ist die Wahrschein­lichkeit für eine spätere Abhängigkeit und die Notwendigkeit einer Therapie. Die neuesten repräsentativen Studien zeigen sowohl erfreuliche als auch bedenkenswerte Ergebnisse“, erklärte der Fachverband im Vorfeld des „Internationaler Tages gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr“ am 26. Juni.

Weniger Raucher
Positiv sei beispielsweise, dass die Zahl der Raucher bei den 18 bis 25jährigen in den vergangenen Jahren um 21 Prozent und bei den 12 bis 17jährigen um 56 Prozent gesunken sei. Auch die sogenannten Prävalenzquoten des Alkoholkonsums hätten sich in den letzten Jahren stark reduziert.

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Im Vergleich 2004 zu 2012 ist bei den 12 bis 15jährigen die Prävalenzquote um 47 Prozent, bei den 16 bis 21jährigen um 10 Prozent und bei den 22 bis 25jährigen um fünf Prozent gesunken. „Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass immer noch 6,3 Prozent der 12 bis 15jährigen, 39,7 Prozent der 16 bis 17jährigen, 45,8 Prozent der 18 bis 21jährigen und 42,4 Prozent der 22 bis 25jährigen an wenigstens einem Tag im Monat exzessiv Alkohol trinken“, hieß es aus dem Fachverband.

Deutschland ist Alkohol-Problem-Nation
Im Vergleich der Jahre 2000 zu 2012 habe der Anteil von Krankenhausbehandlungen wegen Alkoholvergiftungen bei den 15 bis 19jährigen um 210 Prozent zugenommen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird in Deutschland mehr getrunken als in anderen Ländern. Jeder Deutsche im Alter von über 15 Jahren konsumiert im Schnitt 11,8 Liter reinen Alkohol im Jahr, das entspricht rund 500 Flaschen Bier. Weltweit liegt der Alkoholkonsum mit 6,2 Litern an reinem Alkohol nicht einmal halb so hoch. Auch in Europa wird insgesamt weniger getrunken: 10,9 Liter reiner Alkohol pro Jahr.

Deutschland ist ein führendes Land beim Alkohol-Konsum und daher auch eine Alkohol-Problem-Nation“, sagte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) im westfälischen Hamm. Er kritisierte, Deutschland sei eines der wenigen Länder, „wo man sich für den Gegenwert eines Taschengeldes tottrinken kann“. Auch drei weitere Punkte machen es seiner Ansicht nach den Süchtigen leicht: Alkohol sei an Kiosken und Tankstellen rund um die Uhr verfügbar.

Jugendschutz wird ignoriert
Hersteller dürften für Alkohol werben. Und der Jugendschutz stehe oft nur auf dem Papier. An allen vier Stellschrauben könnte man drehen, wollte man erreichen, dass weniger Menschen an Alkohol sterben, glaubt Gaßmann: Steuern erhöhen, Werbung verbieten, kein Verkauf nachts und kein Alkohol für Jugendliche. „Ich bin sicher, wenn wir den gleichen Weg gingen wie beim Tabak, hätten wir bald weniger Alkoholtote“, so der Sucht-Experte.

Konsum von Cannabinoiden rückläufig
Der Konsum von Cannabinoiden, der häufigsten illegalen Droge in Europa, ist laut dem Fachverband Sucht rückläufig. Bei den 12 bis 17jährigen hat sich die Prävalenz, bezogen auf 30 Tage, in Deutschland zwischen 2001 und 2011 um 41 Prozent und bei den 18 bis 25jährigen um 10 Prozent reduziert. Nach Cannabis folgen bei den 18 bis 20jährigen als häufigste Droge Amphetamine (1,6 Prozent), Kokain (1,4 Prozent) und Ecstasy (0,7 Prozent): Bei den 25 bis 29jährigen sind es Amphetamine (2,4 Prozent), Ecstasy (1,7 Prozent) und Kokain (1,5 Prozent). Der Konsum sogenannter neuer Psychoaktiver Substanzen wie Spice, Smoke, Badesalzen, teils über das Internet angeboten, liegt bei 0,6 Prozent in der Gesamtbevölkerung und ist mit 2,5 Prozent Lebenszeitprävalenz am höchsten bei den 25 bis 29jährigen.

Der Fachverband Sucht ist ein bundesweit tätiger Verband, in dem Einrichtungen zusammengeschlossen sind, die sich der Behandlung, Versorgung und Beratung von Suchtkranken widmen. Er wurde 1976 gegründet und vertritt heute rund 95 Mitgliedseinrichtungen mit über 6.500 stationären und weiteren ambulanten Therapieplätzen. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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