Ärzteschaft

KBV will pflegende Angehörige in den Fokus rücken

Dienstag, 1. Juli 2014

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)  hat heute in Berlin ein neues Versorgungskonzept für pflegende Angehörige vorgestellt, das sie im Rahmen ihrer Vertragswerkstatt auf Grundlage des §73c SGB V entwickelt hat. Bei der Erstellung unterstützt wurde sie von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und dem Angehörigenverband „wir pflegen e.V.“. Das Konzept greift ein bisher in der Gesellschaft noch wenig beachtetes Phänomen auf: die Über­lastung von pflegenden Angehörigen und ihre damit verbundenen gesundheitlichen Belastungen.

„Wir müssen auch auf die Menschen Acht geben, die ihr eigenes Wohl hinter das einer ihnen nahestehenden Person stellen“, betonte Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, bei der Vorstellung des Versorgungsvertrags. „Jetzt liegt es an den Krankenkassen, diesen Faden aufzunehmen und das Angebot ihren Versicherten zur Vermeidung von pflegebedingten Erkrankungen anzubieten.“

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Unterstützung erhielt das Angebot bereits vom Patientenbeauftragen der Bundes­regierung sowie Bevollmächtigten für Pflege, Staatssekretär Karl-Josef Laumann. Das Augenmerk nicht nur auf die Pflegebedürftigen, sondern auch auf die pflegenden Angehörigen zu richten sei angesichts des großen Bedarfs an häuslicher Pflege unerlässlich, bestätigte er. Das KBV-Konzept könne da einen wichtigen Beitrag leisten.

Einer aktuellen Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge sind 2,5 Millionen Menschen in Deutschland als pflegebedürftig in einer Pflegestufe erfasst. Allerdings sind 5,4 Millionen Menschen pflegebedürftig, ohne dass sie einen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben.

Die Gesellschaft für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht davon aus, dass mehr als 4,7 Millionen Betroffene in Deutschland von ihren Ange­hörigen betreut werden. In der Regel seien es Frauen, die einspringen. 86 Prozent der Hauptpflegepersonen seien zudem älter als 40 Jahre, sagte Adelheid Kuhlmey, Wissen­schaftliche Direktorin des Zentrums für Human- und Gesundheitswissenschaften der Charité Berlin.

Pflegende Angehörige sind eine schwer erreichbare Zielgruppe
Auch der Sachverständigenrat stellte in seinem jüngsten Gutachten fest, dass zukünftig pflegende Angehörige vermehrt in einem hohen Lebensalter sein werden. „Dazu braucht es Konzepte“, sagte Feldmann und verwies auf eine  Versichertenbefragung der KBV vom Mai diesen Jahres, deren Ergebnisse Ende Juli vorstellt werden sollen. Eine Erkenntnis nannte sie vorab: „70 Prozent derer, die selbst pflegen, geben an, sich emotional stark belastet zu fühlen. Nur 50 Prozent derjenigen, die eine ihnen nahe­stehende Person pflegen, haben darüber schon einmal mit ihrem Hausarzt gesprochen.“

Dies zeige, dass pflegende Angehörige eine schwer erreichbare Zielgruppe sind, konstatierte Feldmann. „Diese Menschen neigen oft dazu, das eigene Wohl demjenigen der zu Pflegenden unterzuordnen. Sie achten nicht auf Warnsignale des eigenen Körpers oder der eigenen Psyche. Der erste Ansatzpunkt, um überhaupt Handlungsbedarf zu erkennen, ist häufig das Gespräch mit dem Hausarzt.“

Potenzielle Patienten identifizieren
Ziel des KBV-Konzepts ist es deshalb, einen potenziellen Patienten zu identifizieren und das Gesundheitsrisiko, das durch die Pflege eines Angehörigen ausgeht, zu erkennen. „Dazu bedarf es der Kenntnis der häuslichen Situation und des Umfelds. Hausärzte oder andere vertraute Ärzte sind hierfür besonders geeignet“, sagte Thomas Lichte, Mitglied des DEGAM-Vorstands und Hausarzt in der Lüneburger Heide. Ferner sollten auch Medizinische Fachangestellte in der Praxis einbezogen werden, die mit der persönlichen Situation der Betroffenen oftmals noch besser vertraut sind.

„Die Beratung durch den Hausarzt kann  Entlastungsmöglichkeiten aufzuzeigen, gezielte Unterstützung anbieten und Informationsangebote vermitteln“, bestätigte Dr. Hanneli Döhner, von Angehörigenverband „wir pflegen e.V.“. © ER/aerzteblatt.de

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H.-D. Falkenberg
am Montag, 28. Juli 2014, 16:46

KBV will pflegende Angehörige in den Fokus rücken

Wie soll ein Hausarzt, Facharzt und/oder Krankenhausarzt Empfehlungen hinsichtlich einer adäquaten Pflege durch Angehorige geben, wenn er selbst nicht entsprechend informiert ist. Somit gilt es, zunächst dort für Aufklärung zu sorgen. Der einfachste und schnellste Weg, die Angehörigen zu entlasten, ist natürlich der Umzug in ein Alten- und Pflegeheim. Es gibt jedoch viele "preisgünstigere" Alternativen, wie z.B. ambulant betreute Wohngemeinschaften, niedrigschwellige Angebote, Tages- und Kurzzeitpflege u.ä. Kennen Sie oder Ihr Arzt oder Ihr Therapeut diese?
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