Medizin

Studie: Etwas mehr Totgeburten und Eileiter­schwangerschaften nach früherem Kaiserschnitt

Mittwoch, 2. Juli 2014

Cork – Wunsch oder Notwendigkeit eines Kaiserschnitts können bei folgenden Schwangerschaften das Komplikationsrisiko erhöhen. Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie in PloS Medicine (2014; doi: 10.1371/journal.pmed.1001670) ermittelt ein leicht erhöhtes Risiko auf eine Eileiterschwangerschaft sowie auf eine Totgeburt des nächsten Kindes.

In Deutschland und den USA kommt fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt, in Teilen Lateinamerikas ist es bereits jedes zweite. Neben der Furcht der Geburtshelfer vor Komplikationen und dem wirtschaftlichen Interesse der Kliniken wird auch der Wunsch der Schwangeren nach einer vermeintlich unkomplizierten Entbindung für diese Entwicklung verantwortlich gemacht.

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Dass eine Schnittentbindung mit einem (wenn auch geringen) Infektionsrisiko verbunden, dass die Narbe auch mit Adhäsionen im Bauchraum einhergehen kann, wird dabei leicht übersehen. Eine weitere Folge könnten Eileiterschwangerschaften und Totgeburten sein. Diesem Risiko ist jetzt ein Team von dänischen und irischen Forschern nachgegangen, indem sie eine der für diese Zwecke verlässlichsten Quellen ausgewertet haben: Die dänischen Behörden ordnen den Einwohnern bestimmte Identifikationsnummern zu, die in verschiedenen Registern des Landes verwendet werden. Dadurch lassen sich leicht Zusammenhänge herstellen.

Das Team um Patricia Kearney von der Universität Cork konnte leicht ermitteln, dass von den 832.996 Frauen, die zwischen 1982 und 2010 von ihrem ersten Kind entbunden wurden, 1.996 zu einem späteren Zeitpunkt eine Totgeburt hatten. Bei 11.877 war es später zu einer Eileiterschwangerschaft gekommen. Diese beiden Ergebnisse traten häufiger bei Frauen auf, bei deren erster Geburt ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde: Für eine Totgeburt errechnen die Forscher ein um 14 Prozent erhöhtes Risiko, die Gefahr auf eine Eileiterschwangerschaft war um 9 Prozent erhöht.

Da beide Ereignisse insgesamt selten sind, ist das absolute Risiko für die einzelne Frau gering. Kearney errechnet, dass auf etwa 3.333 Kaiserschnitte eine zusätzliche spätere Totgeburt kommt. Bei der Eileiterschwangerschaft beträgt diese Number Needed to Harm etwa 1.000. Das Risiko auf eine Fehlgeburt war übrigens nicht erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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TeSchenny
am Mittwoch, 3. September 2014, 23:33

Und hier noch die Korrektur der verlinkten Studie

Eine Tabelle wurde vertauscht. www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4113203/#!po=25.0000
TeSchenny
am Mittwoch, 3. September 2014, 23:24

Mal wieder nur die halbe Wahrheit

Die Studie hat klar kein signifikantes Ergebnis erhalten. Heißt, diese leichte Risikoerhöhung nach primärem KS kann auch Zufall sein, da die Unterschiede einfach zu gering sind.

Aber das wichtigste wurde gar nicht erwähnt!: Der Wunschkaiserschnitt schnitt in allen Risikobereichen fast doppelt so gering ab. Das Risiko von Totgeburt, Fehlgeburt und Eileiterschwangerschaft war nach einen Wunschkaiserschnitt in der nächsten Schwangerschaft am geringsten!!!

Wann macht die Gesellschaft endlich mal die Augen auf und merkt die Propaganda gegen eine viel bessere Entbindungsart als die Natürliche! Aber die Ethik und das Geld ist natürlich wichtiger. Wäre ja nicht der einzige Punkt wo der Staat Geld auf Kosten der Gesundheit unserer Bürger schaufeln möchte.

Der primäre KS schnitt nur wegen der viel häufiger vorkommenden Plazentaproblemen in der ersten Schwangerschaft etwas schlechter ab. Absolut erklärbar.

Das Risiko Totgeburten, Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften ist nach Kaiserschnitt NICHT höher wie nach vaginaler Entbindung! Genau das fand die Studie heraus. Es gibt hier keinen kausalen Zusammenhang.
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