Medizin

Typ 2-Diabetes: Insulinpumpen verbessern Blutzucker in Studie

Freitag, 4. Juli 2014

Caen – Menschen mit fortgeschrittenem Typ 2-Diabetes, die trotz mehrmals täglicher Insulininjektion keine befriedigende Blutzuckereinstellung erreichen, konnten in einer randomisierten Studie im Lancet (2014; doi:10.1016/S0140-6736(14)61037-0) ihre HbA1c-Werte mit Hilfe einer Insulinpumpe verbessern, ohne dass es zu vermehrten Hypoglykämien kam.

Die Insulinpumpen wurden vor 35 Jahren für Patienten mit Typ 1-Diabetes eingeführt, denen es – vor allem im Jugendalter – häufig schwerfällt, die Insulinmenge den Bedürfnissen anzupassen. Patienten mit Typ 2-Diabetes erhalten nur in Ausnahmefällen eine Insulinpumpe, obwohl auch hier viele Patienten ihre Blutzuckerziele nicht erreichen. Dies ist häufig dann der Fall, wenn infolge einer ausgeprägten Insulinresistenz hohe Insulinmengen gespritzt werden müssen, und infolge einer Erschöpfung der Beta-Zellen die körpereigene Hormonproduktion nachlässt und damit auch das Risiko von Hypoglykämien ansteigt.

Anzeige

Das Team um Yves Reznik von der Université de Caen in der Normandie hat für die bisher größte Studie zum Einsatz von Insulinpumpen beim Typ 2-Diabetes Patienten ausgewählt, die es in einer Run-In-Phase über 2 Monate trotz intensiver Beratung nicht geschafft hatten, ihren HbA1c-Wert auf unter 8 Prozent zu senken. In der vom Hersteller gesponserten Studie wurden dann 331 Patienten auf eine Pumpentherapie oder die Fortsetzung der konventionellen Insulintherapie mit mehreren täglichen Injektionen randomisiert.

Primärer Endpunkt der OpT2mise-Studie war die Veränderung des HbA1c-Werts. Hier kam es, wie Reznik mitteilt, bei den Pumpenträgern zu einer Verbesserung um 1,1 Prozentpunkte. Aber auch die Teilnehmer der Kontrollgruppe konnten den HbA1c-Wert um 0,4 Prozentpunkte senken, so dass es am Ende bei einem Vorteil von 0,7 Prozent­punkten blieb, der bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,4 bis 0,9 Prozentpunkte signifikant ausfiel. Interessanterweise benötigten die Pumpenträger am Ende ein Fünftel weniger Insulin (97 versus 122 Einheiten pro Tag) als in der Kontrollgruppe, was darauf hindeutet, dass das Hormon durch die Pumpe effizienter eingesetzt wurde.

Zu Beginn und gegen Ende der Studie führten die Patienten über sechs Tage eine kontinuierliche Blutzuckermessung durch. Die Patienten hatten etwas länger niedrige Blutzuckerwerte (8,1 versus 5,1 Minuten unter 3,9 mmol/l), schwerwiegende Hypo­glykämie-Komplikationen wurden jedoch nicht bekannt.

Der hohe Insulinbedarf kann jedoch zu einer Blockade der Infusionsschläuche führen. Wird sie nicht bemerkt, kommt es zur Hyperglykämie: Im Pumpen-Arm der Studie traten fünf Episoden auf. Dies führte allerdings in keinem Fall zu einer Ketoazidose oder zu einer Hospitalisierung. Für den Editorialisten Pratik Choudhary vom King's College in London spricht deshalb einiges für den Einsatz von Insulinpumpen bei schwer einstellbaren Typ 2-Diabetikern. Der einzige Nachteil dürfte in den höheren Kosten liegen, so dass die einzelnen Krankenkassen die Kosteneffektivität mit angespitztem Bleistift prüfen dürften. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

20.05.16
Prädiabetes: Individuelles Risiko für Herz-­Kreislauferkrankungen und Erfolg von Lebens­stilintervention voraussagen
Tübingen - Menschen mit Prädiabetes haben ein erhöhtes Risiko für diverse Folgeerkrankungen. Das individuelle Risiko unterscheidet sich jedoch deutlich. Neue Analysen zeigen, dass die Untersuchung auf......
12.05.16
Berlin – Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat eine neue Patientenleitlinie Netzhautkomplikationen bei Diabetes veröffentlicht. Sie bringt die Empfehlungen der entsprechenden......
09.05.16
Berlin – Schätzungen zufolge leiden mehrere Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes Typ 2 ohne es zu wissen. Dabei könnte eine systematische Blutzuckermessung in Kliniken diese hohe Dunkelziffer......
06.05.16
Diabetes Typ 1: Künstliche Bauchspeicheldrüse soll 2020 auf dem Markt sein
Berlin – Weltweit versuchen Forscher eine künstliche Bauchspeicheldrüse zu entwickeln, die Menschen mit Diabetes Typ 1 die manuelle Insulininjektion abnehmen soll. „Laut Professor Philipp aus Israel,......
04.05.16
Neue vollautomatische Laborstraße im Herz- und Diabeteszentrum NRW
Bad Oeynhausen – Am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), einer Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, nimmt ein vollautomatisiertes Großlabor seine Arbeit auf. Die 30 Meter lange Anlage......
03.05.16
München – Wiederholte Virusinfektionen der Atemwege in den ersten sechs Monaten erhöhen bei Säuglingen das Risiko, einen Diabetes Typ 1 (T1D) zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um......
29.04.16
Arme Wohngegend erhöht Diabetes-Risiko
San Francisco – Ob ein Mensch an einem Typ 2-Diabetes erkrankt, hängt auch davon ab, in welcher Gegend er wohnt. Dies zeigt eine Untersuchung von Flüchtlingen in Schweden, die jetzt in Lancet......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige