Medizin

Down-Syndrom mindestens 1.500 Jahren alt

Montag, 7. Juli 2014

Bordeaux  – Die Trisomie 21 ist keine Chromosomen-Anomalie der Neuzeit. Dies belegt der Fund eines Skeletts in einem Grab aus dem 5. bis 6. Jahrhundert, dessen Knochen einem Bericht im International Journal of Paleopathology (2014; doi: 10.1016/j.ijpp.2014.05.004) zufolge mehrere Kennzeichen des Down Syndroms aufweisen.

Es gibt keinen biologischen Grund, warum das 1866 vom britischen Arzt John Langdon Down beschriebene Syndrom, deren Ursachen erst Mitte des 20. Jahrhunderts nach Entwicklung der Karyotypisierung entdeckt wurde, nicht schon in früheren Jahrhunderten existiert haben sollte. Es wurde aber angenommen, dass die Kinder früher nur eine geringe Lebenserwartung hatten, vielleicht auch häufig nach der Geburt getötet wurden.

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Dies scheint bei dem etwa 5 bis 7 Jahre alten Kind, dessen Knochen Maïté Rivollat von der Universität Bordeaux und Mitarbeiter in einer Nekropole nahe des Klosters Saint-Jean-des-Vignes in Chalon-sur-Saône im Osten Frankreichs gefunden haben, nicht der Fall gewesen zu sein. Das Kind wurde auf dem Rücken liegend beigesetzt mit dem Kopf nach Westen, wie es den damaligen Gepflogenheiten entsprach.

Die Forscher konnten zwar kein genetisches Material untersuchen, verschiedene Merkmale am Schädel deuten jedoch auf ein Down-Syndrom hin. Rivollat beschreibt einen kurzen breiten Schädel (Brachyzephalie), ein Offenbleiben der Stirnnaht am Stirnbein (Metopismus), eine Zahnunterzahl (Hypodontie), eine Parodontose, einen flachen Hinterkopf, eine dünne Schädelkalotte und Veränderungen der Schädelbasis. Keines der Zeichen sei pathognomonisch, meint die Forscherin, doch in der Gesamtschau ergebe sich klar das Erscheinungsbild eines Morbus Down.

Dass das Kind in der Nekropole gleichberechtigt mit anderen Verstorbenen beigesetzt wurde, zeigt laut Rivollat, dass Menschen mit Down Syndrom im Mittelalter nicht notwendigerweise diskriminiert wurden. © rme/aerzteblatt.de

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