Medizin

Bluttest auf Alzheimer rückt näher

Mittwoch, 9. Juli 2014

London – Nachdem US-Forscher kürzlich zeigen konnten, dass eine beginnende Demenz mit Veränderungen von Phospholipiden im Blut einhergeht, stellt eine britische Arbeitsgruppe jetzt in Alzheimer's & Dementia (2014; doi: 10.1016/j.jalz.2014.05.1749) einen weiteren möglichen Bluttest vor, der die Vorhersagen einer Demenz bei Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) ermöglichen soll.

Die Zeiten, in denen die Diagnose eines Morbus Alzheimer erst postmortal möglich war, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Die Amyloidablagerungen können heute mittels des Tracers Pittsburgh Compound-B in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sichtbar gemacht werden.

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Im Liquor lassen sich Abbauprodukte des Amyloidprecursor­proteins nachweisen. Für die klinische Forschung werden die neuen diagnostischen Methoden bereits genutzt, um Kandidaten für eine Therapie der Erkrankung im Frühstadium auswählen zu können. Für den Einsatz in der klinischen Praxis sind sie zu umständlich (Liquor) und zu teuer (PET). Die Forschung sucht deshalb intensiv nach einem Bluttest.

Ein Team um Howard Federoff vom Georgetown University Medical Center in Washington hat kürzlich einen Bluttest vorgestellt. Er beruht auf dem Nachweis von zehn Phospho­lipiden, die eine Störung der Zellmembran anzeigen, zu der es im Verlauf der Alzheimer­erkrankung kommt. Federoff gab die diagnostische Genauigkeit mit 90 Prozent an, was ein relativ guter Wert ist, auch wenn er bedeutet, dass die Erkrankung in einem von zehn Fällen übersehen wird.

Das Team um Simon Lovestone vom King’ College in London stellt jetzt mit Mitarbeitern der Firma Proteome Sciences in Cobham bei London einen weiteren Test vor. Er besteht dieses Mal aus zehn Proteinen, deren Konzentration im Serum ebenfalls mit der Amyloid-Last im Gehirn in Verbindung steht. Der Test wurde an 452 gesunden Proban­den, 220 Personen mit der Alzheimer-Vorstufe MCI und 476 Patienten mit Morbus Alzheimer untersucht.

Bisher war es nicht möglich, unter den Personen mit MCI jene zu erkennen, bei denen die kognitiven Einschränkungen zur Alzheimer-Demenz voranschreiten. Die von Lovestone vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass eine Vorhersage mit einer Genauigkeit von 87 Prozent möglich sein sollte (Sensitivität 85 Prozent, Spezifität 88 Prozent).

Diese Ergebnisse machen den Test nach Ansicht der Stiftung Alzheimer’s Research UK, die die Entwicklung finanziell gefördert hat, zu einem aussichtsreichen Test für die klinische Forschung. Als Screeningtest für ältere Personen mit beginnenden kognitiven Einschränkungen käme er erst infrage, wenn den Patienten eine Therapie angeboten werden könnte, die das Fortschreiten der Erkrankung verhindert. Ohne diese Option würde der Test Patienten und Angehörige stark verunsichern und dies in einem von zehn Fällen, in denen ein falsch positives Ergebnis vorliegt, auch noch grundlos.

© rme/aerzteblatt.de

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