Ausland

Umfrage: Mehrheit von britischen Gläubigen für Sterbehilfe

Mittwoch, 16. Juli 2014

London – Vor der Oberhausdebatte über die Legalisierung aktiver Sterbehilfe am Freitag spricht sich eine Mehrheit von Anglikanern, Katholiken und Juden für eine Zulassung aktiver Sterbehilfe in Großbritannien aus. Baptisten, Muslime und Hindus bleiben mehr­heitlich dagegen. Dies geht aus einer Umfrage unter 4.500 gläubigen Briten hervor, aus der die Tageszeitung The Times vom Mittwoch zitiert. Demnach sprachen sich drei Viertel der Anglikaner und zwei Drittel der Katholiken für eine entsprechende Gesetzes­änderung aus. 70 Prozent der Juden, aber weniger als 33 Prozent der Muslime befür­worteten die Zulassung aktiver Sterbehilfe.

Die Verantwortliche der Studie, die Religionssoziologin Linda Woodhead von der Universität Lancaster nannte als meistgenannte Begründung, es sei Sache jedes einzelnen, wie er oder sie sterben wolle. Gegen eine Gesetzesänderung werde zumeist ein drohender Dammbruch angeführt, der Alte und Kranke langfristig zur Selbsttötung drängen könnte. Die „Unantastbarkeit des Lebens“ sei dagegen nur selten als Begründung genannt worden, so Woodhead.

Anzeige

Religionsführer gegen aktive Sterbehilfe
Unterdessen veröffentlichten am Mittwoch mehr als 20 britische Religionsführer einen gemeinsamen Appell an die Parlamentarier, die umstrittene Gesetzesinitiative nicht zu verabschieden. Sie verwiesen auf den Wert jedes einzelnen Menschenlebens und auf die Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade besonders verletzliche Individuen dürften nicht von der Gesellschaft unter Druck gesetzt werden, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Zu den Unterzeichnern gehören der Primas der anglikanischen Kirche von England, Erzbischof Justin Welby, der katholische Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, sowie hochrangige Vertreter von protestantischen Kirchen, Judentum, Islam, Hinduismus, Sikhismus und Zoroastriern. Die katholische Bischofskonferenz von England und Wales hatte die Gläubigen im Vorfeld aufgefordert, ihren Abgeordneten zu schreiben.

Am Freitag debattiert das Oberhaus in London über den Gesetzentwurf von Lord Charles Falconer zur Legalisierung aktiver Sterbehilfe. Die Regelung würde Ärzten erlauben, Schwerstkranken Medikamente zu verschreiben, mit denen sie ihrem Leben ein Ende setzen können. Als Voraussetzung für eine solche Hilfe beim Suizid sieht Falconers Entwurf vor, dass die Betroffenen eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben und ihre Lebenserwartung weniger als sechs Monate beträgt. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Eutanasia
am Donnerstag, 17. Juli 2014, 14:27

Menschen werden für dumm gehalten

Die Religionsführer vetreten eine andere Meinung als die Mehrheit der Gläubigen: Wie gehabt! Es gibt immer Menschen, die zu wissen glauben, was für andere besser ist.

@Widerstand: Und ob es unsere Entscheidung ist. Wie Sie gerade gelesen haben, glaubt nur noch eine Minderheit, dass es nicht so ist.
Widerstand
am Mittwoch, 16. Juli 2014, 23:16

Es ist nicht unsere Entscheidung...

wann und ob wir auf die Welt kommen. Nach einem Leben möglicherweise in Armut, in Ausgrenzung, in Krankheit und Schmerzen, muss es jedoch unsere Entscheidung sein, wann wir gehen wollen.
Alle behaupten, die Würde des Menschen ist unantastbar. Bei jenen, die den Menschen die Entscheidung zu gehen verweigern, ist sie jedoch auch unauffindbar. Wie kann ich von etwas vollmundig sprechen, dass ich anderen verweigere?
Besonders die "Gläubigen" und ganz besonders jegliche Glaubens- und Kirchenvertreter, die sich zu Predigten berufen fühlen sollten ganz still sein. Die sogenannten Gläubigen sprechen um 12:00 Uhr ihren Göttern das alleinige Recht zur Entscheidung über den Sterbezeitpunkt des Menschen zu. Um 12:01 Uhr gehen sie hin und segnen Granaten, Raketen und alles womit Menschen getötet werden. Das ist Bigotterie.
Die größte Entscheidung unseres Lebens und zugleich die Wichtigste ist und muss unsere Bleiben.
4.343 News Ausland

Nachrichten zum Thema

28.11.16
Palliativmedizin: Sterbewünsche im Alter richtig deuten
Berlin – Was meinen schwerkranke Menschen, wenn sie sagen, dass sie sterben wollen? Mit dieser Frage haben sich Schweizer Ärzte und Ethiker in einer zehnjährigen Studie auseinandergesetzt. Noch......
28.11.16
London – In England ist die Zahl der Krankenhaustage von Patienten, die wegen Mangelernährung behandelt wurden, deutlich gestiegen. Das hat der Guardian unter Berufung auf offizielle Daten des......
23.11.16
Paris – 80 Prozent der Franzosen befürworten einer Umfrage zufolge aktive Sterbehilfe. Zugleich herrscht im Land jedoch Unkenntnis über bestehende Regelungen. Das geht aus einer gestern......
17.11.16
Brüssel – Eine Gruppe von Bioethik-Experten kritisiert den Anstieg von Sterbehilfefällen kranker älterer Menschen. Es sei nicht immer klar, ob es einen Kausalzusammenhang zwischen einem unheilbaren......
16.11.16
Marseille – Eltern einer kranken Tochter in Südfrankreich klagen auf die Weiterbehandlung des Mädchens. Zuvor hatte ein Ärzteteam aus Marseille entschieden, die Behandlung des Mädchens abzubrechen,......
02.11.16
Karlsruhe – Professionelle Hilfe beim Sterben – was die einen für ethisch geboten halten, lehnen andere ab. Jetzt liegt das vor einem Jahr verabschiedete Gesetz in Karlsruhe. Beim......
20.10.16
Brüssel – In Belgien gibt es immer mehr Fälle aktiver Sterbehilfe. Zwischen 2012 und 2015 stieg die Zahl um 22 Prozent, wie das Europäische Institut für Bioethik in Brüssel mitteilte. Insgesamt nahmen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige