Ausland

EuGH-Gutachter: Extreme Adipositas kann als Behinderung gelten

Donnerstag, 17. Juli 2014

Luxemburg – Stark übergewichtige Menschen sind im Erwerbsleben möglicherweise bald besser geschützt. Nach einem heute beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxem­burg vorgelegten Rechtsgutachten kann starke Fettleibigkeit als Behinderung gelten, wenn sie zu deutlichen Einschränkungen bei der Teilhabe am Arbeitsleben führt. Als Grenzwert nennt der Gutachter einen Body-Mass-Index (BMI) von 40. Nach gängiger Definition gilt jemand mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 als übergewichtig, bei Werten von 30 oder höher spricht man von Fettleibigkeit oder Adipositas. Für sein zum Jahresende erwartetes Urteil ist der EuGH daran nicht gebunden, er folgt den Gutachten aber in den allermeisten Fällen. (Az.: C-354/13)

Im Streitfall klagte ein Tagesvater im dänischen Billund gegen seine Entlassung. Er wiegt über 160 Kilogramm und gilt auch medizinisch als stark adipös. Die Gemeinde begründete die Entlassung mit rückläufigen Kinderzahlen. Der Tagesvater meint aber, dies könne nicht erklären, warum es nach 15 Arbeitsjahren ausgerechnet ihn treffe. Grund dafür sei seine Fettleibigkeit.

Anzeige

Dies sei eine unzulässige Diskriminierung wegen einer Behinderung. Das zuständige Gericht im dänischen Kolding fragte beim EuGH an, ob Adipositas als Behinderung gilt.

Der Generalanwalt beim EuGH, Niilo Jääskinen, betonte nun, dass EU-Recht eine Diskriminierung wegen Fettleibigkeit nicht direkt verbietet. Adipositas könne aber eine Behinderung sein, „wenn sie so gravierend ist, dass sie ein Hindernis für die volle, mit anderen Arbeitnehmern gleichberechtigte Teilhabe am Berufsleben darstellt". Dies komme bei einer besonders schweren und krankhaften Adipositas in Betracht, die zu Einschränkungen bei der Mobilität und Belastbarkeit führt.

Damit geht Jääskinen etwas weiter als die geltenden Regelungen in Deutschland. Nach den hier maßgeblichen „Anhaltspunkten“ kann eine Adipositas für sich genommen nicht zur Anerkennung einer Schwerbehinderung führen. Berücksichtigt werden „nur Folge- und Begleitschäden“, insbesondere des Bewegungsapparats und des Herz-Kreislauf-Systems. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.349 News Ausland

Nachrichten zum Thema

17.11.16
Bariatrische Chirurgie könnte Risiko für Herzversagen senken
New Orleans – Die bariatrische Chirurgie hat für adipöse Patienten nicht nur den Vorteil, Gewicht zu verlieren. Auch das Herz könnte profitieren. Vorläufige Ergebnisse dazu präsentierten schwedische......
08.11.16
Berlin – Die DAK-Gesundheit verlangt ein Umdenken bei der Versorgung fettleibiger Menschen. Mit einem neuen Therapie- und Behandlungskonzept könnte nach einer Studie die Zahl der Fettleibigen in zehn......
04.11.16
WHO fordert besseren Schutz von Kindern vor versteckter Lebensmittelwerbung
Kopenhagen – Das WHO-Regionalbüro für Europa hat in einem aktuellen Bericht sofortige Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor der digitalen Vermarktung von Lebensmitteln gefordert. Wissenschaftler und......
03.11.16
Oakland – Häufige Infektionen im ersten Lebensjahr, nicht aber der Einsatz von Antibiotika, waren in der Kohortenstudie eines US-Versicherers mit einer Adipositas im späteren Kindesalter assoziiert,......
20.10.16
Seattle – Frauen, die nach einer bariatrischen Operation schwanger werden, bekamen in einer Kohortenstudie in JAMA Surgery (2016; doi:10.1001/jamasurg.2016.3621) häufiger Kinder, die zu früh, zu klein......
20.10.16
Luxemburg – Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in der Europäischen Union ist übergewichtig und jeder sechste Erwachsene sogar fettleibig. Dies geht aus einem heute veröffentlichten Bericht der......
18.10.16
Übergewichtige Mütter gebären Kinder mit höherem biologischen Alter
Hasselt - Der Body-Mass-Index (BMI) einer schwangeren Frau wirkt sich auf das biologische Alter des Kindes aus. Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus Belgien. Verkürzte Telomere gaben den......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige