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Hohes Niveau der Schlagan­fallbehandlung in Deutschland

Montag, 21. Juli 2014

Berlin – Die Behandlung von Schlaganfallpatienten in Deutschland ist auch im interna­tionalen Vergleich exzellent. Das berichten die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) nach Auswertungen der baden-württembergische Arbeitsgemeinschaft Schlaganfall zusammen mit den Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim.

„In den klinischen Studien, die seit den 90er-Jahren den Nutzen der Lysetherapie belegt haben, gab es feste Regeln, die ein hohes Niveau sichergestellt haben. Bislang war nicht klar, ob die Behandlung unter den Bedingungen des klinischen Alltags in einer Vielzahl von Stroke Units die gleichen guten Ergebnisse erzielt“, erläuterte Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik an der Asklepios Klinik Altona und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

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Die Auswertung zeigte, dass insgesamt zwölf Prozent der Schlaganfallpatienten eine Lysetherapie erhielten, im Jahr 2012 waren es sogar 14 Prozent. „Das ist eine der weltweit höchsten Behandlungsraten“, sagte Werner Hacke, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Jede sechste Lyse konnte innerhalb von 90 Minuten nach dem Beginn der Symptome begonnen werden. Bei diesem frühen Beginn erzielt die Lysetherapie die besten Ergebnisse. In den früheren klinischen Studien kam im Durchschnitt auf 4,5 Patienten einer, der später ohne größere bleibende Schäden aus der Klinik entlassen werden konnte, so Hacke.

Diese „Number needed to treat“ war auch der wichtigste Qualitätsindikator der Arbeitsgemeinschaft Schlaganfall. Ihre Auswertung ergab, dass die Kliniken in Baden-Württemberg in den Jahren 2008 bis 2012 ebenfalls eine „Number needed to treat“ von 4,5 erreichten, wenn die Patienten innerhalb von 90 Minuten behandelt werden konnten.

Die Untersuchung zeigte auch: Je kürzer die Zeitspanne vom ersten Auftreten von Schlaganfallsymptomen bis zur Lyse ist, desto günstiger sind die Behandlungs­ergebnisse für den Patienten. Allerdings treffen auch viele Patienten später in der Klinik ein. Zwei Drittel der Lysen konnten erst zwischen der 90. und 180. Minute erfolgen.

Die „Number needed to treat“ verschlechterte sich auf 6,4, das heißt, nur bei jedem sechsten Patienten war das Behandlungsergebnis gut. Dieser Wert war vergleichbar mit dem in klinischen Studien. Auch zwischen der 181. und 270. Minute ist eine Lysetherapie noch Erfolg versprechend, zeigte die Auswertung und bestätigte damit die Ergebnisse der klinischen Studien. Die „Number needed to treat“ stieg jedoch auf 18 an.

Für Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der DGN bestätigen die Ergebnisse, dass sich die Einrichtung von Stroke Units bewährt hat. „Die Behandlung kann dort auf hohem internationalem Niveau und mit den gleichen Erfolgsaussichten wie in den klinischen Studien durchgeführt werden“, so sein Fazit. In den derzeit 259 zertifizierten Stroke Units würden 70 bis 80 Prozent aller Patienten mit akuten Schlaganfällen in Deutschland behandelt. © hil/aerzteblatt.de

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