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Neurologen wehren sich gegen Zwangsmaßnahmen bei Terminvergaben

Mittwoch, 23. Juli 2014

Berlin – Gegen Zwangsmaßnahmen bei der Vergabe von Facharzt-Terminen wehren sich die niedergelassenen Neurologen in Deutschland. „Lange Wartezeiten resultieren aus einem Missverhältnis zwischen Patienten-Nachfrage und Versorgungskapazitäten in den Praxen. Sie sind Ausdruck einer gravierenden Unterversorgung“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN), Uwe Meier.

Zwangsmaßnahmen wie Termingarantien und neue Koordinierungsstellen könnten dieses Problem nicht lösen, weil sie keine neuen Behandlungskapazitäten schafften. „Stattdessen fordern wir eine bessere Vernetzung der Angebote im Rahmen von Integrierten Versorgungs- oder Strukturverträgen und Finanzmittel für Weiterbildungs­assistenten in den Praxen“, so Meier.

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Die neurologischen und nervenärztlichen Praxen in Deutschland haben nach einer Berechnung des IGES-Institutes zwischen 1994 und 2004 ihre Fallzahl pro Arzt ausgedehnt: von rund 2.500 auf etwa 3.500 Fälle pro Jahr. Seither verharrt die Fallzahl pro niedergelassenem Arzt laut dem Berufsverband zwischen 800 und 1.000 Fällen pro Quartal und Arzt.

„Bei einer gesetzlich verordneten Termingarantie müssten die Praxen ihre Fallzahlen steigern. Dann stünde noch weniger Zeit für den einzelnen Patienten zur Verfügung“, so Meier. Er kritisierte, die Zeit für das Gespräch und die Beratung der Patienten beim Neurologen oder Nervenarzt sei auch jetzt bereits knapp bemessen. Sie weiter zu verkürzen, sei im Interesse der Patienten nicht machbar.

Der Berufsverband schlägt daher vor, die Facharztweiterbildung in Praxen zu fördern. Diese könnten dann ihre Behandlungskapazitäten ausbauen. Außerdem würde eine solche Weiterbildung den Ärztemangel im ambulanten Bereich verringern. Leider sei dies im Augenblick oft nicht umsetzbar, weil die Praxen es sich nicht leisten könnten, einen Assistenten auszubilden. Grund dafür sei, dass sich der Weiterbildungsassistent durch seine Versorgungsleistung – also die Patientenbetreuung – nicht refinanzieren könne.

Der BDN fordert daher: Die Versorgungsleistung der Weiterbildungsassistenten in der Praxis sollte ebenso anerkannt werden wie die Versorgungsleistung von Weiterbildungs­assistenten in der Klinik, zum Beispiel durch einen angemessenen Aufschlag auf den von der Praxis abgerechneten Punktwert. Als ein weiteres wichtiges Instrument zur Verkürzung von Wartezeiten fordert der Verband, die bestehenden stationären und teilstationären, rehabilitativen und ambulanten Angebote regional besser zu vernetzen.

Die entsprechenden Behandlungspfade haben die Berufsverbände von Neurologen und Nervenärzten auf der Basis von Leitlinien der entsprechenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften nach eigenen Angaben bereits geschaffen. „Jetzt braucht es Krankenkassen, die mit uns diese Versorgungsnetze in den Regionen zum Wohle der Patienten aufbauen“, so Meier.

© hil/aerzteblatt.de

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