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Hepatitis weltweit verbreitet und in Europa häufig übersehen

Montag, 28. Juli 2014

Genf/Stockholm – Weltweit sind 240 Millionen Menschen mit dem Hepatitis B- und 150 Millionen Menschen mit Hepatitis C-Virus infiziert. Die Folgen können chronische Leber­schäden sein, an denen jährlich 1,4 Millionen Menschen sterben, wie die Weltgesund­heitsorganisation (WHO) anlässlich des Welthepatitistages am 28. Juli mitteilt. Auch in Europa sind Hepatitisviren weit verbreitet. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) spricht von einer stillen Epidemie. In Deutsch­land könnten infolge eines vermehrten Screenings die Zahl der Hepatitis C-Diagnosen steigen.

Obwohl es seit 1982 eine wirksame Impfung gegen die Hepatitis B gibt, ist die Erkran­kung vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Ostasien weit verbreitet. Die WHO schätzt, dass dort 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung infiziert sind. Die meisten stecken sich bereits bei der Geburt durch ihre Mutter oder im Kindesalter mit dem Virus an, das durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen wird.

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Der ECDC wurden 2012 insgesamt 17.329 Erkrankungen aus 29 Mitgliedsländern gemeldet. Die Erkrankung wird am häufigsten in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen diagnostiziert, auf die ein Drittel aller Erkrankungen entfiel. Dies ist auch in Deutschland der Fall. Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden 2013 insgesamt 1.947 Hepatitis B-Fälle übermittelt. Der Altersgipfel erklärt sich aus der in Europa hauptsächlich sexuellen Übertragung des Virus. Das RKI vermutet, dass die Viren auch durch Migran­ten nach Deutschland gelangen, verfügt aber mangels Angaben in den Meldungen über keine genauen Informationen.

Keine Impfung gegen Hepatitis C
Gegen die Hepatitis C gibt es derzeit keine Impfung. Die Übertragung erfolgt wie bei der Hepatitis B über Blut oder von der Mutter auf ihr Kind. Eine sexuelle Übertragung ist ebenfalls möglich, insgesamt aber seltener als bei der Hepatitis B. Die Hepatitis C ist vor allem in Zentral- und Ostasien verbreitet sowie in Nordafrika. Der ECDC wurden 2012 insgesamt 30.607 Fälle aus 27 Ländern gemeldet, davon mehr als die Hälfte bei Men­schen im Alter zwischen 25 und 44 Jahren.

Dem RKI wurden 2013 insgesamt 5.156 Erstdiagnosen übermittelt. Da eine Übertragung durch Blutprodukte infolge der Überprüfung der Blutkonserven nicht mehr auftreten, entfallen die meisten Neu-Infektionen auf injizierende Drogengebraucher. Eine unbe­kannte Zahl von Deutschen hat sich jedoch vor Entdeckung des Virus und Einführung des Antikörpertests infiziert. 

Da 55 bis 85 Prozent aller Infektionen zu einer chronischen Hepatitis C führen und diese nach Einschätzung der WHO in 15 bis 30 Prozent der Fälle innerhalb von 20 Jahren zu schweren Leberschäden bis hin zur Zirrhose führt, könnte die Zahl der Diagnosen ansteigen, zumal Risikogruppen infolge der Entwicklung hoch-aktiver antiviraler Medi­kamente vermehrt zum Screening geraten wird.

Die WHO weist zum Welthepatitistag auch auf die Risiken durch die Hepatitis E hin. Das Virus wird fäkal-oral, in erster Linie über kontaminiertes Trinkwasser (aber auch über Nahrungsmittel) übertragen. Die Erkrankung ist zwar in der Regel selbst-limitierend, es kann aber zu einer fulminanten Hepatitis mit Leberversagen kommen. Nach Schätzungen der WHO resultieren 20 Millionen Infektionen jährlich in 3 Millionen Erkrankungen an einer akuten Hepatitis E, von denen 56.600 tödlich enden.

Besonders gefährdet sind Schwangere. Dem RKI wurden 2013 insgesamt 459 Hepatitis E-Erkrankungen übermittelt. Es kam zu zwei Todesfällen. Die Zahl der Erkrankungen ist in den letzten Jahren gestiegen, ohne dass die Ursache klar ist. Eine 2007 durch- geführte Fall-Kontroll-Studie identifizierte sowohl den Verzehr von Innereien als auch von Wildschweinfleisch als Risikofaktoren für eine Ansteckung in Deutschland. Fest steht allerdings, dass das Virus in Deutschland weiter verbreitet ist als angenommen. Laut dem RKI haben 17 Prozent der Erwachsenen Antikörper im Blut im Sinn einer durchgemachten Infektion. © rme/aerzteblatt.de

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