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Ärzteschaft

Viele Deutsche haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt

Mittwoch, 30. Juli 2014

Berlin – Die Deutschen sind mit ihren Ärzten und Psychotherapeuten zufrieden. Fast jeder Zweite bewertet das Vertrauensverhältnis zu dem zuletzt von ihm besuchten Arzt als sehr gut, weitere 43 Prozent als gut und nur vier Prozent als weniger gut. Das geht aus der Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, für die die Forschungsgruppe Wahlen 6.087 Patienten im Alten von 18 bis 79 Jahren telefonisch befragte.

Bewertung des Arztes

Zudem schätzen jeweils 46 Prozent die Fachkompetenz des Arztes, den sie zuletzt besuchten, als sehr gut und gut ein. „Diese Werte haben sich seit der ersten Befragung im Jahr 2006 kaum verändert“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, heute bei der Präsentation der Umfrageergebnisse in Berlin. Dabei sei es wichtig, dass konkret nach dem zuletzt besuchten Arzt gefragt worden sei. So handele es sich nicht um eine allgemeine Einschätzung, sondern um persönliche Erfahrungen.

Drei von vier Patienten wollen keine Terminservicestelle
Die Wertschätzung der Patienten zeigt sich auch darin, dass 72 Prozent der Patienten, die zu einem Facharzt überwiesen wurden, zu einem bestimmten Facharzt überwiesen werden wollten. „Drei von vier Patienten wollen keine Servicestelle, die ihnen einen Termin bei irgendeinem Arzt vermittelt – sie wollen einen Termin bei ihrem Wunscharzt“, betonte Gassen. Wenn man eine Servicestelle zur Vermittlung von Facharztterminen einrichte, müsse klar sein, dass man sich dabei von der freien Arztwahl verabschiede und vielleicht auch davon, einen Termin beim Arzt um die Ecke zu erhalten.  

Dass Union und SPD planen, eine zentrale Terminservicestelle einzurichten, war 36 Prozent der befragten Patienten bekannt. Nachdem alle Befragten über den Zweck dieser Servicestelle von der Forschungsgruppe Wahlen informiert worden waren, beurteilten sie zwei Drittel als gut. Lediglich 30 Prozent glaubten jedoch, dass eine Servicestelle die Warte­zeiten auf Arzttermine deutlich verkürzen könne.

Gassen: Wartezeitendiskussion löst in anderen Ländern Kopfschütteln aus
Beim Thema Wartezeiten gibt es im Vergleich zu den Vorjahren kaum Veränderungen: 45 Prozent der Befragten gaben an, ihren Haus- oder Facharzt ohne Wartezeit aufsuchen zu können beziehungsweise einen Arzt zu besuchen, der keine Termine vergibt. 17 Prozent warteten bis zu drei Tagen auf einen Termin, 13 Prozent bis zu einer Woche, zwölf Prozent bis zu drei Wochen und 13 Prozent länger als drei Wochen.

Unterschiede bestehen dabei zwischen Haus- und Fachärzten. 58 Prozent der Befragten gaben an, ihren Hausarzt ohne Wartezeit aufsuchen zu können – bei Fachärzten waren es 28 Prozent. Umgekehrt mussten vier Prozent der Befragten länger als drei Wochen auf einen Termin bei ihrem Hausarzt warten – bei Fachärzten waren dies 24 Prozent. Die Wartezeiten auf Facharzttermine seien das eigentliche Probleme, befand der Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung. Gassen wies jedoch darauf hin, dass nur zehn Prozent der Befragten erklärt hätten, die Wartezeit habe ihnen zu lange gedauert – 90 Prozent waren nicht dieser Ansicht.

Wartezeiten

„Im breiten Durchschnitt gibt es im internationalen Vergleich keine so kurzen Wartezeiten wie in Deutschland – und das bei völlig freiem Zugang zu jeder Arztgruppe“, betonte der KBV-Vorsitzende. „Ich bin der Meinung, dass die Wartezeitendiskussion eine popu­listische Diskussion auf einem Niveau ist, das in anderen Ländern Kopfschütteln auslöst.“

Jeder fünfte Patient hat einen Arzttermin nicht eingehalten
Zum ersten Mal untersuchte die Forschungsgruppe Wahlen, wie oft Patienten in den vergangen zwölf Monaten einen Arzttermin nicht eingehalten haben. Ihren Termin kurzfristig abgesagt haben im vergangenen Jahr demnach 23 Prozent der Befragten. Die häufigsten Gründe waren: Keine Zeit infolge beruflicher oder familiärer Verpflichtungen, ihnen ging es gesundheitlich zu schlecht, um den Termin wahrzunehmen oder sie hatten den Termin schlicht vergessen. „Das ist schon problematisch“, meinte Gassen. Dabei sei es auch unerheblich, ob der Termin noch kurz vorher abgesagt werde, da ihn der Arzt ja nicht mehr neu vergeben könne.  

Jeder sechste Patient ging häufiger als zehn Mal zum Arzt
Die Anzahl der Arztbesuche hat sich darüber hinaus wenig verändert. Wie schon bei den vorigen Umfragen gab etwa ein Drittel der Befragten an, ein- bis zweimal im vergangenen Jahr zum Arzt gegangen zu sein, etwa die Hälfte war drei- bis zehnmal beim Arzt und 16 Prozent häufiger als zehn Mal. Bei der Hälfte der Praxisbesuche mit Arztkontakt war ein aktuelles Problem Grund für den Arztbesuch, bei 21 Prozent eine chronische Krankheit und bei 24 Prozent eine Impfung beziehungsweise eine Vorsorgeuntersuchung.

Zu einem Facharzt gingen im bundesweiten Durchschnitt zwei Drittel der Befragten ohne eine Überweisung. Regional gibt es dabei große Unterschied: So hatten in Berlin nur 16 Prozent eine Überweisung dabei, in Thüringen hingegen 46 Prozent, in Sachsen-Anhalt 56 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern 61 Prozent.

„Die freie Arztwahl ist für die Versicherten ein hohes Gut“, betonte Gassen. „Sie ist aber auch die Ursache des Problems.“ Denn es zeige sich, „dass der ungesteuerte Zugang dazu führt, dass es in den Praxen von besonders stark nachgefragten Ärzten zwangs­läufig zu Wartezeiten kommt“. Die Praxisgebühr sei kein geeignetes Instrument zur Steuerung von Patienten gewesen. Deshalb müsse nun über neue Wege der Steuerung nachgedacht werden. © fos/aerzteblatt.de

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