Ausland

Ärzte ohne Grenzen: Ebola-Seuche in Westafrika außer Kontrolle

Mittwoch, 30. Juli 2014

Brüssel/Monrovia – Angesichts der Ebola-Seuche in Westafrika schlägt die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm: „Diese Epidemie ist beispiellos, sie ist ganz und gar nicht unter Kontrolle und die Situation verschlechtert sich immer weiter“, warnte Einsatzleiter Bart Janssens in der Zeitung Libre Belgique vom Mittwoch. Sollte sich die Lage vor Ort nicht rasch verbessern, könnten bald weitere Länder betroffen sein.

Vor allem in Sierra Leone und Liberia gebe es inzwischen große Gebiete, die von der Seuche betroffen seien, und immer noch breite sie sich weiter aus, sagte Janssens. Zugleich fehle ein umfassender Überblick, um zu verstehen, „wo die Hauptprobleme liegen“. Er rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Regierungen auf, die Epidemie mit aller Macht zu bekämpfen.

Anzeige

Seitens der WHO gibt es derzeit keine weiteren Anfragen wegen einer möglichen Behandlung von Ebola-Patienten in Deutschland. Das sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl am Mittwoch in Genf. Die WHO habe allerdings auch nie von sich aus in Deutsch­land um eine solche Behandlung gebeten, sondern lediglich eine entsprechende Anfrage der Regierung von Sierra Leone an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) weitergeleitet.

Ebola-Experte Sheik Umar Khan gestorben
Dabei habe es sich um den prominenten Ebola-Experten Sheik Umar Khan aus Sierra Leone gehandelt. Der Virologe hatte sich beim Einsatz gegen die Seuche in seinem westafrikanischen Heimatland trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen mit dem extrem gefährlichen Ebola-Virus infiziert. Er starb am Dienstag in einer Klinik im Norden des Landes bevor ein Transport nach Deutschland überhaupt möglich gewesen wäre.

Nach einem Ebola-Verdachtsfall in Großbritannien warnte auch der britische Außen­minister Philip Hammond vor einer „ernsthaften Gefahr“. „Wir sind uns bewusst, dass sich eine neue Bedrohung abzeichnet, mit der wir uns beschäftigen müssen“, sagte Hammond dem Sender Sky News. Zuvor war ein aus Westafrika zurückgekehrte Brite auf das Ebola-Virus getestet worden – der Verdacht hatte sich jedoch nicht bestätigt. Hammond kündigte ein Treffen des Krisenausschusses der Regierung unter seiner Leitung an, um über mögliche Maßnahmen zu beraten.

3,9 Millionen Euro EU-Hilfen
Die Europäische Union gibt zwei Millionen Euro mehr als bisher geplant für den Kampf gegen den Ebola-Ausbruch in Westafrika. Damit betrage die Hilfe 3,9 Millionen Euro, teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. „Die Zahl der Infektionen ist extrem alarmierend und wir müssen unsere Maßnahmen verstärken, bevor noch mehr Leben verloren sind“, sagte die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva. Die Mittel werden demnach über Partnerorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen geleitet und sollen helfen, den Ausbruch einzudämmen und in den betroffenen Gemeinden medizinische Hilfe anzubieten.

Fluggesellschaften setzen Flüge aus
Nach der nigerianischen Fluggesellschaft Arik setzte auch die in Togo ansässige panafrikanische Airline ASKY alle Flüge zu den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone aus. Der liberianische Fußballverband sagte sämtliche geplanten Spiele im Land vorerst ab. Bereits zu Wochenbeginn hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf eine weitgehende Schließung der Landesgrenzen angeordnet sowie alle Demonstrationen und Großveranstaltungen untersagt.

Der Kampf gegen die Seuche wird vor Ort dadurch erschwert, dass sich mehr und mehr Personal in den Ebola-Zentren selbst mit dem Virus ansteckt. In Liberia kämpfen ein infizierter Arzt sowie eine Missionarin aus den USA mit dem Tod. Kent Brantly sei „ernsthaft krank und schwach“, sagte sein befreundeter Kollege, David Mcray, über den Zustand des Arztes. © afp/dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.196 News Ausland

Nachrichten zum Thema

25.08.16
Wien – Das Biotech-Unternehmen Themis Bioscience GmbH gab heute die Impfung eines ersten Probanden im Rahmen einer klinischen Studie der Phase 2 eines prophylaktischen Impfstoffkandidaten gegen......
15.07.16
Ebola-Update: In diesen Ländern ist eine Tier-zu-­Mensch-Übertragung möglich
Seattle – Eine neue interaktive Karte zeigt Gebiete, deren Umweltbedingungen Ebola-Viren einen geeigneten Lebensraum bieten. Dafür wurden aktuelle Daten zu Ebola-Fällen eingearbeitet und eine größere......
11.07.16
Zikavirus: Ist der Peak in Lateinamerika schon erreicht?
London – Die gegenwertige Zika-Epidemie in Lateinamerika könnte in drei Jahren vorbei sein, schätzen Wissenschaftler um Neil Ferguson vom MRC Centre for Outbreak Analysis and Modelling, School of......
11.07.16
MERS-„Super Spreader“: Erste Hinweise zur unterschied­lichen Transmissions­häufigkeit
Seoul – In einer überfüllten Notfallambulanz eines Krankenhauses in Süd-Korea infizierten sich 2015 82 Menschen mit dem MERS-Coronavirus (MERS-CoV). Das Virus breitete sich innerhalb von nur drei......
07.07.16
Neuer Bluttest unterscheidet zwischen viraler und bakterieller Infektion
Ein neuer Bluttest unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen. Mit ihm könnten Ärzte Antibiotika noch gezielter einsetzen und somit Resistenzen verhindern. Zu diesem Schluss kommen die Autoren......
01.06.16
WHO erklärt Guinea erneut für Ebola-frei
Conakry – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Guinea erneut für Ebola-frei erklärt. Seit 42 Tagen habe es keine Ebola-Fälle mehr in dem westafrikanischen Land gegeben, erklärte die WHO am......
24.05.16
20 Jahre nach Vernichtungs­beschluss: Pockenviren lagern weiter
New York – Die Aufregung im Sommer 2014 war groß: Bei einem Umzug finden Wissenschaftler in einem Abstellraum der US-Gesundheitsbehörde NIH nahe der Hauptstadt Washington mehrere Reagenzgläser mit......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige