Politik

Empfehlungen aus Bekanntenkreis sind Hauptgrund für Krankenkassenwechsel

Freitag, 1. August 2014

Köln – Anfang 2015 tritt die kürzlich beschlossene Reform der Krankenkassen­finanzierung mit mehr Spielraum für einkommensabhängige kassenindividuelle Zusatzbeiträge in Kraft. Damit werden Leistungs- und Kostenunterschiede zwischen den Krankenkassen wieder transparenter. Viele Krankenversicherte könnten dann mit dem Gedanken spielen, ihre Krankenkasse zu wechseln.

Das Kölner Marktforschungsinstitut HEUTE UND MORGEN untersuchte in einer Studie mit dem Titel „Customer Journey zur Gesetzlichen Krankenversicherung“, welche die hauptsächlichen Gründe für einen Krankenkassenwechsel sind. Zwar sei kein ausge­prägter Wechselboom zu erwarten, jedoch könnten die Konsequenzen für einzelne Kassen erheblich sein, heißt es seitens des Instituts: 16 Prozent der grundsätzlich wechselbereiten GKV-Versicherten zwischen 18 und 65 Jahren haben ihre Wechsel­absichten in den vergangenen 12 Monaten in die Tat umgesetzt. Dies entspricht rund einer Millionen Mitgliedern.

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Aus der Studie geht hervor, dass der häufigste Auslöser für eine intensive Beschäftigung mit einem Krankenkassenwechsel Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekannten­kreis (29 Prozent) sowie attraktive Leistungen anderer Kassen sind, die die eigene Kasse nicht bietet. Zudem wecken Bonuszahlungen und die Möglichkeit zur Kostenersparnis die Wechsel­bereitschaft der GKV-Versicherten. Weitere Auslöser seien Leistungskürzungen der eigenen Kasse im Bereich freiwilliger Zusatzleistungen sowie Unzufriedenheit mit dem Kundenservice.

Die meisten Kassenwechsler sind unter 30
Der Studie zufolge starten 15 Prozent der GKV-Versicherten, die sich intensiver mit der GKV auseinandersetzten, ihre Suche nach einer neuen Kasse mit dem ausdrücklichen Ziel, ihre bisherige Kasse wechseln zu wollen. Zwei Drittel davon setzen den Wechsel im Anschluss auch in die Tat um. Demnach steht der Wechselentschluss schon recht frühzeitig fest. Die größte Wechselaffinität zeigen jüngere Versicherte unter 30 Jahren. In der Altersgruppe gibt jeder dritte Wechselbereite an, seine Kasse in jedem Fall wechseln zu wollen.

Internet bevorzugte Informationsquelle
Die bevorzugte Informationsquelle zu den verschiedenen GKV-Anbietern ist das Internet: 76 Prozent der Wechselbereiten nutze diesen Weg. Wird die Suche im Internet im Vor- oder Nachfeld nicht von persönlichen Gesprächen im sozialen Umfeld oder mit Beratern begleitet, verläuft sie allerdings häufig im Sande. Zweitwichtigste Anlaufstelle für Informa­tionen sind Freunde und Verwandte (26 Prozent). Diejenigen, die im weiteren Verlauf tatsächlich die Kasse wechseln, holen sich während der Informationsphase noch häufiger Rat im sozialen Umfeld ein (32 Prozent).

Der Wechsel selbst wird in den meisten Fällen in einer Geschäftsstelle der neuen Krankenkasse vollzogen. Unpersönliche Abschlusswege wie insbesondere per Internet werden vergleichsweise selten benutzt. „Gerade bei komplexen Versicherungen sollte die Bedeutung persönlicher Kontaktpunkte und der Einfluss des nahen sozialen Umfelds nicht unterschätzt werden“, sagte Antje Kaiser, Projektleiterin bei HEUTE UND MORGEN.

Das Internet werde hingegen eher überschätzt und solle in seiner Rolle differenzierter betrachtet werden, so Kaiser weiter. Unmittelbar entscheidungswirksame Impulse kämen bei der GKV aus diesem Medium eher selten. © Ol/aerzteblatt.de

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kairoprax
am Freitag, 1. August 2014, 20:15

wie hoch ist der Anteil nach Empfehlungen von Hausärzten?

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte sind dazu übergegangen, Regressanträge bestimmter Kassen den Patienten eins zu eins und unter Namensnennung der Kasse weiterzugeben.
Desgleichen verfahren immer mehr Kolleginnen und Kollegen mit abgelehnten Kuranträgen, die praktisch immer nur von bestimmten Kassen immer wieder erfolgen.
Man klärt darüber auf, daß manche Kassen sehr freigiebig Mitgliederbeiträge für Heilpraktiker und für nicht anerkannte Therapieverfahren ausgeben.

Mich würde interessieren, wie hoch der Prozentsatz von Patientenwechseln ist, wenn gezielt auf Leistungsverweigerung und Regressandrohung hier und Verschleuderung von Beiträgen dort aufgeklärt wird.
Ob das die Studie hergibt?

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