Ärzteschaft

Kardiologen kritisieren Krankenhaus Report der Barmer GEK

Montag, 4. August 2014

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat die Ansicht der Barmer GEK kritisiert, dass die Fünf-Jahres-Sterblichkeit nach Eingriffen mit beschichteten Stents niedriger sei als nach Eingriffen mit unbeschichteten Stents, Ballondilatationen und Bypass-Operationen. Das ist eines der Ergebnisse des Krankenhaus Reports 2014, den die Barmer GEK in der vorvergangenen Woche veröffentlich hatte. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagte der Präsident der DGK, Christian Hamm, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Denn „man kann keine Sterblichkeitszahlen heranziehen, ohne das Risiko zu berück­sichtigen“. Patienten, die einen Stent bekommen, seien in der Mehrzahl nicht so krank wie Patienten, die eine Bypass-Operation erhielten. Und deshalb komme der Report zu der absurden Schlussfolgerung, dass Patienten mit einem beschichteten Stent im Fünf-Jahresverlauf die geringste Sterblichkeit hätten.

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Problematisch an diesen Zahlen sei dabei, dass sie die Bevölkerung irritieren könnten. „Denn Patienten könnten in der Folge die Eingriffe verlangen, die angeblich die niedrigste Mortalitätsrate haben, ohne jedoch die Hintergründe zu verstehen“, sagte Hamm. „Weiter sei die Anzahl der Re-Interventionen bei Eingriffen mit Stents der Barmer GEK zufolge hoch. In dem Report fallen aber unter die Re-Interventionen auch geplante sequenzielle Eingriffe, bei denen zuerst ein Gefäß behandelt wird und einen Monat später das nächste. Das ist aber keine Re-Intervention, sondern ein geplanter Eingriff.“ Die tatsächliche Re-Interventionsrate sei wahrscheinlich nur halb so hoch.

Dazu komme, dass für diesen Report nur die Patienten der Barmer GEK untersucht worden seien. Sinnvoller sei es, die viel genaueren Zahlen des Deutschen Herzberichtes heranzuziehen.  „Demnach ist die Zahl der Bypass-Operationen zwischen 2011 und 2012 konstant geblieben, und die Zahl der perkutanen Interventionen hat leicht zugenommen, ist aber über die Jahre relativ stabil“, betonte Hamm.

„Und die Ursache für diesen Anstieg ist in erster Linie, dass die Bevölkerung älter wird und dadurch auch kränker, und viel mehr akute Koronarsyndrome zur Behandlung kommen.“ Der wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser sei groß. „Ich will deshalb nicht ausschließen, dass der Preis einer Leistung auch deren Menge beeinflusst“, sagte Hamm. „Doch die Daten der Barmer GEK geben diese Schlussfolgerung nicht her.“

Herzchirurgen: Datenlage zur Beurteilung von Stent-Implantation ist mangelhaft
Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) sieht im Krankenhaus Report der Barmer GEK „einen guten Beitrag mit wichtigen Informationen zur invasiven Behandlung der rund 350.000 Patienten in Deutschland, bei denen pro Jahr eine medikamentös nicht zu behandelnde Verengung von Herzkranzgefäßen festgestellt wird“. So teile die DGTHG die Einschätzung, dass es derzeit eine mangel­hafte Datenlage zur Beurteilung der Wirksamkeit von Stent-Implantationen gebe.

„Diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Bypass-Operation am Herzen insbesondere für Patienten, bei denen alle drei Herzkranzgefäße oder der Hauptstamm des linken Herzkranzgefäßes verengt sind, die Therapie der ersten Wahl und damit die bestgeeignete Behandlungsoption ist“, erklärte der Präsident der DGTHG, Jochen Cremer.

Inwieweit die Zahl von rund 300.000 Stent-Implantationen in Deutschland pro Jahr wirklich die beste Therapie im Sinne des langfristigen Patientenwohls darstelle, ließe sich derzeit hingegen nicht sagen, da es für Deutschland keine differenzierten Erhebungen gebe, in welchem Umfang Patienten mit Mehrgefäßerkrankungen mit Stent-Implanta­tionen behandelt würden. „Denn auch bei der verpflichtenden externen Qualitäts­sicherung wird leider derzeit nicht erfasst, bei welcher Ausprägung und Form der koronaren Herzerkrankung die Stent-Implantationen durchgeführt werden“, so Cremer.

Dabei habe 2012 die weltweit größte vergleichende Studie zwischen den beiden Behandlungsmöglichkeiten („Syntax - Synergy between PCI with taxus and Cardiac Surgery“) ergeben, dass das Fünf-Jahres-Überleben bei Patienten mit mehreren verengten Herzkranzgefäßen, die eine Bypass-Operation erhalten hatten, mit 89 Prozent höher lag als bei Patienten, denen ein Stent implantiert worden war (81 Prozent).

Diese Erkenntnisse hätten unter anderem dazu geführt, dass in der medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefäße, die derzeit aktualisiert werde, auch künftig die Empfehlung enthalten sein werde, bei Mehrgefäßerkrankungen der Bypass-Operation den Vorzug gegenüber der Implantation von Stents zu geben. © fos/aerzteblatt.de

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