Ausland

In Skandal verwickelter japanischer Forscher begeht Selbstmord

Dienstag, 5. August 2014

Tokio – Der wegen einer fehlerhaften Studie in die Kritik geratene japanische Stammzell­forscher Yoshiki Sasai hat sich das Leben genommen. Der 52-Jährige habe sich heute im Riken-Zentrum für Entwicklungsbiologie in Kobe erhängt, teilte die renommierte Forschungseinrichtung mit. Nach Polizeiangaben wurde Sasai am Dienstag von einem Mitarbeiter gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Zwei Stunden später sei offiziell sein Tod festgestellt worden. Das Wissenschaftsministerium würdigte Sasai als einen führenden Vertreter der Stammzellforschung und sprach von einem „großen Verlust".

Der Forscher hinterließ nach Abgaben des Riken-Instituts vier Abschiedsbriefe. Laut einem Bericht des TV-Senders NHK richtete sich eines der Schreiben an seine junge Kollegin Haruko Obokata, die im Zentrum des Eklats um eine umstrittene Studie stand. Obokata reagierte nach Angaben des Riken-Instituts „schockiert" über den Tod ihres Mentors.

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Wissenschaftler unter Führung der erst 30-jährigen Forscherin hatten Anfang des Jahres in dem angesehenen britischen Fachblatt Nature einen vergleichsweise einfachen Weg beschrieben, wie im Labor künstliches Gewebe erzeugt werden kann. Die Forscher versetzten zunächst Körperzellen von Mäusen in quasi-embryonale soge­nannte STAP-Zellen zurück. Aus diesen noch unspezifischen STAP-Zellen lasse sich Material für jeden Zelltyp züchten, hieß es in den beiden Studien.

Rasch wurden aber Zweifel an den hochgelobten Studien laut. Die Veröffentlichungen wurden schließlich zurückgezogen, nachdem bei einer Untersuchung des Riken-Zentrums Unregelmäßigkeiten wie gefälschte Fotos festgestellt worden waren. Sasai wurde daraufhin vorgeworfen, er habe die Arbeit seiner Schülerin nicht ausreichend überwacht. Er entschuldigte sich später.

Eine Sprecherin des Riken-Instituts sagte heute, es sei bekannt gewesen, dass Sasai „psychisch und körperlich erschöpft war“. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen hatten ihn nach Angaben von Vertrauten schwer getroffen. © afp/aerzteblatt.de

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