Politik

Montgomery: Tötung auf Verlangen verstößt gegen ärztliche Ethik

Sonntag, 10. August 2014

München – Die Ärzteschaft ist strikt gegen eine Erlaubnis für Mediziner zur Suizidbeihilfe. „Wer Ärzte an 'qualitätsgesicherten, klinisch sauberen' Suiziden beteiligen will, verwischt die Grenzen zur Tötung auf Verlangen und zur Euthanasie“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, dem Münchner Magazin Focus. Beides sei nach deutschem Recht verboten: „Und das sollte auch so bleiben“, so Montgomery.

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Er widersprach zugleich Befürchtungen der SPD-Politikerin Carola Reimann, schärfere Strafrechtsnormen könnten das Arzt-Patienten-Verhältnis belasten. Er wisse aus eigener Erfahrung, dass die meisten Patienten mit Todeswunsch diesen „nach einem Gespräch über Schmerztherapie, Palliativmedizin und Hospize binnen kurzer Zeit verlieren“. Nur in „sehr, sehr wenigen Fällen“ gelinge es nicht, Patienten Schmerz und Leid zu nehmen. Das rechtfertige aber nicht „Gesetzesänderungen, die Tötung auf Verlangen zulassen oder die aktive Euthanasie unterstützen“.

Auch Bundestags-Vizepräsident Peter Hintze (CDU) hatte sich für eine liberalere Regelung bei der Sterbehilfe ausgesprochen und damit gegen den Kurs seiner Partei gestellt. Montgomery warnte vor einem Mentalitätswandel im Falle einer Liberalisierung. Dies könne dazu führen, „die Lebenschancen Alter, Behinderter, Dementer und Schwer­kranker dramatisch einzuschränken“. Der Ärztepräsident wörtlich: „Denn, machen wir uns nichts vor, einmal auf die schiefe ethische Ebene gelangt, kann ein vermeintlich individuelles Recht durch gesellschaftlichen Druck zur Pflicht werden“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Hintze kündigte an, seinen Wunsch nach einer Lösung auch gegen den Widerstand führender Unionspolitiker weiter zu verfolgen. Er wolle seine Forderung notfalls mit der SPD gemeinsam in einem Gruppenantrag durchsetzen.  „Ich setze auf eine Mehrheits­bildung in der Union. Es ist auch ein Gruppenantrag mit der Kollegin Carola Reimann von der SPD denkbar.“

Die Bundesregierung plant ein neues Gesetz zur Sterbehilfe. Vorgesehen ist, jede kommerzielle, möglicherweise auch jegliche organisierte Form der Hilfe zur Selbsttötung zu verbieten. Kontrovers diskutiert werden allerdings mögliche Ausnahmeregelungen für Angehörige, die beispielsweise einen Sterbewilligen auf dem Weg zu einem Sterbehelfer begleiten.

Das neue Gesetz soll nach der Sommerpause debattiert werden und könnte 2015 kommen. Bei der Abstimmung im Bundestag soll kein Fraktionszwang gelten, da jeder Abgeordnete seine Haltung in dieser ethischen Frage selbst bestimmen soll. © afp/kna/EB/aerzteblatt.de

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Practicus
am Donnerstag, 14. August 2014, 15:17

Ethik ist halt Philosophie...

... und Philosophie muss nur die Richtigkeit der logischen Deduktion nachweisen, aber nicht die Richtigkeit ihrer Grundannahmen.
Ethische Überzeugung gerät bei eigener Betroffenheit sehr schnell ins Wanken - erst kürzlich bei einem EKD-Ratsmitglied öffentlich geworden.
Ich finde es weiterhin faschistisch, die Art des Denkens vorgeben zu wollen, anstatt individuelle Gewissensentscheidung zu respektieren.
Für andere selbstverständlich den Opiat- und Benzorausch bis ans Lebensende fordern, aber mit den eigenen Angehörigen in die Schweiz fahren - das sind die Leute, die über anderer Ethik richten wollen...
advokatus diaboli
am Mittwoch, 13. August 2014, 15:12

"Und das alles will ich nicht"!

"Und das alles will ich nicht", so Montgomery in einer aktuellen Verlautbarung.

Mit Verlaub: Wer bremst den Präsidenten der BÄK auf seiner selbst gewählten Mission ein? Der Präsident der BÄK sollte endlich verinnerlichen, dass er ohne Frage seine individuelle Gewissensentscheidung treffen kann. Herr Montgomery ist weit davon entfernt, dass "Sprachrohr" der gesamten verfassten Ärzteschaft zu sein. Er verkündet ethische Zwangsdikate, die dem ärztlichen Berufsstand nicht im Ansatz gerecht werden.

Der Präsident der BÄK sollte sich in einer stillen Stunde fragen, ob er dem Amt noch gewachsen ist!

Es ist unerträglich, mit welcher Leichtigkeit hier ein Ärztevertreter meint, einen bioethischen Hochdiskurs über das selbstbestimmte Sterben eines schwersterkrankten Patienten entschärfen zu können. Auch ihm wird sicherlich nicht entgangen sein, dass renommierte Medizinethiker eine völlig andere Auffassung als er hegen. "Ich will das nicht" - wie ein störisches Kleinkind beharrt der oberste aller Standesvertreter auf eine ethische Position, die mehr als fragwürdig ist und es fragt sich, warum hiergegen die große Masse der Ärzteschaft nicht aufbegehrt?

Der Präsident der BÄK sollte endlich akzeptieren, dass wir hierzulande keine Oberethiker benötigen. Punkt um!
advokatus diaboli
am Mittwoch, 13. August 2014, 14:53

Auch Ärzte müssen über den Tellerrand schauen!

Auch Ärzte sollten gelegentlich über den „Tellerrand“ schauen und dort, wo dies nicht der Fall ist, bleiben andere Professionen aufgerufen, die wesentlichen Impulse für eine sachgerechte Debatte zu liefern.

Ohne Frage war, ist und bleibt trotz anderer wohlmeinender Bekundungen das Verhältnis zwischen den Medizinern und den Juristen angespannt, bezieht doch gerade die Medizinethik entscheidende (rechtsethische!) Impulse aus der Rechtswissenschaft, die sich zuvörderst aus dem Verfassungsrecht ergeben.

Insofern skizziert der scheinbar auf sein enges Fachgebiet beschränkte Jurist Wegmarken, über die auch der engagierte Mediziner nicht einfach hinweg steigen kann.
Hierzu gehört ohne Frage auch das Selbstbestimmungsrecht aus der schwersterkrankten und sterbenden Menschen, welches gelegentlich in der Debatte von den sog. Oberethikern bereits vor dem Patienten zu Grabe getragen wird.

Es ist unbestritten, dass auch der Präsident der BÄK sich in einer ethischen Grundsatzdebatte positionieren darf. Problematisch freilich ist, wenn zugleich mit den Wortmeldungen die Vorstellung verbunden wird, als sei dies die Position der gesamten Ärzteschaft. Dem ist mitnichten so, wie sich unschwer aus intraprofessionellen Umfragen bei der Ärzteschaft ergibt.

Herbe Kritik ist dort angebracht, wo die scheinbar „mündigen Ärzte“ ethisch erzogen werden sollen, obgleich diese eine andere Meinung und Auffassung hegen und zwar mit den Mitteln des ärztlichen Berufsrechts.

Hier sollte die Ärzteschaft nicht die Augen verschließen, denn aus meiner Sicht ist es ein ungeheuerlicher Vorgang, dass Ärztefunktionäre um ihrer eigenen Gewissensentscheidung und selbst auferlegten Mission willen erkennbar bereit sind, ihren eigenen Berufsstand mit einem ethischen Zwangsdiktat zu überziehen.

Da darf denn schon einmal unspektakulär nachgefragt werden, welches Motiv für eine solche moralische und ethische Grunderziehung handlungsleitend ist?
Im Übrigen sind die Argumente des Präsidenten der BÄK sattsam bekannt und weder neu noch besonders „intelligent“. Es gibt keinen Widerspruch zwischen der „Sterbehilfe“ und der Palliativmedizin und aus verfassungsrechtlicher Perspektive kann aus dem „Recht“ keine „Pflicht“ zum sozialverträglichen Frühableben konstruiert werden! Hier sind Grenzen gezogen, die sich aus der Verfassung ergeben und das dies in der Debatte offensichtlich bewusst verschwiegen wird, dokumentiert allenfalls den Vorwurf gegenüber den Ärztefunktionären, dass diese sich als ethische Überzeugungstäter gerieren und aufgrund ihrer scheinbaren „Machtposition“ willen auch die damit verbundene „ethische Gestaltungsmacht“ entsprechend auszunutzen gedenken!

Ärzte haben schon immer „getötet“, wie sich aus der Problematik aus dem Schwangerschaftsabbruch ergibt und liegt es da nicht nahe, ebenfalls auf die individuelle Gewissensentscheidung der Ärzte bei der ärztlichen Suizidassistenz zu setzen, ohne hierbei ein ethisches Zwangsdiktat in Gestalt eines Verbotes zu erlassen?

Der Debatte stünde es gut zu Gesichte, wenn nicht der eine oder andere Ärztefunktionär (freilich auch Politiker oder Theologe) ständig bemüht ist, den „Hippokrates“ oder „Hufeland“ zu geben, um so sich mit seiner Position ins rechte Licht setzen zu können. Vielmehr ist Toleranz einzufordern und sofern ein gesamter Berufsstand auf ein ethisches „Zwangsbekenntnis“ einiger weniger Ärztefunktionäre (resp. Delegierte) verpflichtet werden soll, halte ich dies für unsäglich, könnte doch in der Diskursgemeinschaft der Eindruck entstehen, als sei neben den Ärztefunktionären und den besonders dienstbeflissenen Delegierten als „Erben“ des hippokratischen Gedankenguts gleichsam der Rest der verfassten Ärzteschaft moralisch und ethisch verroht!

Wie es scheint, sind nicht die „Juristen“ thematisch beschränkt, sondern vielmehr einige Ärztefunktionäre, die dringend der Nachhilfe über bedeutsame verfassungsrechtliche Zusammenhänge bedürfen. Nicht „Geschwätzigkeit“ ist gefordert, sondern eine fundierte Debatte mit einem entsprechend fundierten Sachverstand und Wissen!

Dass hier Nachholbedarf besteht, wird bereits durch den Tenor des Beitrags dokumentiert: Die „Tötung auf Verlangen“ verstößt weniger gegen die „ärztliche Ethik“ als vielmehr gegen das derzeit geltende Strafrecht! Ärzte mögen nicht zum „Keulen von Menschen“ bestimmt sein, wie sich der Präsident gelegentlich ausdrückt, aber assistieren bei einem frei verantwortlichen Suizid eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen dürfen sie schon, wenn sie es denn mit ihrem Gewissen vereinbaren können.
Adolar
am Mittwoch, 13. August 2014, 12:54

Politisches Problem, eher kein konkretes

Es ist heute legal, sich vor den Zug zu werfen, mit 200 Sachen an einen Brückenpfeiler zu setzen, die Adern zu öffnen und einige andere Methoden anzuwenden, die für die Rettungskräfte auch nicht viel erfreulicher aussehen.
Sicher ist richtig, daß ein sehr hoher Prozentsatz der Bevölkerung +/- depressiv ist, daher gelegentlich "keine Lust mehr hat", aus irgendwelchen Gründen unter Druck steht, oder halt ganz einfach ausrastet und nicht jemand anders, sondern sich umbringt.
Ich glaube nicht, daß es möglich ist, diese höchst indiviuelle Problematik per Gesetz zu regeln.
Ich persönlich hoffe nur, auf einen verständnisvollen Arzt zu treffen, der weiß, was er tun kann bzw. muß, wenn ich mal so auf der Schnauze liegen sollte, daß es wirklich nicht mehr weiter geht.
Einen Parlamentsbeschluß brauche ich dafür nicht.
Senbuddy
am Dienstag, 12. August 2014, 23:29

Die Argumente von Herrn Montgomery...

...halte ich für gut und fundiert.

Für besonders wichtig halte ich den Punkt, dass gerade alte Menschen bei schwerer Krankheit oft "niemandem zur Last fallen" möchten und sich schon deswegen mehr oder weniger "freiwillig" für eine Sterbehilfe entscheiden könnten. Wer viel mit alten Menschen umgeht, hört solche "Wünsche" immer wieder, sei es bei Kranken wie auch bei Gesunden, sei es versteckt in anderen Äußerungen oder ganz offen.

Da kann man natürlich als nur auf sein enges Fachgebiet beschränkter Jurist argumentativ mit irgendwelchen "Selbstbestimmungsrechten" kommen. Was aber an dieser psychischen und auch ethisch wichtigen Problematik völlig vorbeigeht.

Alle Menschen (nicht nur Ärzte) sollten Schwerkranken nämlich nicht das Leben nehmen, sondern Ihnen möglichst viel davon geben. Und das so angenehm, so schmerzfrei und so menschenwürdig wie nur möglich. Und für Würde ist Leben nun mal notwendig. Totsein in Würde gibt es nicht, denn ein Toter kann sie nicht empfinden. Und wenn Sterbehelfer bei ihrem Geschäft so oft von Würde reden, ist das meist nur der süße Zuckerguß über etwas völlig banales und brutales, nämlich über eine simple, für die Hinterbliebenen meist recht zweckmäßige Tötung. Zweckmäßig, weil man den zu Pflegenden "los wird" oder weil man als Profi Geld mit dem Vorgang verdient oder (und das finde ich am Allerschlimmsten), weil man sich "gut und edel" oder auch "groß und wichtig" fühlen kann, wenn man bei so etwas "Essentiellen" wie der Entscheidung über "Leben und Tot" dabei war oder gar geholfen hat. Und das kann es ja nun wohl wirklich alles nicht sein...

Eine verbesserte Palliativmedizin mit geeigneter psychischer und phsysischer Betreuung für die Kranken ist also der richtige Weg. Und nicht das Töten derjenigen, denen man eigentlich helfen soll. Und das gilt für jeden Menschen, aber ganz besonders für Ärzte.

Im Übrigen bin ich Herrn Dr. Schätzler für die klaren Worte zu den Kommentaren von "Prakticus" oder "Widerstand" dankbar und möchte diese Kritik gern auf "Bösmensch" erweitern. Derart unsachliche Äußerungen ohne wirklichen Inhalt und ohne Zusammenhang zur Sache sollten von ärztliche Kollegen nicht kommen.

Viele Grüße
S.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 12. August 2014, 23:27

Herzlichen Dank ...

für die Bestätigung meiner persönlichen Vermutung unter "Geht's noch?", dass in der hoch umstrittenen Sterbehilfe-Debatte gelegentlich Intelligenz- und Wortwahl-mäßig "unterirdisch" bzw. mit Textbausteinen argumentiert wird.

Selbst beim Kommentar von 'Widerstand' zu
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59695/Hueppe-Aerzte-nicht-zur-Toetungsassistenten-machen
vom 11.8.2014 bestätigt sich meine Vermutung, weil erneut völlig abwegig versucht wird, Medikamente wie Prasugrel® o. ä. in einen irrealen Zusammenhang mit der Sterbehilfe-Debatte zu bringen.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Denali State Park, Alaska)
we_med
am Dienstag, 12. August 2014, 13:34

Kompetenzüberschreitung

Eine differenzierte Diskussion zu diesem Thema, wo es kein einfaches "richtig" oder "falsch" gibt, ist angebracht. Dennoch ist es nicht akzeptabel, dass dort wo überhaupt nur eine individuelle Gewissensentscheidung der persönlichen Tragweite einer Entscheidung bezüglich der Leistung von Sterbehilfe gerecht werden kann, ein Verbandsfunktionär sich für alle Ärzte als entscheidungsmächtig begreift.
advokatus diaboli
am Dienstag, 12. August 2014, 06:26

Ethischer Zuchtmeister!

Mit Verlaub: Es bleibt dem Präsidenten der BÄK unbenommen, seine individuelle Gewissensentscheidung zur Sterbehilfeproblematik zu verkünden.

Gleichwohl bleibt er aufgerufen, sich inhaltlich intensiver mit den ethischen Grundsatzfragen der Suizidbeihilfe auseinander zu setzen und hierbei insbesondere die Statements renommierter Medizinethiker aus den eigenen Reihen auf sich wirken zu lassen.

Allein der Umstand, dass er derzeit der Präsident der BÄK ist, verleiht ihm sicherlich nicht die Kompetenz, gebetsmühlenartig seinen Berufskollegen eine „ärztliche Gewissensentscheidung“ diktieren zu wollen, die beileibe nicht von allen Ärztinnen und Ärzten geteilt wird, mal ganz davon abgesehen, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich vermehrt für eine liberale Regelung der „Sterbehilfe“ ausgesprochen hat.

Der Präsident der BÄK geriert sich zuweilen als ethischer Zuchtmeister seiner Kollegenschaft – eine selbst auferlegte Aufgabe, die wahrzunehmen ihm aufgrund hochrangiger Freiheitsrechte auch seiner Kollegen schlicht und ergreifend nicht zukommt!

Mir persönlich ist es völlig unklar, weshalb die verfasste Ärzteschaft nicht gegen die ethische Zwangskollektivierung einiger hochrangiger Ärztefunktionäre aufbegehrt und darauf hinweist, dass „Oberethiker“ in ihrem Berufsstand angesichts der ärztlichen Gewissensfreiheit eher fehl am Platze sind.

Es ist unerträglich, mit welcher Leichtigkeit über zentrale Grundrechte sowohl der Ärzte aber eben auch der schwersterkrankten und sterbenden Patienten hinweggefegt wird. Man sollte nicht „nur“ die „Kirchen, sondern im Zweifel auch die Mär von einer strikt lebensbejahenden Medizinethik im Dorf“ lassen, die ein selbstbestimmtes Sterben ggf. auch bei einer ärztlichen Assistenz verunmöglicht.

Die Position des Präsidenten der BÄK ist nicht anschlussfähig, läuft diese doch auf eine Zwangsethisierung hinaus.

Es bleibt zu hoffen, dass die politisch Verantwortlichen ein anderes Verständnis von Freiheitsrechten hegen und sich vorbehaltlos zu den zentralen Freiheitsrechten bekennen, ohne dem „Charme“ und den „Sonntagsreden“ einiger Oberethiker zu erliegen, die von der Sache her auch inhaltlich mit den gewichtigen Fragen der Suizidbeihilfe überfordert zu sein scheinen.

Der scheinbare fundierte „Ethikdiskurs“ über das frei verantwortliche Sterben zeichnet sich vielfach durch Geschwätzigkeit aus und zwar gerade von Vertretern der Ärzteschaft, die da im Zweifel meinen, allein ihr übernommenes Amt bürge für die Qualität ihrer Statements. Dem ist mitnichten so und es wird dringend davor gewarnt, aufgrund der von einigen Ärztefunktionären gezündeten „medizinethischen Nebelbomben“ den Blick für das Wesentliche zu verlieren!

Auch Ärztefunktionäre sollten nur von dem reden, wovon sie Ahnung haben, wenngleich ihnen selbstverständlich auch das Recht zu konzedieren ist, uns an ihren eigenen Gewissensentscheidungen teilhaben zu lassen. Problematisch ist allerdings, wenn man/frau glaubt, „ethische Wahrheiten“ zu verkünden und damit der Anschein erweckt wird, als sei man/frau als „moralische Autorität“ anerkannt.
Ärztefunktionäre sollten sich disziplinieren und sich vielmehr in Erinnerung rufen, dass die eigenen Kolleginnen und Kollegen keiner ethischen (Zwangs-)Erziehung bedürfen! Wie vermessen muss eine Berufsvertretung sein, die da meint, unverhohlen die Gewissensentscheidung ihrer Kollegenschaft beugen zu können?

Es ist eben nicht "nur" eine Frage des "Intelligenzquotienten", sondern in erste Linie eine Frage der Toleranz und die damit verbundenen Bereitschaft, andere Wertentscheidungen zu respektieren.

Und gerade in diesem Punkte ist doch auffällig, dass gerade der Präsident der BÄK mit seinem gelegentlich "martialisch anmutenden" Sprachduktus den Anschein zu erwecken sucht, als verkünde er die ethische Wahrheit der verfassten Ärzteschaft. Hiervon ist er allerdings weiter denn je entfernt, wie sich unschwer aus den Statements renommierter Medizinethiker ablesen lässt und da dem so ist, sollte sich auch der Präsident der BÄK in der ethischen Debatte ein wenig mäßigen, auch wenn es ihm sichtlich schwer fällt, ethischen Widerstand aus den eigenen Reihen zu akzeptieren. Hieran wird er sich allerdings (wie die Kirchen im Übrigen auch) gewöhnen müssen, will er auf Dauer seinem Amt als Präsident der privaten Arbeitsgemeinschaft gerecht werden! Wir benötigen hierzulande keine "Oberethiker", die da meinen, individuelle Gewissensentscheidungen brechen zu können!!!
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 12. August 2014, 03:35

Geht's noch?

Warum gewinne ich persönlich mehr und mehr den Eindruck, dass zu bestimmten, hoch sensiblen Themenkomplexen Im Deutschen Ärzteblatt Kommentare zu finden sind, deren Intelligenzquotient auch bei hochsommerlichen Temperaturen deutlich unterhalb von Raumtemperaturen zu verorten ist; bzw. die einen völlig unangemessenen Sprachgebrauch pflegen.

Man kann über die Person Prof. h. c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery und auch über die Positionen der Bundesärztekammer höchst unterschiedlicher Meinung, aber er begründet sachlich, engagiert und konsequent seine persönliche Meinungsbildung und die BÄK-Leitlinien.

Für die Gratwanderung zwischen Linderung des Leidens am Lebensende, terminaler Sedierung, aktiver und passiver Sterbehilfe, Suizidbeihilfe oder gar Tötung auf Verlangen sind 'Totschlag-Argumente' abwegig und ungeeignet.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Denali National Park, Alaska)
Practicus
am Dienstag, 12. August 2014, 00:57

Das ist Faschismus, Herr Montgomery!

Ihre herausgehobene Rolle als Grüßaugust der Ärztekammer - mehr haben sie ja noch nicht zustande gebracht - berechtigt sie keinesfalls zu der Feststellung," die Ärzteschaft" sei gegen die Suizidassistenz. Wie können sie sich erdreisten, hunterttausenden von Ärzten eine Gewissensentscheidung vorzuschreiben, ohne sie überhaupt gefragt zu haben!
Widerstand
am Montag, 11. August 2014, 19:15

...die Grenzen zur Tötung auf Verlangen und zur Euthanasie“ verwischen.

Sehr geehrter Herr Montgomery, was ist denn Hartz 4 anderes als Euthanasie? Menschen können sich notwendige Behandlungen nicht leisten und gehen garnicht erst zum Arzt. Menschen können sich nicht vollwertig ernähren. Immer mehr Studiendrücken das Ergebnis zwar anders aus aber der Schluss der deutschen Politik ist: Euthanasie.
Und was ist mit dem Medikament "Prasugrel"? Verspricht es nicht als Nebenwirkung schwerste gastrointestinale Blutungen und schwerste Hirnblutungen bis hin zum Tode und verordnen Sie und ihre Kollegen dieses Tötungsmedikament nicht trotzdem ohne Gewissensbisse zu haben?
Last uns einfach sterben, wann und wie wir wollen und habt den (Verzeihung) Arsch in der Hose unsere Nächsten in Ruhe zu lassen, wenn die uns tatsächlch helfen müssten.
5.000 News Politik

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