Ärzteschaft

Honorarver­handlungen: KBV fordert Lösungskonzept für Nachholbedarf

Montag, 18. August 2014

Berlin – Vor dem Beginn der diesjährigen Honorarverhandlungen für die niederge­lassenen Ärzte und Psychotherapeuten mit dem GKV-Spitzenverband hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ihre Forderungen präzisiert. Der KBV-Vor­standsvorsitzende Andreas Gassen nannte als zwei wesentliche Verhandlungspunkte für das Jahr 2015 die Abschaffung der Budgetierung angesichts eines unbegrenzten Leistungsversprechens den gesetzlich Krankenversicherten gegenüber sowie die Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns an die gestiegenen Tarifgehälter der Krankenhausärzte.

„Ich finde, das Globalbudget ist eine unerträgliche Situation“, sagte Gassen. „Deshalb ist eine der Forderungen auch eine Definition von Einzelleistungen und die Ausbudge­tierung von Einzelleistungen.“ Nach Berechnungen der KBV werden rund zehn Prozent aller ambulanten Behandlungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht honoriert. Dies entspricht einem Honorarvolumen von 2,3 Milliarden Euro.

Rund drei Milliarden Euro mehr an Honorar wären nach Angaben der KBV notwendig, um den sogenannten kalkulatorischen Arztlohn in der ambulanten Versorgung an die aktuellen Tarifgehälter der Krankenhausärzte anzupassen. Hintergrund der Forderung: Der heutige Einheitliche Bewertungs­maßstab (EBM) wurde auf Basis bestimmter Annahmen zur ärztlichen Arbeitszeit und zum ärztlichen Einkommen kalkuliert.

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Für das Jahr 2008 ging man damals von einem Referenzeinkommen von 105.000 Euro – entsprechend einem Oberarztgehalt – aus. Dieses Referenzeinkommen sollte nach Abzug der Betriebskosten für einen niedergelassenen Arzt erreichbar sein, sofern er etwa 51 Wochenarbeitsstunden lang gesetzlich Krankenversicherte versorgt. KBV-Vor­stand Gassen verwies heute darauf, dass das durchschnittliche Gehalt eines Oberarztes mittlerweile bei 133.000 Euro liege.

Mit den Krankenkassen wolle man darüber verhandeln, wie man diese Finan­zierungslücke von rund fünf Milliarden Euro schließen könne. Der GKV-Spitzenverband habe zu diesen beiden Punkten bislang keinen grundsätzlichen Widerstand erkennen lassen. KBV-Vorstand Gassen hofft deshalb, dass sich hierzu ein gemeinsames Lösungs­konzept verhandeln lässt. Kürzlich hatte er zum Nachholbedarf beim kalku­latorischen Arztlohn eingeräumt: „Dass das nicht in einem Schritt gelingen kann, ist klar.“

Regina Feldmann /Lopata

Vorstand Regina Feldmann verwies darauf, dass die KBV zudem für die Weiterent­wicklung des EBM mehr Geld fordern wird. So sollen die Krankenkassen unter anderem Zuschläge für die Vorhaltung bestimmter technischer Geräte in Hausarztpraxen finanzieren. Die jungen Ärztinnen und Ärzte, die man für die ambulante Versorgung dringend benötigt, wollen nach Überzeugung von Feldmann darauf nicht verzichten. Doch Geräte für EKG, Langzeit-Blutdruckmessung oder Ultraschall lassen sich mit dem Honorar der heutigen EBM-Ziffern nicht ohne weiteres refinanzieren. Mehr Honorar sollte darüber hinaus flächendeckend in Hausarztpraxen fließen, damit diese bei Bedarf Praxisassistentinnen beschäftigen können. „Wir denken, dass die Arbeit in Teamstrukturen Voraussetzung ist, um Praxen zu erhalten“, betonte Feldmann mit Blick auf die Versorgungsanforderungen der nächsten Jahre. Auch zu diesen beiden Forderungen lasse sich keine generell ablehnende Haltung der Kassen erkennen, erläuterte sie, aber: „Ich gehe davon aus, dass wir uns über die Finanzforderungen trefflich streiten werden.“ 

Der GKV-Spitzenverband ging in seiner Reaktion auf die Forderungen der KBV nicht auf Details ein. Er verwies darauf, dass die GKV-Einnahmen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten nach Angaben der KBV zwischen 2007 und 2011 um 13 Prozent gestiegen seien. „Bei den Honorarverhandlungen in diesem Jahr geht es wieder darum, auf Basis der gesetzlichen Vorgaben die Honorare für die niedergelassenen Ärzte angemessen weiterzuentwickeln“, hieß es.

„Dabei stehen insbesondere die Fragen nach der Entwicklung des Behandlungsbedarfs und die der Praxiskosten im Zentrum. Es wäre erfreulich, wenn die Ärzteverbände das gleiche Engagement bei der Verringerung der Wartezeiten für Patienten aufbringen würden wie bei dem Bemühen, ihre eigenen Honorare weiter zu erhöhen.“

© Rie/aerzteblatt.de

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Mathilda
am Montag, 18. August 2014, 19:57

Bevor weiter höhere Bezahlung gefordert wird,

sollte zunächst die vereinbarte Versorgungszeit von 51 Wochenstunden für gesetzlich Krankenversicherte eingehalten (und kontrolliert!) werden. Ich bezweifle, dass diese Versorgungszeit von der Mehrheit der niedergelassenen Ärzte geleistet wird, wobei damit auch lediglich die Versorgung mit Kassenleistungen gemeint ist, nicht der Verkauf von IGEL-Produkten. Nur für genau diese Versorgungszeit kann ein Oberarztgehalt gefordert werden; jeder Arzt ziehe also mal seine Arbeitszeit für Privatversicherte, seine Zeit für ambulante OPs (die separat vergütet werden) und seine Zeit für Verkaufsgespräche und Privatleistungen an gesetzlich Krankenversicherte ab...
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