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MERS-Coronavirus: Junge, gesunde Kontaktpersonen von Erkrankten können subklinisch infiziert sein

Donnerstag, 28. August 2014

Köln – Das im September 2012 erstmals als Verursacher tödlicher Atemwegsinfektionen  identifizierte Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) ist epide­miologisch noch unzureichend charakterisiert. Als gesichert gilt: Es ist eine Zoonose, die unter anderem von Dromedaren auf den Menschen übertragen wird und deren Potenzial für Sekundärtransmissionen vergleichsweise gering ist. Nicht alle der weltweit mindestens 834 Erkrankungen aber, darunter 288 Todesfälle, konnten auf eine zoonotische Ursache zurückgeführt werden. Es gibt vermutlich nicht erkannte Mensch-zu-Mensch Über­tragungen.

Das Potenzial dieser Sekundärtransmissionen wird in einer aktuellen Studie (NEJM 2014; 371: 828-35) unter Federführung des Bonner Virologen Christian Drosten genauer beschrieben. Die Forscher untersuchten Serum und Abstriche aus den oberen Atemwegen von 280 Kontaktpersonen klinisch und labordiagnostisch gesicherter MERS-CoV-Infizierter. Dies waren 26 Indexpatienten aus Saudi-Arabien.

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Sie waren stationär aufgenommen worden zwischen Juni und November 2013 mit schwerer bilateraler Pneumonie. Binnen 13 Tagen wurden 280 Kontaktpersonen aus Haushalten der Indexpatienten untersucht. Zwölf waren subklinisch infiziert (4 Prozent). Bis auf einen Untersuchten mit Pharyngitis hatte keine Person Symptome. Es waren meist junge Kontaktpersonen ohne Vorerkrankungen.

Sieben subklinische Infektionen wurden mittels Virus-RNA über Reverse-Transkrip­tase-PCR nachgewiesen, bei ihnen fanden sich keine MERS-CoV-spezifischen Anti­körper. Bei den übrigen fünf dagegen fanden sich MERS-CoV-Antikörper, aber keine Virus-RNA. Die Forscher schließen aus der Studie, dass serologische Tests alleine nicht ausreichen, um Infektionen festzustellen, und dass die Rate der Sekundärtransmissionen in den Haushalten Infizierter  mindestens vier Prozent beträgt. Bei nosokomialen Aus­brüchen und bei anderen Risiken als normalen Haushaltskontakten könne die Rate der Sekundärtransmissionen höher liegen. Auch könne sich die Rate über einen längeren Kontaktzeitraum als zwei Wochen erhöhen.

Ärzte sollten mit der Einreise MERS-CoV-Infizierter rechnen
Circa eine Million Menschen fliegen jährlich aus den Ländern der arabischen Halbinsel nach Deutschland. „Auch wenn hier kein erhöhtes Risiko für Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung besteht, müssen wir jederzeit mit der Einreise Infizierter rechnen“, sagte Christian Drosten, Leiter der Konsiliarlabos für Coronaviren an der Universität Bonn, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Primäre Krankheitsfälle ohne vorherige Exposition zu menschlichen Fällen, traten überwiegend in Saudi-Arabien, aber auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien, Katar, Oman und Kuwait auf. Ein großer Teil der im April und Mai 2014 gemeldeten Fälle eines Ausbruchs in Jeddah, Saudi-Arabien, waren sekundäre Transmissionen, vor allem durch medizinisches Personal und Patienten in einem Krankenhaus. Zwei aus diesen Ländern eingereiste Erkrankte sind bislang in Deutschland behandelt worden, einer von ihnen starb.

Für den deutlichen und kurzfristigen Anstieg der Fallzahlen kommen nach Einschätzung des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) drei Ursachen in Frage: (1) häufigere Übertragung von Dromedaren auf Menschen. (2) Suboptimale Infektionskontrolle in Krankenhäusern mit Primärfällen, welche zu steigenden nosokomialen Übertragungen führen kann. (3) Intensivierte Surveillance, vermehrtes Screening von Kontaktpersonen und Verwendung einer sensitiveren Falldefinition.

Falldefinition einer MERS-CoV-Infektion über Robert-Koch-Institut
Differenzialdiagnostisch sollte MERS-CoV insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn sich der Patient beziehungsweise die Patientin mit Pneumonie in den 14 Tagen vor Erkrankungsbeginn in einem Land der arabischen Halbinsel aufgehalten hatte oder einen Kontakt mit einem Patienten mit bestätigter oder wahrscheinlicher MERS-CoV-Infektion hatte.

Für Deutschland gelten die vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Fallde­finitionen (www.rki.de). Bei schweren Pneumonien und Atemnotsyndrom sollte generell auch unabhängig von einer Reiseanamnese immer eine labordiagnostische Abklärung der Ursache erfolgen, so die Empfehlung des RKI. © nsi/aerzteblatt.de

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