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Krankenhäuser: Beschäftigte klagen über verschlechterte Arbeitsbedingungen

Donnerstag, 28. August 2014

Berlin – Die Reorganisation stationärer Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren wird von vielen Beschäftigten als Verschlechterung empfunden. Das geht aus einer Online-Umfrage hervor, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen im Auftrag der Hans Böckler Stiftung durchgeführt hat. Demnach erklärten knapp zwei Drittel der Ärzte und drei Viertel der Pflegekräfte, die an der Umfrage teilgenommen haben, dass sich ihre Arbeitsbedingungen in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hätten.

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Während jeder zweite Arzt angab, in seiner Abteilung seien Arztstellen abgebaut worden, berichteten nur 28 Prozent davon, dass neue Arztstellen geschaffen worden seien. In der Pflege erklärten 71 Prozent, Pflegestellen seien abgebaut worden. Nur 15 Prozent der Ärzte und 12 Prozent der Pflegekräfte erklärten zudem, dass ihre Aufgaben reduziert worden seien. 

Pflegekräfte übernehmen zunehmend ärztliche Aufgaben
„Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, sagte Michaela Evans vom IAT heute vor Journalisten in Berlin. „Für Ärzte und Pflegekräfte sind neue Aufgaben hinzugekommen, vor allem bei der Dokumentation.“ Das Stellenvolumen sei jedoch nicht angepasst worden. Pflegekräfte übernehmen dabei zunehmend Aufgaben vom ärztlichen Dienst: 78 Prozent gaben an, in letzter Zeit verstärkt Wunden zu versorgen, Spritzen zu setzen, Venenkanülen zu legen oder Medikamente zur Chemotherapie zu geben.

Knapp 60 Prozent der Krankenhausmitarbeiter, die an der Umfrage teilgenommen haben, gaben zudem an, sie hätten nicht genug Zeit für ihre Arbeit; weitere 27 Prozent beantworten die Frage mit „teils-teils“. 83 Prozent erklärten zudem, dass auf ihrer Station wichtige Aufgaben vernachlässigt würden.

„Mit Assistenzdiensten sind viele Experimente gemacht worden“
Krankenhausmanager gäben in Umfragen an, in den letzten Jahren schon viel für bessere Arbeitsbedingungen getan zu haben, sagte Josef Hilbert vom IAT. Die Sicht der Beschäftigten lasse aber starke Zweifel daran aufkommen, dass diese Veränderungen erfolgreich waren. „Die Reorganisation ist wenig strategisch ausgerichtet“, kritisierte Hilbert. „Die Belegschaft nimmt dies eher als Verunsicherung auf.“ Zudem werde zu wenig analysiert, welche Reorganisationen gut gelaufen sind. 

„Mit Assistenzdiensten sind viele Experimente gemacht worden“, ergänzte Evans. Dabei hätten Ärzte Aufgaben an Pflegekräfte abgegeben und Pflegekräfte an Service- und Assistenzdienste. Dennoch klagten die Beschäftigten darüber, zu wenig Zeit für ihre Kernaufgaben wie Patientenkommunikation, Angehörigenberatung oder Ausbildung zu haben. Durch eine kleinteilige Verschiebung einzelner Verrichtungen steigt die Versorgungsqualität nicht“, so Evans weiter. „Sie erhöht eher die Gefahr, dass es zu Störungen im Arbeitsprozess kommt.“ 

Krankenhausmitarbeiter sind trotz schlechter Arbeitsbedingungen hoch motiviert
Problematisch sei auch, dass sich Pflegekräfte zum Teil professionalisierten, dann aber eine Arbeitswelt träfen, in der sie ihre neuen Qualifikationen nicht einlösen könnten – dadurch sei die Enttäuschung dieser Mitarbeiter programmiert.

Trotz der Reorganisation der Arbeit im Krankenhaus, betonte Evans, brächten die Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz jedoch eine „sehr hohe Motivation und eine hohe Identifikation mit ihrer Arbeit und den Zielen das Krankenhauses“ mit.

Die Umfrage wurde bereits in den Jahren 2012 und 2013 über eine Online-Plattform durchgeführt, auf der Krankenhausmitarbeiter die Möglichkeit hatten teilzunehmen. Die Umfrage ist daher nicht repräsentativ. Von den insgesamt 2.500 Teilnehmern waren 1.900 Pflegekräfte und 200 Ärzte. 1.500 Teilnehmer arbeiteten in kommunalen Krankenhäusern.

Steffens fordert ausreichende Personalausstattung in Krankenhäusern
„Pflege und die damit verbundene menschliche Zuwendung kommen in vielen Krankenhäusern zu kurz, wenn Trägern das Geld für ausreichend Personal fehlt“, kommentierte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) die Ergebnisse der Umfrage. „Deshalb benötigen wir hierzu bundesweit verbindliche Regelungen für Krankenhäuser. Denn nur, wenn eine ausreichende Personalausstattung vorgeschrieben ist, werden die Krankenhäuser mehr Pflegekräfte einstellen und die Kassen diese auch finanzieren.“

„Wir begrüßen es sehr, wenn Gesundheitsministerin Barbara Steffens mehr Pflege­personal für die Krankenhäuser und die Refinanzierung durch die Krankenkassen fordert“, betonte Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen. Die anstehende Krankenhausreform müsse eine nachhaltige Lösung für eine humane Patientenversorgung und finanzielle Rahmenbedingungen liefern, die bessere Arbeitsbedingungen für Pflegende ermöglichten.

„Wir können unseren Patienten und Mitarbeitern nicht länger zumuten, dass Tarifer­höhungen aufgrund von 60 bis 70 Prozent Personalkosten weiter zunehmend über Stellenabbau und weitere Arbeitsverdichtung refinanziert werden müssen“, so Brink weiter. „Wer mehr Zuwendung und Qualität fordert, muss eine bessere Personal­ausstattung finanzieren und den Arbeitsplatz Krankenhaus für junge Menschen attraktiv halten.“ © fos/aerzteblatt.de

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