Ärzteschaft

Honorarergebnis 2015: Gassen und Feldmann erläutern rasche Einigung

Freitag, 29. August 2014

Berlin – Die beiden Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen und Regina Feldmann, haben gestern das in den diesjährigen Honorarver­handlungen erzielte Ergebnis verteidigt. Er sei erstaunt, „welche extreme Wahrnehmung der diesjährige Honorarabschluss hat“, sagte Gassen. Dass sich KBV und GKV-Spitzen­verband einigen konnten und nicht der Erweiterte Bewertungsausschuss einberufen wurde, würdigte der KBV-Vorstandsvorsitzende ausdrücklich: „Ich glaube, das ist ein hoher Wert. Es ist doch die Frage, ob man auf Dauer ritualisierte Verhandlungen ab­laufen lassen will, die nur dazu führen, dass man den Verhandlungspartner desavouiert, ohne dass dies nennenswert Einfluss auf das Ergebnis hätte.“

Gassen verwies darauf, dass nicht allein ein Honorarplus von rund 850 Millionen Euro für 2015 verhandelt worden sei. KBV und GKV-Spitzenverband hätten sich im Rahmen einer Protokollnotiz auch darauf verständigt, zum 1. Januar 2016 eine Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns zu prüfen. Der KBV-Vorstand nimmt zudem eine grund­sätzliche Bereitschaft beim GKV-Spitzenverband wahr, für die Versorgung der Versicherten auch Geld auszugeben.

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KBV-Vorstand Feldmann verwies auf die zusätzlichen Honorarmittel für Versorgungs­assistentinnen in Hausarztpraxen. Sie unterstrich, dass Zuschläge allen Hausarztpraxen zugutekommen könnten, die qualifizierte Mitarbeiterinnen beschäftigten, also auch großen Praxen in Städten wie Berlin oder Hamburg, nicht allein Versorgerpraxen auf dem Land. Man wolle diese Strukturförderung ausbauen, so die Vereinbarung für das nächste Jahr.

850 Millionen plus: Geteiltes Echo in der Ärzteschaft
Die Honorareinigung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband hat in der Ärzteschaft ein geteiltes Echo ausgelöst. Lob kam unter anderem von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen. „Die Einigung schafft eine gute Grundlage für unsere Verhandlungen auf Landesebene“, sagte deren Vorstandsvorsitzende Annette Rommel. Sie lobte besonders, dass die Einigung ohne Schiedsamt zustande gekommen sei und dass außerhalb des Gesamtbudgets zusätzliches Geld für die fachärztliche Grundversorgung und für die Leistungen qualifizierter nichtärztlicher Praxisassistenten zur Verfügung stehen werde.

Kritik kam dagegen vom Verbund Medi-Geno: Die vereinbarten gut 800 Millionen Euro mehr bedeuteten umgerechnet auf die über 150.000 Arztpraxen in Deutschland ein Umsatzplus von rund 400 Euro pro Monat. „Damit werden Probleme wie das Praxissterben bei den Hausärzten oder zunehmende Wartezeiten in den Facharztpraxen verschärft“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Medi Geno Deutschland, Werner Baumgärtner.

Gar als „Kapitulation vor den Kassen und Ohrfeige für die niedergelassenen Fachärzte“ bezeichnete der Bundesverband Niedergelassener Fachärzte das Verhandlungs­ergebnis. „Die Zugeständnisse der Kassen reichen nicht einmal aus, den Inflations­ausgleich zu bedienen und die innerhalb eines Jahres um knapp neun Prozent gestiegenen Tariferhöhungen unserer Mitarbeiter auszugleichen, geschweige denn, die massiven Defizite in der Vergütung vergangener Jahre zu egalisieren“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Wolfgang Bärtl.

Eine grundsätzliche Neuordnung des Honorarsystems in der gesetzlichen Kranken­versicherung fordert derweil der Hartmannbund. „Wir sind in Deutschland in der vergleichsweise komfortablen Situation, weitgehend ohne existenziellen Druck ein System reformieren zu können, wenn alle Seiten dazu echte Bereitschaft zeigen“, sagte dessen Vorsitzender Klaus Reinhardt.

Es müsse auch im Interesse der Kassen liegen, sich mit den Ärzten an einen Tisch zu setzen und über feste Preise, Patientenbeteiligung und Freiberuflichkeit zu unterhalten. „Wir wollen gesunde Patienten, die Kassen wollen zufriedene Versicherte. Wenn sich das nicht miteinander vernünftig vereinbaren lässt, dann sind wir gescheitert“, sagte der HB-Vorsitzende. © fos/hil/Rie/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 31. August 2014, 17:43

Eigenlob stinkt?

Beim GKV-Honorarergebnis 2015 gibt es keinen Grund, in selbst-lobenden Jubel auszubrechen. Kollege Andreas Gassen und Kollegin Regina Feldmann erläutern hier nur vage Umrisse einer "raschen Einigung", die auf taktischen Fehleinschätzungen beruht. Man kann nur froh sein, dass die KBV nicht auch das von den GKV-Kassen unterstellte Einspar-Potenzial von zwei Milliarden Euro als Verhandlungserfolg verbucht hat.

Ich habe die Kassenärztliche Bundesvereinigung immer ebenso scharf wie konstruktiv kritisiert. Denn vor 2 Jahren gab es ein schwerwiegendes PROGNOS-Desaster: Ein im Auftrag des Spitzenverbands Bund (SpiBu) der GKV-Kassen exakt terminiertes, manipuliertes „Gutachten“ von Ronny Wölbing et al. wollte aus Sicht des Schweizer Beratungsunternehmens eine 7-%-Minusforderung in Vertragsarztpraxen durchdrücken. Die KBV hatte wider besseres Wissen und trotz entsprechender Infos dieses Bedrohungsszenario nicht erkannt. Dr. med. Andreas Köhler errechnete damals naiv und beratungsresistent eine betriebswirtschaftlich abgehoben begründete Plus-10-%-Forderung. Der „unabhängige“ Schiedsspruch des Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem, Uni Duisburg/Essen war 2012 kaum messbare plus 0,9 Prozent.

Diesjährig zeigten SpiBu/PROGNOS von langer Hand vorbereitet und lanciert einen neuen, perfiden Gutachten-Trick: Vertragsärzte müssten nur auf Kosten ihrer Patienten rationalisieren, Leistungen verweigern und Kosten drücken, um zu betriebswirtschaftlich erfolgreichen Praxen zu mutieren: Das ganze Gerangel um vermeintlich überflüssig-schädliche IGeL-Leistungen und den GKV-IGeL-Monitor schien vergessen. „Schwupps“, schon wären zwei Milliarden eingespart. Doch jeder Kindergarten-Vorstand weiß, dass solche Einsparungen sich nicht in Gewinnen auszahlen, weil der Mitgliederschwund alles auffrisst. Der SpiBu hatte weitere vergiftete Pfeile mit Pressemeldungen über irreführende Umsatz- und Gewinnzahlen außerhalb des GKV-Leistungsspektrums im Köcher, die hausärztliche Versorger-Praxen auf dem Land, in sozialen Brennpunkten, Ballungs- und Randzonen gar nicht erbringen können.

Nicht ein Sterbenswörtchen haben KVen, Ärzte-Funktionäre, -Verbände, -Vereine und -Genossenschaften bzw. der Hausärzteverband (HÄV) v o r den Honorar-Verhandlungen der KBV von sich gegeben. Niemand, abgesehen von Einzelpersonen, hat die total illusorische 5-Milliarden-Forderung der KBV argumentativ zerpflückt oder die SpiBu-Demagogie enttarnt. Dies hinderte, allen voran den NAV-Virchowbund, den in sich zerstrittenen Internisten-BDI und den Hartmannbund nicht daran, nach dem Abschluss über insgesamt 800-850 Millionen GKV-Mehrumsatz umso lautstärker zu lamentieren. Vorher hatten sich die Verbände sicherheitshalber gar nicht erst aus der Deckung gewagt oder gar kritisch Stellung genommen. Der HÄV ist mit verwirrend unübersichtlichen hausarztzentrierten Versorgungsverträgen (HzV) in der KBV-Honorardiskussion eher außen vor.

Nein, es genügt nicht, das ganze Jahr nur Däumchen zu drehen, die KBV alles alleine machen zu lassen und dann im Stil von „Brot und Spiele“ der früheren Gladiatorenkämpfe gegen wilde Bestien den Daumen zu heben oder zu senken. Schlussendlich bekommen jede/r die GKV- und auch PKV-Honorarabrechnung, die er/sie verdienen. Eine alljährliche Honorarrunde muss man taktisch vorbereiten, den Vertragspartner beobachten, reagieren, sich geschickt beraten lassen, aber auch vorausschauend agieren, eigene Ideen und Konzepte entwickeln bzw. sich mit Gleichgesinnten, von ähnlichen Interessen geleiteten, zusammenschließen. Nach dem Honorardesaster ist immer auch vor dem Honorardesaster.

Die unrühmlichste Rolle spielt der Marburger Bund (mb) in der ganzen Debatte: Er klinkt sich aus, negiert seit Jahrzehnten, dass es überhaupt so etwas wie freiberuflich tätige, niedergelassene Vertragsärzte gibt, weil er ausschließlich erfolgreich die Interessen seiner angestellten und beamteten Ärzte/-innen vertritt. Zugleich blockiert er seit Dekaden entscheidende Vorhaben zu mehr Honorargerechtigkeit (Konvergenz, Morbiditäts- und Demografie-Faktoren bzw. die GOÄ, zuletzt geändert 1986). Funktionäre/-innen des mb besetzen und besitzen die entscheidenden Schaltstellen in den Landesärztekammern und der BÄK. Funktionsträger sind in den KVen und der KBV vertreten. Doch bei besseren Arbeitsbedingungen in der Freien Praxis würden dem mb ja die Mitglieder in Scharen davon laufen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
isnydoc
am Samstag, 30. August 2014, 22:31

Was war zum neu gewählten KBV-Vorsitzenden im April zu lesen?

Im Ärzteblatt 4/2014 Baden-Württemberg las ich:
"Dr. Gassen soll jetzt Ruhe in die KBV bringen und die Handlungsfähigkeit wieder herstellen."
Gehandelt hat er ja nun ... und wundert sich wohl, dass er daran "gemessen" wird - was soll man dazu noch sagen?
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