Medizin

Magnetfeld stimuliert Gedächtnis

Freitag, 29. August 2014

Chicago – Die Stimulation ausgewählter Cortexregionen mit rasch wechselnden Magnet­feldern hat in einer experimentellen Studie in Science (2014; 345: 1054-1057) die Leistungen von gesunden Probanden in einem Gedächtnistest deutlich verbessert. Die Forscher wollen die Technik jetzt bei Patienten mit leichten Gedächtnisstörungen erproben.

Dass rasch wechselnde Magnete in der Umgebung einen elektrischen Strom induzieren, ist hinlänglich bekannt und letztlich das Prinzip des Dynamos. Dass diese Methode genutzt werden kann, um „berührungsfrei“ durch die Schädelkalotte hindurch die Hirnaktivität zu beeinflussen, gehört seit Ende des 19. Jahrhunderts zum neuro­physiologischen Grundlagenwissen.

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Dass diese unspezifischen Reize spezifische Leistungen des Gehirns hervorbringen können, ist dagegen eine neue Erkenntnis, deren Möglichkeiten seit der Entwicklung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) in den 1980er Jahren die Forscher fasziniert. Die Effekte waren bisher jedoch auf einfache Leistungen, etwa die Reaktionsgeschwindigkeit beim Drücken einer Taste, beschränkt.

Dem Team um Joel Voss von der Northwestern University in Chicago ist es jetzt erstmals gelungen, eine sehr komplexe Leistung zu beeinflussen, nämlich das assoziative Gedächtnis. Eigentlich ist dies kaum möglich, da das für die Gedächtnisbildung zuständige Zentrum, der Hippocampus, sich in der Tiefe des Großhirns außerhalb der Reichweite der elektrischen Felder befindet, die bei der rTMA erreicht werden können.

Im parietalen Cortex gibt es jedoch direkt unterhalb der Schädelkalotte Regionen, die mit dem Hippocampus kooperieren. Diese Regionen sind bei jedem Menschen unterschied­lich lokalisiert, doch mittels der funktionellen Kernspintomographie konnte Voss sie in bei seinen 16 Probanden im Alter von 21 bis 40 Jahren aufspüren.

Über diese Regionen wurde dann die Magnetspule angebracht und für 20 Minuten aktiviert. Die Behandlung wurde an insgesamt fünf aufeinander folgenden Tagen durchgeführt. Jeder Teilnehmer durchlief zwei Therapiezyklen, einen mit der echten rTMS und einen als Scheinbehandlung. Vor, in der Mitte und nach dem Ende der Zyklen wurden die Probanden einem Gedächtnistest unterzogen.

Ihnen wurden Karten mit Gesichtern gezeigt. Dazu wurde ihnen ein Wort (ohne Bezug zum Gesicht) genannt, an das sie sich in einem zweiten Durchgang erinnern sollten, in dem ihnen nur die Gesichter gezeigt wurden. Dies gelang, wenn man der Publikation glauben darf, den Probanden nach dem Abschluss der fünf täglichen rTMS-Behand­lungen zu 30 Prozent besser als vor der Behandlung. Die Scheinbehandlung hatte dagegen keinen Einfluss, so dass die Leistungsverbesserung nicht allein auf einen Trainingseffekt zurückgeführt werden kann.

Bisher handelt es sich lediglich um ein Experiment der Grundlagenforschung. Voss kündigte jedoch an, demnächst in einer Studie Patienten mit leichten Gedächtnis­störungen zu behandeln. Bevor die Therapie in die Klinik eingeführt werden könnte, dürften nach Ansicht des Forschers allerdings noch einige Jahre vergehen. Sie käme möglicherweise auch für die Rehabilitation nach Schlaganfall oder traumatischen Hirnverletzungen infrage. © rme/aerzteblatt.de

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