Ärzteschaft

Psychiater fordern bessere Suizid-Prävention

Mittwoch, 10. September 2014

Berlin – In Deutschland haben sich die Suizidraten seit den 1980er Jahren nahezu halbiert, nehmen seit 2008 jedoch wieder zu. Das berichten die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Spitzenverband ZNS (SPiZ) anlässlich des heutigen Welt-Suizid-Präventionstages. Fachgesellschaft und Verband fordern deshalb größere gesellschaftliche Anstrengungen, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen und die Prävention von Suiziden zu verbessern.

Suizidforschung intensivieren
„Um die der Suizidalität zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen, muss die Suizidforschung intensiviert werden. Dabei kann es hilfreich sein, Suizidalität als eigen­ständige Störung zu definieren“, sagte der Präsident der DGPPN, Wolfgang Maier. Gleich­zeitig sei es wichtig, das Wissen über Suizid und psychische Erkrankungen in der Bevölkerung zu fördern. „Warnsignale können dann früher erkannt und Berührungs­ängste mit diesen sensiblen Themen reduziert werden“, so Maier.

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In Deutschland nehmen sich jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen das Leben, zwei Drittel von ihnen sind Männer. Suizidalität und Depressionen hängen laut dem SPiZ sehr eng zusammen: Neun von zehn Menschen, die Selbstmord verüben, leiden an einer psychiatrischen Erkrankung. Am häufigsten ist dies eine Depression (40 bis 70 Prozent), aber auch Sucht- und Schizophreniepatienten sind gefährdet.

Menschen mit Depressionen frühzeitig behandeln
Der Vorsitzende des SPiZ, Frank Bergmann, betonte, die beste Möglichkeit, Suizide zu verhindern, sei Menschen mit Depressionen schnell und gut zu betreuen. „Depressionen sind gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt werden“, so Bergmann gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Auch aus diesem Grund seien Wartezeiten von Wochen oder sogar Monaten für Patienten mit akuten psychischen Erkrankungen nicht hinnehmbar.

„Patienten mit schwerer depressiver Symptomatik müssen selbstverständlich umgehend behandelt werden, hier geht es unter Umständen um Leben und Tod“, sagte er. Das könnten aber psychiatrische Praxen oder Kliniken allein nicht immer leisten. Der SPiZ fordert daher eine bessere Vernetzung und bessere Koordination aller Akteure vor Ort und eine Aufwertung der psychiatrischen Gesprächsleistungen.

Seit 2003 findet am 10. September der Welt-Suizid-Präventionstag statt, um dafür zu sensibilisieren, dass Suizid eines der größten Gesundheitsprobleme der Welt darstellt. Dies unterstreicht auch der erste umfassende Suizid-Bericht der Weltgesund­heits­organisation: Demnach nehmen sich jedes Jahr weltweit mehr als 800.000 Menschen das Leben. Das entspricht einem Suizid alle 40 Sekunden. Auf jeden vollendeten Suizid kommen 20 Suizidversuche. Etwa drei von vier Fälle ereignen sich in ärmeren Staaten. © hil/aerzteblatt.de

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