Politik

Bereitschaft zur Pflege von Angehörigen sinkt

Donnerstag, 11. September 2014

Hamburg – Die Bereitschaft und die Möglichkeit, Angehörige zu Hause zu pflegen, sinkt. Das berichtet das Wissen­schaftliche Institut der Techniker Krankenkasse (TK) nach einer Studie mit mehr als 1.000 pflegenden Angehörigen.

Die Wissenschaftler fragten in dessen Rahmen auch nach den ausschlag­gebenden Gründen, eine Pflegeaufgabe zu übernehmen. Fast die Hälfte der Pflegenden antwortet mit „Pflichtgefühl und Familienzusammenhalt“.

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Die Studie zeigt jedoch auch, dass dieser soziale Kitt zunehmend bröckelt. Familiärer Zusammenhalt spielt umso weniger eine Rolle, desto jünger die Befragten sind. Während bei den  über 65-Jährigen 61 Prozent familiäres Pflichtgefühl als Hauptgrund angeben, sind es bei den 50- bis 65-Jährigen nur noch 45, bei den 18- bis 49-Jährigen sogar nur noch 38 Prozent. „Das Pflegepotenzial von Familien wird kleiner“, sagte Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK. Die moderne Arbeitswelt fordere Mobilität. Eltern und Kinder wohnten deutlich seltener am gleichen Ort. Auch Einstellungen zum Thema Familie seien im Wandel.

„Für die Zukunft müssen wir andere Antworten finden. Wir müssen Pflege anders als heute organisieren“, so das Fazit des TK-Chefs.

Die Krankenkasse schlägt dafür ein träger- und sektorenübergreifendes Hilfs- und Betreuungsnetzwerk vor. „Wir müssen die informellen Leistungen der Angehörigen in professionelle Netzwerke überführen und Angebote integrieren, die es auch jetzt schon gibt. Unsere Studie zeigt, dass gerade Unterstützungsleistungen der Pflegeversicherung zwar bekannt sind, aber trotzdem wenig genutzt werden“, so Baas.

Am stärksten nutzen die Pflegenden laut der Umfrage den ambulanten Pflegedienst: Fast 60 Prozent geben dies in der Befragung an. Hingegen sei die Nachtpflege zwar bei drei Viertel der Pflegenden bekannt, werde aber trotzdem nur von sieben Prozent der Befragten genutzt. Wenig vertraut sind die Pflegenden mit den vorhandenen Beratungsangeboten. Nur die Hälfte kennt laut der Befragung die Möglichkeit der individuellen Pflegeschulung zu Hause, nicht einmal 60 Prozent die Pflegekurse in der Gruppe.

In Deutschland sind mehr als 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig. Modellrechnungen gehen davon aus, dass es bis 2030 in Deutschland rund 3,4 Millionen sein werden. Sieben von zehn Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. © hil/aerzteblatt.de

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