Politik

Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel wieder gestiegen

Dienstag, 16. September 2014

Berlin – Die Ausgaben der Barmer GEK für Heil- und Hilfsmittel sind im Jahr 2013 um 5,6 Prozent beziehungsweise um 10,2 Prozent angestiegen. Das geht aus dem Heil- und Hilfsmittelreport 2014 der Barmer GEK hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Der Trend setzt sich auch im laufenden Jahr fort. Im ersten Halbjahr 2014 verzeichnete die Kasse einen Zuwachs um 4,1 Prozent bei Heilmitteln und 10,8 Prozent bei Hilfsmitteln. Für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung liegen die Steigerungsraten in demselben Zeitraum bei 7,1 und 9,5 Prozent.

„Zum einen treiben Alterung und technischer Fortschritt den Bedarf in die Höhe. Vor allem aber steigen die Ausgaben pro Versichertem“, erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Denn die Zahl der Versicherten, die Heil- oder Hilfsmittel erhielten, ist dem Report zufolge etwa gleich geblieben und lag 2013 bei rund 1,9 beziehungsweise zwei Millionen.

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Erneut hat der Report regionale Unterschiede festgestellt. Demnach lag beispielsweise der Anteil der Verordnungen zur physiotherapeutischen Indikationsstellung im Saarland und Nordrhein-Westfalen bei knapp über 50 Prozent, während er in Sachsen und Sachsen-Anhalt einen Wert von 94 beziehungsweise 87 Prozent erreichte. Diese ließen sich nur zum geringeren Teil durch die jeweiligen Alters- und Geschlechterstruktur in den Bundesländern erklären, ist der Barmer-Vize überzeugt. Bisher sei aber nicht erforscht, ob es sich dabei um regionale Morbiditätsunterschiede außerhalb der Alters- und Geschlechtsstruktur handele, oder unterschiedliches Verordnungsverhalten der Ärzte als Ursache in Frage komme.

Studienautor Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universi­tät Bremen rechnet für die kommenden Jahre mit einem weiter steigenden Bedarf an Hilfsmitteln. Bis 2050 wird dieser bei Pflegebetten, Dekubitus- und Inkontinenzhilfen sowie Hilfsmitteln zur Kompressionstherapie um 78 Prozent steigen, so Glaeske.

Ausgaben

Insbesondere die steigenden Hilfsmittelausgaben würden die Bedeutung eines Marktes zeigen, der für Hersteller und Anbieter immer lukrativer werde. „In dem extrem unüber­sichtlichen Markt der Medizinprodukte brauchen wir eine Nutzen- und Kostenbewertung“, forderte Schlenker. Beide kritisierten die bisherigen Zulassungsbedingungen für Medizinprodukte. Denn bisher reiche eine Selbsterklärung der Hersteller, in der versichert wird, dass das Produkt aus technischer Sicht einwandfrei funktioniere.

In einem Extra-Kapitel analysiert der Report die Versorgungssituation bei chronischen Wunden sowie die podologische Versorgung von Diabetikern und kommt zu dem Ergebnis, dass viele Patienten unterversorgt seien. Nur knapp 40 Prozent der bundesweit rund 210.000 Patienten mit Ulcus cruris bekämen eine Kompressions­therapie. „Deren Unterlassung ist nach Meinung der Fachleute ein Behandlungsfehler“, sagte Schlenker.

Auch würden die präventiven Möglichkeiten der Podologie nicht ausreichend genutzt, um Zehen- und Vorderfußamputationen bei Diabetikern zu vermeiden. 75 Prozent der Risikopatienten seien nicht podologisch versorgt. „Das ist umso erstaunlicher, als es sich um Teilnehmer an Disease Management Programmen handelt, welche zwingend eine medizinische Fußuntersuchung und podologische Versorgung vorsehen“, so Glaeske. © ank/aerzteblatt.de

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Logopädist
am Mittwoch, 22. April 2015, 08:57

@Practicus

Vielen Dank für Ihre Reaktion! Ich verstehe an Ihren Ausführungen nicht, was eine einheitliche und hochschulabhängige Ausbildung mit den aktuellen Problemen der Heilmittelerbringer zu tun haben soll. Die Akademisierung ist schon seit ich denken kann Thema in Deutschland- nicht im Rest der EU!! Sie wird auf politischer (... und berufspolitischer/ärztepolitischer) Ebene blockiert.
Warum eigentlich!?
Nach Ihren Ausführungen trauen Sie den Heilmittelerbringern ein verantwortliches Handeln mit dem sog. Budget nicht zu!
Warum eigentlich nicht!?
Sehr geehrter Practicus! Im Grunde stehen hier die Ärzte an gleicher Front, an der der Praktiker. Auf einer sehr abgehobenen Ebene kämpfen Theoretiker um Machtanteile, die wir Praktiker dann im Alltag um die Ohren gehauen kriegen.
Und noch etwas: im Bereich der Logopädie geht es mir nicht darum, ob ich mir noch ein Auto zusätzlich leisten kann, es geht um meine Existenz, eine Praxis ist kaum noch als Lebensgrundlage zu führen, lauter Minijobs müssen her, um sich über Wasser zu halten!
Practicus
am Montag, 20. April 2015, 22:34

@Logopädist,

Dann sorgen Sie doch erst mal dafür, dass für die Ausübung von Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie eine einheitliche Ausbildung auf Hochschulebene eingerichtet wird!
Wir Ärzte sind eingezwängt zwischen die Vorschriften eines akribischen Heilmittelkatalogs und die Zwänge unseres begrenzten Budgets.
Ich würde liebend gern die Heilmittelauswahl den Physio- und Ergotherapeuten und auch Logopäden überlassen - wenn die denn dann mit dem zur Verfügung stehenden Budget als "befreiendes Gesamthonorar" von den Kassen zurechtkommen könnten. Ohne Budgetverantwortung könnte ich viel häufiger ein entsprechende Therapie empfehlen, soll doch der Therapeut zusehen, wie er mit dem Geld auskommt, Hauptsache, ich bin die Budgetverantwortung los.
Es macht bei der Verordnung schon einen Unterschied, ob die Behandlung im Zweifelsfall von der Kasse, vom verordnenden Arzt oder dem ausführenden Therapeuten bezahlt wird.
Logopädist
am Montag, 20. April 2015, 09:13

Direktzugang zu Heilmitteln

Ist es nicht an der Zeit anzuerkennen, dass die medizinische Behandlung in die Hände von Fachleuten gehört!?
Das sind sicherlich nicht mehr nur die Ärzte!
Das sind vor allem die hochgradig und kostspielig fortgebildeten PhysiotherapeutInnen, LogopädInnen, ErgotherapeutInnen und PodologInnen!
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht hilflose Arzthelferinnen bei mir hilfesuchend anrufen. Ich diktiere dann, nein, ich buchstabiere dann, was auf der Verordnung stehen muß.
Die Bitte eines verordnenden Arztes, ich möge doch verständlicher und vor allem kürzer berichten, was ich in der Dysphagietherapie gemacht habe spricht für sich. Aus welcher Not heraus wird das Ausstellen der Verordnungen so vehement verteidigt!?
Am Ende stünde doch eine sehr viel effektivere und damit vor allem auch kostengünstigere Behandlung,... alle Beteiligten würden entlastet!
Wobei es schon komisch aussieht, wie sich über die Zahlen der Heilmittelausgaben echaffiert wird!!
Das sind insgesamt 5 % aller Augaben im Gesundheitswesen!!
Und da soll gespart werden!?
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