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Neue Arzneimittel sind in Deutschland billiger als im europäischen Durchschnitt

Dienstag, 16. September 2014

Berlin – Die gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) geführten Preisver­handlungen zwischen GKV-Spitzenverband und den Herstellern neuer Arzneimittel führen mehrheitlich zu Preisen, die unterhalb des europäischen Durchschnitts liegen. Das erklärte der Leiter des IGES-Instituts, Bertram Häussler, heute bei der Vorstellung des Arzneimittel-Atlas 2014 in Berlin.

So liege bei nur zwei der ersten 29 neuen Wirkstoffe der verhandelte Preis höher als in allen 15 europäischen Referenzländern, die gemäß AMNOG bei den Preisverhand­lungen berücksichtigt werden sollen. Bei vier weiteren liege er über dem europäischen Durchschnitt, ohne der höchste Preis zu sein. In elf Fällen liege der verhandelte Preis unter dem europäischen Durchschnitt und in zwölf Fällen sei er im Vergleich zu allen 15 Referenzländern der niedrigste, erklärte Häussler.

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Untersucht hat das IGES-Institut auch die Verbreitung der neuen Arzneimittel in der Patientengruppe, für die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Wirkstoffen einen Zusatznutzen zugesprochen hat. „Im höchsten Fall erreichten die Wirkstoffe 53 Prozent der Zielpopulation, im niedrigsten Fall zwei Prozent“, sagte Häussler. „Ich inter­­pretiere dieses Ergebnis so, dass das Ziel des G-BA, eine Verbreitung von 100 Prozent in der Zielpopulation zu erhalten, nicht erreicht wurde.“

„Mit dem AMNOG hatte der Gesetzgeber angestrebt, bei den Preisen neuer Arzneimittel innerhalb Europas im mittleren Segment zu landen. Das ist weit übertroffen, und man muss sich fragen, ob hier der Bogen nicht überspannt wird“, kommentierte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), die Zahlen. Wenn Deutschland ein Hochpreisland gewesen sei, gelte dies schon lange nicht mehr. Dadurch sinke auch die Attraktivität rapide, die Deutschland für die Industrie habe.

Fischer kritisierte, dass die Behandlungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft würden, wenn in manchen Fällen weniger als zehn Prozent der Patienten die neuen Wirkstoffe erhielten, die für sie einen Zusatznutzen beinhalteten. Grund dafür sei unter anderem „die Angst der Ärzte vor den Richtgrößenprüfungen“. Weil Ärzte nicht in Regress genommen werden wollten, verzichteten sie leichtfertig auf die Verordnung bestimmter Arzneimittel.  

Fischer kritisierte zudem, dass Krankenkassen und Ärzte bei der Arzneimittelverordnung Quoten festsetzten, die allein das Ziel hätten, Einsparungen zu generieren. Bei Ärzten habe sich „die Denke“ verfestigt, dass sie Quoten einhalten und bei Arzneimitteln sparen müssten, ohne noch zu sehen, welches für den Patienten das richtige Arzneimittel sei. © fos/aerzteblatt.de

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