Politik

Studie zeigt regionale Unterschiede bei Demenzversorgung

Donnerstag, 18. September 2014

Berlin – Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen ist regional unterschiedlich verteilt. Der Wohnort, aber auch Alter und Geschlecht der Patienten beeinflussen außerdem die diagnostische und therapeutische Versorgung. Das zeigt eine neue Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) und des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN). Die Untersuchung mit dem Titel „Diagnostische und therapeutische Leistungsdichte von neu erkrankten, zu Hause lebenden Patienten mit Demenz“ ist auf dem Portal „versorgungsatlas.de“ erschienen. Der Berufsverband fordert als Konsequenz aus der Studie, die Vernetzung von Kliniken, Fach- und Hausarzt­praxen und Psychotherapeuten bei der Patientenversorgung vor Ort zu verbessern.

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In Deutschland leben derzeit mehr als 1,4 Millionen Menschen mit Demenz. Deren Zahl soll Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2050 auf etwa drei Millionen steigen. Frauen sind insbesondere in den höheren Altersklassen häufiger betroffen als Männer. Über dem Bundesdurchschnitt liegen die Krankheitsraten laut der Studie in den neuen Bundesländern, unterdurchschnittlich sind die Raten in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.

Bildgebende Diagnostik nur bei jedem fünften Patienten
Welche diagnostischen und nicht-medikamentösen therapeutischen Leistungen nieder­gelassene Haus- und Fachärzte regional erbringen, haben die Wissenschaftler bei 133.000 neu erkrankten Patienten untersucht, die zu Hause leben. Danach wird nur jeder fünfte Patient mit bildgebenden Verfahren untersucht, um behandelbare Ursachen der Demenz auszuschließen. „Grund hierfür könnten Unterschiede zwischen den haus- und fachärztlichen Leitlinien sein, die insbesondere im Bereich der Bildgebung beste­hen“, hieß es aus dem ZI.

In den neuen Bundesländern liege deren Einsatz mit 16 Prozent der Patienten noch unter dem der alten Bundesländer. Dort erhalten 19 Prozent der Patienten eine entsprechende Diagnostik. „Da Hausärzte ihre älteren Patienten oft seit vielen Jahren kennen, nutzen die Ärzte hier wahrscheinlich Ermessensspielräume, wie viel Diagnostik sie einsetzen“, sagte Jörg Bätzing-Feigenbaum, Leiter des Versorgungsatlas.

Eine bessere Vernetzung von Haus- und Facharzt ist notwendig
Die empfohlene bildgebende Diagnostik kommt laut der Untersuchung häufiger zum Einsatz, wenn die Patienten von Haus- und Facharzt gemeinsam behandelt werden. „Eine bessere Vernetzung der Leistungserbringer und die Definition von klinischen Behandlungspfaden wird für eine qualitativ hochwertige Versorgung immer wichtiger“, folgerte der BVDN-Vorsitzende Frank Bergmann.

Einen Ansatz dafür biete ein von neuropsychiatrischen Berufsverbänden und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung angestrebtes strukturiertes Versorgungsmodell für neurologische und psychische Erkrankungen. Es sieht vor, Berufsgruppen besser miteinander zu vernetzen, die Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems behandeln.

Auch das Alter der Patienten und das Geschlecht beeinflussen das Ausmaß der Diagnostik. Sind die Patienten älter als 75, sinkt laut der Studie der diagnostische Aufwand. Frauen erhalten generell weniger diagnostische Untersuchungen als Männer. „Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Frauen zumeist älter sind, wenn die Diagnose gestellt wird“, vermuten die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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