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Vitiligo: Wirkstoff kann Haut repigmentieren

Donnerstag, 18. September 2014

Detroit – Monatliche subkutane Injektionen mit Afamelanotid, einem synthetischen Analogon des Hormons alpha-MSH, das in der Haut die Bildung von Melanin stimuliert, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Dermatology (2014; doi:10.1001/jamadermatol.2014.1875) die Repigmentierung bei der Vitiligo gefördert, wenn es zusammen mit einer UV-B-Phototherapie kombiniert wurde.

Bei der Vitiligo kommt es, möglicherweise als Folge einer Autoimmunreaktion, zum Untergang von Melanozyten in der Haut, was einen Pigmentverlust zur Folge hat. Die Behandlung besteht derzeit in einer Schmalband UVB-Phototherapie, die allerdings nicht immer kosmetisch befriedigende Ergebnisse erzielt. Drei US-Behandlungszentren haben jetzt untersucht, ob die Kombination der Schmalband UVB-Phototherapie mit vier monat­lichen Injektionen mit Afamelanotid die Repigmentierung verstärken kann.

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Afamelanotid ist eine synthetische Variante von alpha-MSH, einem der drei Melanozyten-stimulierenden Hormone, die vom Hypophysenzwischenlappen, aber auch in der Haut selbst, gebildet werden und die Pigmentierung der Haut steuern. Afamelanotid wurde bereits Ende 1980er Jahre an der Universität von Arizona entwickelt. Die damals angedachte Indikation Hautkrebsprophylaxe wurde jedoch klinisch nicht geprüft.

Die australische Firma Clinuvel aus Melbourne strebt derzeit eine Zulassung bei der erythropoetischen Porphyrie – wo eine vermehrte Pigmentierung die Lichtempfindlichkeit verbessern soll - und bei der Vitiligo an. Bei der erythropoetischen Porphyrie hat der Hersteller bereits in Italien eine Zulassung erhalten.

Die Studien zur Vitiligo befinden sich noch in einem relativ frühen Stadium. Die jetzt mitgeteilten Ergebnisse stammen aus einer Phase II-Studie an 55 Patienten mit nonsegmentaler Vitiligo, die auf eine konventionelle Behandlung mit der Schmalband UVB-Phototherapie (2 bis 3 Bestrahlungen pro Woche über sechs Monate) oder auf vier zusätzliche subkutane Injektion von Afamelanotid randomisiert wurden. Clinuvel hat hierfür ein subkutanes „Implantat“ entwickelt, das den Wirkstoff verzögert freisetzt. Die Behandlungen  müssen deshalb nur eimal monatlich wiederholt werden.

Wie Henry Lim vom Henry Ford Health System in Detroit und Mitarbeiter berichten, beschleunigte Afamelanotid die Repigmentierung, die bereits nach 40 Tagen gegenüber 60 Tagen in der Vergleichsgruppe einsetzte und mit 49 Prozent versus 33 Prozent eine größere Ausdehnung erreichte. Zur Beurteilung waren der Vitiligo Area Scoring Index und ein Index der Vitiligo European Task Force verwendet worden.

Beide Therapien wurden laut Lim gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Erytheme und leichte Infektionen infolge der Phototherapie, sowie eine Nausea durch den Wirkstoff Afamelanotid.

Wann Afamelanotid zur Behandlung der Vitiligo zugelassen wird, ist derzeit nicht absehbar. Die Zulassungsbehörden in Europa und den USA dürften Fragen zur langfristigen Sicherheit stellen, da das Medikament mit den Melanozyten genau die Zellen stimuliert, die Ausgangspunkt des malignen Melanoms sind. Auch wenn es keine Hinweise auf eine Karzinogenität gibt, haben die Zulassungsbehörden in den letzten Jahren zur Vorsicht gemahnt. Sie warnten vor der Injektion von „Melanotan I“ (Afame­lanotid), das im Internet als Bräunungsmittel angepriesen und gehandelt wird. © rme/aerzteblatt.de

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